Mario Sedlak
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Glaube

Das Kennzeichen eines Glaubens ist, dass man etwas bedingungslos für wahr hält, obwohl es keine ausreichend guten Gründe dafür gibt (sonst wäre es eine Tatsache und kein Glaube). Für mich als wissenschaftlich denkenden Menschen ergibt das nicht viel Sinn. Dass die meisten Menschen einen Glauben haben, ist für mich ein Paradoxon, welches mich zu jahrelanger intensiver Auseinandersetzung mit dem Thema anspornte.

Beweggründe und Denkweisen von Gläubigen

Ursprünglich habe ich gedacht, ein Mensch glaubt, weil aus seiner Sicht die Fakten und Beweise keinen anderen Schluss zulassen. Heute denke ich, dass in der Regel zuerst der Glaube da ist und die "Beweise" werden erst dann wichtig, wenn der Gläubige mit einem Skeptiker diskutiert.

Meiner Erfahrung nach glauben die meisten Menschen in 1. Linie deshalb, weil es das Leben einfacher und schöner macht.

Ich kann nicht etwas für wahr halten, nur weil es schön ist. Dazu müsste ich mich selbst belügen oder meinen Verstand abschalten.

Toleranz

Die meisten Gläubigen wissen, dass ihr Glaube nicht beweisbar ist. Dennoch gibt es gerade im Glauben "ewig gültige Wahrheiten". Ich nenne sie "Glaubenswahrheiten", denn sie haben mit der Wahrheit im Sinne von zuverlässigen Erkenntnissen nichts zu tun. Sie sind vielmehr Annahmen, die nicht hinterfragt werden sollen.

Es ist schwierig, zugleich an "die ewige Wahrheit" zu glauben und zuzugeben, dass es auch noch "andere Wahrheiten" geben könnte. Toleranz gegenüber Andersdenkenden ist für viele Gläubige daher eine große Herausforderung. Dazu kommt die generelle Neigung der Menschen, umso vehementer für eine Sache einzutreten, je weniger man mit sachlichen Argumenten dafür sprechen kann.

Ich wünschte, alle Gläubigen hätten so eine tolerante Sichtweise wie jene junge Christin, die mir über ihre Beweggründe schrieb:

Der Zweck des Glaubens ist für mich das gute Miteinander. Wenn man an Gott denkt, so denkt man an das Gute und wenn man an das Gute denkt, dann kann nur was Gutes rauskommen. Die einen können das besser als die anderen.

Dem kann ich vollkommen zustimmen. Sogar ein Ungläubiger kann hier einen Nutzen im Glauben erkennen. Was zählt, sind die Ergebnisse, finde ich. Es geht nicht darum, welche Religion die einzig wahre ist oder dass man die Bibel buchstäblich als Wort Gottes interpretiert. Tatsächlich gibt es im Glauben keinen "Weg zur Wahrheit" und keinen "Irrweg".

Glaube und Wissenschaft

"Glauben" und "wissen" sind für mich Gegensätze. Das einzige, an das ich glaube, ist, dass ich aus Erfahrung lernen kann.

Einen Wissenschaftler kann man durch Fakten (Beobachtungen, Experimente, Studien etc.) von seiner Theorie abbringen. Aber einem Menschen seinen Glauben zu nehmen, ist normalerweise unmöglich. Ich kenne niemanden, der mir sagen kann, was passieren müsste, damit er seinen Glauben als falsch betrachten würde. Wenn eine Widerlegung aber prinzipiell undenkbar ist, dann handelt es sich um eine von vornherein festgelegte Ansicht und das ist absolut unwissenschaftlich.

Wenn Leute ihren Glauben wechseln oder aufgeben, dann offenbar nur deswegen, weil sie das Gefühl haben, dass es ein falscher Glaube ist. Glauben ist meines Erachtens eine reine Gefühlssache.

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Religion

Siehe auch

Andere Gebiete, in denen Glaubensvorstellungen verbreitet sind: