Mario Sedlak
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Positionen zum Elektroauto

Über das Elektroauto gehen die Meinungen erstaunlich weit auseinander.

Umweltschutzorganisationen

Der Riss zwischen Befürwortern und Gegnern von Elektroautos geht mitten durch die Umweltverbände. Auffallend ist, wie unterschiedlich das Elektroauto in Österreich und Deutschland gesehen wird bzw. wurde.

Österreich Deutschland
  • Greenpeace in Österreich sieht inzwischen "erhebliche Mängel" bei der Elektroauto-Idee.
    2011 forderte die Umweltorganisation noch einen gesetzlichen Fahrplan für E-Mobilität. Elektrofahrzeuge sollten so schnell wie möglich kommen, wobei nur Strom aus erneuerbarer Energie für ihren Antrieb verwendet werden sollte. Anschaffung und Betrieb der Fahrzeuge sowie Ausbau der Ladestationen sollten aus öffentlichen Geldern stark genug subventioniert werden, damit es zu einem Boom kommt, hieß es in einer Studie,[1] wobei an anderer Stelle zugegeben wurde: "Im Verkehrsbereich muss das enorme Effizienzpotenzial ausgeschöpft werden, bevor neue Technologien wie beispielsweise Hybridfahrzeuge oder elektrische Autos eine bedeutende Rolle spielen können."[2]
  • Für Greenpeace Deutschland sind Elektroautos kein Beitrag zum Klimaschutz, weil sie nur scheinbar emissionsfrei fahren. Stattdessen sollten die konventionellen Autos verbessert werden. Elektroautos können höchstens mittel- und langfristig helfen, die individuelle Mobilität klimafreundlich zu gestalten.
  • Der Verkehrsclub Österreich lehnt hohe staatliche Förderungen für den Kauf von Elektroautos ab. "Der Ersatz von konventionellen Fahrzeugen durch Elektro-Fahrzeuge ist weder ökologisch noch wirtschaftlich eine Lösung der bestehenden Verkehrs- und Umweltprobleme. ... Elektro-Fahrzeuge können aber als Teil einer multimodalen Zukunft gesehen werden."[3] Und da es so viele Wasserkraftwerke in Österreich gibt, habe das Elektroauto hierzulande ein großes Potenzial zur Senkung von Kohlendioxid-Emissionen im Autoverkehr.[4] Der Strom müsse aber unbedingt aus erneuerbaren Energiequellen kommen. Weil Elektroautos im Betrieb billiger als normale Autos sind, bestehe die Gefahr, dass Elektroautofahrer seltener mit den Öffentlichen oder mit dem Fahrrad fahren.[5] Das Elektroauto werde ein Umdenken und Umlenken Richtung Gehen, Radfahren und öffentlicher Verkehr nicht ersetzen. Die Zahl der Autos, egal mit welchem Antrieb, müsse verringert werden.
  • Der Verkehrsclub Deutschland steht auf dem Standpunkt, dass Elektroautos erst dann keine Kohlendioxid-Emissionen verursachen, wenn es (fast) nur noch saubere Kraftwerke gibt. Das Argument, der Strom käme aus zusätzlich gebauten, emissionsfreien Kraftwerken oder von Solarzellen am Dach des Elektroautofahrers, und deswegen dürfe man den CO2-Ausstoß von Elektroautos auf 0 setzen, hält er für nicht stichhaltig.[6] Als Zweitwagen sind Elektroautos "ökologisch kontraproduktiv ..., entsprechend empfiehlt der ökologische Verkehrsclub VCD in seiner Auto-Umweltliste nicht deren Kauf. Er empfiehlt aber das intensive Ausprobieren von E-Autos" bei Firmenflotten und Leihautos.[7]
  • Der WWF Österreich positioniert sich nur langfristig: Bis 2050 sieht er eine massive Zunahme von Elektroautos vonnöten, um die Energiewende zu schaffen. Der durchschnittliche Verbrauch dürfe maximal 12 kWh/100 km betragen. Öffentlicher und nichtmotorisierter Verkehr müssten einen Anteil von 50% erreichen.[8]
  • Global 2000 meint: "Das Elektroauto hat ... Zukunft. Allerdings wird es bei unserem derzeitigen Mobilitätsverhalten die konventionellen Autos nicht 1:1 ersetzen können und sollen."
  • Werner Neumann, Energiefachmann des BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland (wie Global 2000 Mitglied bei Friends of the Earth), sieht die Vision ungezügelter Mobilität mit Hilfe elektrischer Antriebe skeptisch: "Elektroautos werden die CO2-Emissionen der Autoflotte bis 2020 nur marginal verringern." Sofern die Elektroautos effizienter, kleiner und leichter
    werden, erachtet sie der BUND für eine sinnvolle Zukunftsoption. Der Strom müsse aus zusätzlicher erneuerbarer Energie kommen (wobei der BUND selbst nicht sagen kann, wie das sichergestellt werden kann, weil neue Ökostrom-Kraftwerke bereits über die Ökostrom-Förderung finanziert und gebaut werden). Der öffentliche Verkehr müsse weiterhin Vorrang haben. Als Zweit- und Drittauto in Städten lehnt der BUND Elektroautos ab.[9]
  • Die Umweltberatung verweist auf die Niederösterreichische Energie- und Umweltagentur. Für die ist klar: "Elektromobilität ist umweltfreundlich und leistet einen entscheidenden Beitrag zur Erreichung der niederösterreichischen Klimaziele."
  • Die Deutsche Umwelthilfe warnt vor "undifferenzierter Euphorie" hinsichtlich der Elektromobilität und vor einem Verkehrskollaps, den Elektroautos als Zweit- und Drittauto ihrer Ansicht nach bewirken würden.

Autofahrerclubs

Österreich Deutschland
  • Der ÖAMTC hat zusammen mit der Energie- und Umweltagentur Niederösterreich eine Werbebroschüre erstellt, die alle positiven Aspekte von Elektroautos anpreist. Ankaufsförderungen und Privilegien für Elektroautos sieht er aber kritisch.[10]
  • In Wahrheit werde es auf Jahre keine Elektroautos geben, deren Nutzwert auch nur annähernd an Autos mit Verbrennungsmotor heranreicht, betont ein ADAC-Experte. Mehr als 200–300 km Reichweite seien nicht drin. Der Umwelt bringe der "Elektro-Hype" nichts.
  • Der ARBÖ fordert "vehement" die Umsetzung von zielführenden Maßnahmen zur Steigerung des Elektroautoanteils.[11]

Politik

Österreich Deutschland
  • Für die Grünen sind Elektroautos im innerstädtischen Verkehr keine massentaugliche Alternative zum herkömmlichen Auto bzw. zu Öffis. 2010 meinten die Wiener Grünen noch: "Gerade für eine Großstadt wie Wien sind Elektrofahrzeuge eine besonders clevere und ökologische Alternative zum herkömmlichen Auto mit Verbrennungsmotor."[12]
  • "Elektroauto ist das Fortbewegungsmittel der Zukunft", glaubt die FPÖ und fordert einen "Kaufanreiz durch österreichweite Investitionsförderung in Höhe des Mehrwertsteuersatzes".

Meine Position

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Ich glaube nicht, dass man von Österreich (rechts) ein langes Verlängerungskabel nach Passau (links) verlegen sollte, damit man dort "saubereren" Strom tanken kann. Es gibt ja schon Leitungen von Österreich nach Deutschland!

Österreich und Deutschland haben ein gemeinsames Stromnetz und einen gemeinsamen Strommarkt. Die Wasserkraft, die wir nicht verbrauchen, wird u. a. nach Deutschland exportiert und ersetzt dort Wärmekraftwerke, die fossile Energie verfeuern. Dass trotzdem Elektroautos hierzulande deutlich positiver bewertet werden als in Deutschland, wo es viele Kohle- und Atomkraftwerke gibt, ist ein Missverständnis über die Umweltwirkungen durch den Verbrauch von Strom. Es ist absurd, dass ein in Passau geladenes Elektroauto für mehr Kohlendioxid-Ausstoß verantwortlich sein soll, als wenn es ein paar Kilometer über die Grenze nach Österreich zum Tanken fährt. In Wirklichkeit verzögert jeder zusätzliche Stromverbrauch – egal, wo – die Energiewende.

Die Position von Skeptikern wie Greenpeace Deutschland und dem Verkehrsclub Deutschland ist meines Erachtens korrekt. Sie verdienen Lob, dass sie dem großen Druck aus den Reihen der zahlreichen Begeisterer standhalten.

Weiter

Zukunft von Elektroautos – Auch da unterscheiden sich die Einschätzungen drastisch.

Siehe auch

Quellen

[1] Energy Revolution 2050. Der Weg zu einer sauberen Energie-Zukunft für Österreich (PDF), Studie des Instituts für Höhere Studien im Auftrag von Greenpeace u. a., S. 126 (im PDF S. 140)
[2] Energy Revolution 2050 (PDF), S. 24 (im PDF S. 38)
[3] Verkehrsclub Österreich: Potenziale von Elektro-Mobilität, S. 13
[4] Verkehrsclub Österreich: Potenziale von Elektro-Mobilität, S. 9f.
[5] Verkehrsclub Österreich: Potenziale von Elektro-Mobilität, S. 23
[6] Verkehrsclub Deutschland: Position Elektromobilität (PDF), S. 4
[7] Gerd Lottsiepen, Sprecher des Verkehrsclub Deutschland: Chancen und Grenzen von E-Mobilität und Elektroautos (PDF), S. 79 (im PDF S. 10)
[8] WWF: Factsheet Energiezukunft Österreich 2050 (PDF), S. 3
[9] BUND-Position für eine zukunftsfähige Elektromobilität (PDF), S. 3 und 8
[10] Auto-Touring. Das Mobilitätsmagazin des ÖAMTC, 5.2017, S. 46
[11]
[12] "Unser Wahlkampf-E-Car" (nicht mehr aufrufbar), 28.9.2010