Mario Sedlak
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Tesla Model X

Das Model X von der Firma Tesla ist der "große Bruder" des Tesla Model S, mit dem er viele Teile und Funktionen gemeinsam hat. Hierzulande gibt es ihn seit 2016.

Es handelt sich um "eine Art SUV", aber er ist kein Wagen, mit dem man im unwegsamen Gelände fährt. Mit Extraausstattung finden bis zu sieben Personen in ihm Platz.

Der Model S war eine Revolution, der Model X ist im Prinzip das gleiche Auto mit Großraumkonzept.
das derzeit imposanteste Elektroauto auf dem Markt
Ein sündhaft teures Spielzeug mit maximaler Extravaganz für einen kleinen Kreis von Technik-Begeisterten

Varianten

Wie beim Tesla Model S gibt es auch das Model X in verschiedenen Ausführungen, die mit Namen wie 75D, 100D oder P100D bezeichnet werden. Diese bedeuten:

Es gibt auch eine vegane Variante. Das bedeutet in erster Linie: ohne Echtleder.

Daten

Leergewicht: 2468 kg
maximale Zuladung: 545 kg (inkl. Menschen)[1]
maximale Anhängelast: 2250 kg
nutzbare Akkukapazität: 75100 kWh (je nach Variante) – Ob wirklich so viel nutzbar ist, lässt sich schwer bestätigen.
Akkugewicht: 500 kg? – Ich halte 700–900 kg für realistisch. Der Hersteller macht keine Angaben.
Motorleistung: 245–568 kW[2]
Höchstgeschwindigkeit: 210–250 km/h – "Nach einigen Sekunden in diesen Geschwindigkeitsbereichen drosselt der Tesla die Geschwindigkeit aber etwas, um die Batterien und die Elektronik vor Überhitzen zu schützen."[3]
Kofferraumvolumen: 405 l (955 l bei umgelegter dritter Sitzreihe und nach vorne geschobene mittlere Sitzreihe) + 125 l unter der Fronthaube (Herstellerangabe: 2486 l – vielleicht mit vorgeklappten mittleren Sitzen, aber so darf man nicht fahren)[4]

Akku

Wie beim Model S gibt es für niedrige Außentemperaturen "ein spezielles Heizsystem" für den Akku.

Wenn der Fahrer im Menü "Ludicrous Mode" und "Maximale Batterieleistung" wählt, wird "der Antrieb auf volle Power getrimmt und der Akku auf Idealtemperatur gebracht".

Ladezeiten

Tesla hat auf den großen Hauptverbindungsrouten in ganz Europa Supercharger installiert, an denen man die Batterien in 30 Minuten zu 80 Prozent aufladen kann. ... Anders sieht es zuhause aus. Hier ist eine Starkstromleitung oder eine Wallbox ein Muss. Denn an der Haushaltssteckdose dauert es fast zwei Tage, bis die 100-kWh-Batterie vollgeladen ist.

Das Ladegerät schafft 17,5 kW (frühere Modelle: 11 kW).

Die Ladezeiten, die Tesla für seine Supercharger angibt (in 30 Minuten bis zu 270 Kilometer Reichweite), dürften etwas übertrieben sein. Zumal sich die Säulen den eingehenden Strom offensichtlich teilen müssen. Je mehr Rüssel zapfen, desto länger dauert das Laden.
Bei einem Supercharger an der Autobahn A9 wurde der Wagen mit einem halb vollen Akku nur mit 65 kW [statt 120 kW] geladen. So dauerte es dann noch 40 Minuten, bis die übliche 80-Prozent-Ladung erreicht war.

Haltbarkeit

8 Jahre Garantie auf den Akku ohne Kilometerbegrenzung

Kapazitätsverlust laut einem Intensivnutzer: 6%/75 000 km

Der Akku vom Model X hält angeblich 1 Mio km. Der 12V Akku aber nur 10 000 km.

Gefahren

Der Akku dürfte ähnlich feuergefährlich wie beim Model S sein.

Ausstattung

Der "Autopilot" dürfte genauso (sicher oder unsicher) wie im Tesla Model S funktionieren.

Die Windschutzscheibe erstreckt sich bis über den Kopf von Fahrer und Beifahrer – kein anderes Auto hat eine so große.

Außerdem ist das Model X das einzige Elektroauto-Modell (zumindest bis 2017), das einen Anhänger ziehen kann, aber beim Aufladen an den Superchargern muss immer erst abgekoppelt werden.

Flügeltüren

Weil die gelungene, aber letztlich einfache Form dem geneigten Käufer zu wenig sein könnte, um die Andersartigkeit seines Fahrzeugs zu dokumentieren, und weil – wie man hört – 90 Prozent der Kunden in Befragungen Gefallen daran gefunden haben, hat Tesla dem Model X Flügeltüren spendiert. Aber nur hinten.
Praktischer als Flügel- wären freilich Schiebetüren
Wenn jemand unter der Tür vorbeiläuft, wird der Türmechanismus gestoppt – wobei das System dabei nicht immer schnell genug reagiert.

... so faszinierend die riesigen Falt-Flügel-Türen auch sind: Das Öffnen und Schließen dauert extrem lange und nervt eher.

Es gibt/gab viele Beschwerden, dass die Flügeltüren nicht verlässlich funktionieren. Die Türen haben Sensoren, die Hindernisse erkennen sollen. Bei einem Nutzer krachten die Türen aber dennoch an die Decke.

Hacker-Gefahren

1.8.2017: Hacker bremsen Tesla Model X aus der Ferne

Datenübertragung

Alle Fahrzeuge der Firma Tesla werden über das Mobilfunknetz fernüberwacht, d. h. gewisse Daten werden automatisch an den Hersteller übertragen. Erstaunlicherweise war das lange Zeit kaum im Gerede. Auch die Basler Polizei hat das offenbar nicht gewusst, als sie 2018 mehrere Tesla Model X bestellt hat. Kritik:

Tesla [hat] Fernzugriff auf das Fahrzeug ... und auch Zugriff auf Positionsdaten – [weiß] also stets genau ..., welches Fahrzeug sich gerade mit welcher Geschwindigkeit in welche Richtung bewegt. ...

Der Polizei eine Fahrzeugflotte zu geben, die der Hersteller aus der Entfernung abschalten kann, ist vielleicht auch nicht die beste Idee

Tesla entgegnet:

Kunden könnten auf Wunsch die Weitergabe von Daten des Fahrzeugs deaktivieren.

Laut Teslas AGB ist es ...

... zwar grundsätzlich möglich ..., sämtliche Verbindungen zwischen Fahrzeug und US-Firma zu kappen. Was allerdings dazu führen könne, dass das Auto schwere Schäden nimmt oder nicht mehr bedienbar ist.

Verbrauch und Reichweite

Einfluss von Kälte

Einfluss von Geschwindigkeit

Sonstige Testergebnisse

Crash-Test

Im Crashtest der US-Behörde NHTSA gab es die Bestnote (fünf Sterne). Kein anderes SUV sei besser.

Motorleistung

Nach zwei, drei Beschleunigungen ist der X erst mal nicht mehr so rege. Die Ventilatoren fächeln der Elektrik Kühle zu

Design und Qualität

Lang wie ein Siebener und hoch wie ein Bus, und das alles weitgehend designfrei. Die Form ist plump ... Der Innenraum steht dann im krassen Gegensatz zum äußeren Auftritt. Hier haben sich die Designer wirklich was einfallen lassen, das Cockpit wird Teslas visionärem Anspruch voll gerecht.[7]
Im Vergleich zu den Anfangsjahren haben die Kalifornier auch in Sachen Verarbeitung stark zugelegt. An unserem Testwagen gab es in diesem Punkt – bis auf den falsch eingestellten Scheibenwischer auf der Fahrerseite – nichts zu meckern. Auch die Spaltmaße und Materialqualität stehen deutschen Premiumanbietern kaum bzw. gar nicht nach.
Die Verarbeitungsqualität und Materialanmutung liegen für einen Kleinserienhersteller auf einem erstaunlich hohen Niveau.[8]

Ausstattung

Einlenkverhalten, die Kurvenpräzision und bei hohem Tempo auch der Geradeauslauf des Tesla Model X lassen ein paar Wünsche offen. Ebenfalls nicht so gut wie die Systeme der Konkurrenz ist die Luftfederung. Sie lässt öfter mal Schlaglöcher unelegant zu den Passagieren durchsickern.
Die Luftfederung schluckt fast alle Unebenheiten. Leider gibt es diese Federung nur gegen Aufpreis, bei einem Auto dieser Preisklasse sollte sie serienmäßig sein.
Mit 22-Zoll-Rädern spricht der luftgefederte Tesla harsch auf kurze Unebenheiten an. Ansonsten bietet er hohen Fahrkomfort

In US-Medien wurden neben den Flügeltüren auch die zu schwach getönte, große Windschutzscheibe, die nicht umlegbaren Sitze der zweiten Reihe und der kleine Kofferraum kritisiert.

Bremsen

Bremsweg von 100 km/h auf 0: 35,4 m – "ein passabler Wert"[9]

Geht man vom Gaspedal, gibt es nur eine leichte Verzögerung (Motorbremse mit Energierückgewinnung). Durch das Bremspedal wird die Energierückgewinnung und damit die Verzögerung verstärkt. Erst zuletzt greift die mechanische Bremse.[10]

Bedienung und Verwendung

Keine Schalter und Knöpfe – alles wird mit dem großen Bildschirm geregelt. Hoffentlich fällt der nie aus.
Kein anderer Hersteller hat eine Fahrzeug-App, die so umfangreich, aber gleichzeitig so flink ist.

Am zentralen Bildschirm im Auto:

Die Karte baut sich mitunter allerdings etwas langsam auf.
Bei schwachem Empfang zieht sich der Kartenaufbau ... in die Länge.
Für die engen Innenstädte ist der Tesla weniger geeignet, weil schlicht sehr unhandlich. Zum Wendekreis von fast 13 m kommt die enorme Breite von 2,28 m und seine Länge von 5,05 m – er ist eben für amerikanische Straßen gemacht.[11]

Das Model X ist mit ausgeklappten Außenspiegeln "satte 2,27 Meter breit" – das kann auf einer Landstraße schon mal "mühsam" werden und viele Parkplätze sind für das Model X zu klein.

Ganz schlecht im Model X ist die Sicht nach hinten – Schießscharte wäre der passende Ausdruck. Zum Glück gibt es Parksensoren und eine Rückfahrkamera, die ihre Bilder gestochen scharf auf einen XXL-Monitor liefert. Vorausgesetzt, die Kamera ist nicht verschmutzt, was im Schmuddelwinter schnell passiert.
Die zweieinhalb Tonnen drücken ... auf den Fahrspaß, wenn es nicht mehr nur geradeaus geht. Auch die Lenkung ist ganz weit weg von einem sportlichen Fahrgefühl.[12]

Erfahrungsberichte

Wo so viel Drehmoment beim Beschleunigen auf die Fahrbahn übertragen wird, ist Profilschwund die Konsequenz. Manche Tesla-Fahrer berichten, dass ihre Reifen keine 10 000 Kilometer überlebten.

... Neid oder Spott, wie es Fahrer teurer Sportwagen immer wieder erleben, schlägt dem Tesla-Fahrer nicht entgegen. Alle finden den Wagen ... großartig.

Bei einem Unfall in China ließen sich die Flügeltüren des Model X nicht öffnen:

Die einzige mechanische Notentriegelung ist auf der Innenseite der Türen hinter dem Lautsprechergitter versteckt. Zu kompliziert, wenn unten Batteriezellen explodieren. Die beiden Passagiere schafften es durch die vorderen Türen aus dem Auto, kurz bevor es Feuer fing. Der Fahrer musste für mehr als einen Monat ins Krankenhaus – sein Airbag hatte nicht ausgelöst.

Empfehlenswert:

Heizbare Scheibenwischer. Die bei Schneefall durch die fehlende Motorabwärme einfrierenden Scheibenwischer sind wirklich nervig...
Der komplett flache Wagenboden ohne Getriebe/Auspuff-Tunnel ist wirklich super – man hat immer Platz für die Füße, aber mir sind schon so oft Gegenstände, vor allem Trink-Flaschen, von hinten nach vorne – unter das Bremspedal!! – gerollt. Jetzt weiß man, warum unter den Vordersitzen in anderen Fahrzeugen immer so Erhöhungen im Teppich sind.

Kosten

ab 96 730 €

Das ist sehr viel, wenngleich nicht mehr als bei einem vergleichbaren Verbrennerauto:

Ein Tesla Model X zu fahren ist billiger als einen Audi SQ7 TDI im Alltag zu bewegen. ... 1,32 € kostet der Tesla pro Kilometer, der Audi 1,38 € in der realen Gesamtkostenbetrachtung.

Um den Preis von 1,32 €/km kann man aber auch Taxi fahren.

Weiter

VW E-Golf

Siehe auch

Weblinks

Quellen

[1] ADAC-Autotest: Tesla Model X 100D (PDF), S. 12
[2] ADAC-Autotest: Tesla Model X 100D (PDF), S. 11
[3] ADAC-Autotest: Tesla Model X 100D (PDF), S. 7
[4] ADAC-Autotest: Tesla Model X 100D (PDF), S. 4, 12
[5] ADAC-Autotest: Tesla Model X 100D (PDF), S. 2
[6] Gerhard Berger in Autorevue. Österreichs führendes Auto-Magazin, 12/2016, S. 67
[7] Gerhard Berger in Autorevue. Österreichs führendes Auto-Magazin, 12/2016, S. 66
[8] ADAC-Autotest: Tesla Model X 100D (PDF), S. 5
[9] ADAC-Autotest: Tesla Model X 100D (PDF), S. 8
[10] ADAC-Autotest: Tesla Model X 100D (PDF), S. 8
[11] ADAC-Autotest: Tesla Model X 100D (PDF), S. 2
[12] Gerhard Berger in Autorevue. Österreichs führendes Auto-Magazin, 12/2016, S. 66f.