Mario Sedlak
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Dieser Artikel wurde im SOL-Magazin, Frühling 2021, S. 18f. veröffentlicht. Das SOL-Magazin ist eine Zeitschrift des "Nachhaltigkeitsvereins" SOL.


Welche Heizung ist die beste für die Umwelt?

Eine persönliche Rangliste

Wer sich für eine Heizung entscheiden muss, hat die Qual der Wahl. Es ist keine leichte Frage, welche Heizmöglichkeit am ökologischsten ist. Sogar innerhalb der Umweltschutz-Bewegung wird darüber debattiert, denn jedes Heizsystem hat Vor- und Nachteile. Ich achte vor allem auf Effizienz und Luftverschmutzung.

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Sonnenkollektoren

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Gedämmter Wasserbehälter zur Wärmespeicherung für ein paar Tage

1. Sonnenenergie

Die Nutzung der Sonnenwärme ist aus meiner Sicht ideal, da sie kein Brennmaterial verbraucht, und der Energiegewinn pro Quadratmeter ist rund dreimal so groß wie von Solarzellen, die aus Sonnenlicht Strom erzeugen. Noch haben wir genug Flächen, aber wenn der Solarstrom-Ausbau weiter so gut voranschreitet, kann das schon in 10 Jahren anders aussehen. Wärme lässt sich nicht so leicht wie Strom transportieren, daher ist es ökologisch sinnvoll, vorrangig Sonnenkollektoren auf die Dächer zu geben.

Als alleinige Heizung reichen Sonnenkollektoren nicht, da es im Winter zu wenig Sonne gibt, und die Wärme vom Sommer bis in den Winter zu speichern, würde einen riesigen Wasserspeicher erfordern. Das wurde bisher erst wenige Male gemacht, hauptsächlich für größere Häuser oder zur Fernwärmelieferung. Je größer der Speicher ist, desto länger bleibt er warm.

2. Wärmepumpe

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Luft-Wärmepumpe

Wärmepumpen können der Umgebung Wärme entziehen und diese auf eine Temperatur anheben, die zur Beheizung reicht. Am einfachsten und billigsten sind Luft-Wärmepumpen. Diese entziehen der Außenluft Wärme. Gute machen im Jahresdurchschnitt aus einer Kilowattstunde (kWh) Strom 3 kWh Wärme. Gleichzeitig produzieren Kohlekraftwerke aus 3 kWh Wärme 1 kWh Strom. Für das Klima sind gute Luft-Wärmepumpen daher weder schädlich noch nützlich. Bei ungünstiger Verwendung (Temperaturen über 35°C) brauchen sie mehr Strom und sind klimaschädlich.

Eine echte CO2-Ersparnis schaffen Wärmepumpen, die dem Erdreich oder Grundwasser Wärme entziehen. Da dieses eine höhere Temperatur als die kalte Winterluft hat, kann eine gute Wärmepumpe damit 4 kWh Wärme pro Kilowattstunde Strom produzieren. Nachteilig sind die deutlich höheren Kosten. Außerdem braucht man genug Fläche – die in der dicht verbauten Stadt nicht überall vorhanden ist. Bohrungen können das Grundwasser verschmutzen und Bodenhebungen oder -senkungen bewirken. In Deutschland gibt es etliche Fälle mit Millionen Euro Schaden; in Österreich meines Wissens nicht. Vielleicht ist hier der Boden anders. Nachteil von Luft-Wärmepumpen ist, dass sie nicht geräuschfrei arbeiten.

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Pumpspeicherkraftwerk im Maltatal (Kärnten)

Wärmepumpen sind für die Energiewende beim Heizen wohl unverzichtbar, da nur Ökostrom in genügender Menge bereitgestellt werden kann, um alle fossilen Energiequellen zu ersetzen. Ungünstig ist, dass eine hohe Kraftwerksleistung vorgehalten werden muss, die nur im Winter gebraucht wird. Das spricht gegen eine massenhafte Installation von Luft-Wärmepumpen, denn bei Minusgraden steigt deren Stromverbrauch stark an – und damit die Leistung, die im Stromnetz vorhanden sein muss, auch wenn sie nur in seltenen Kältewellen gebraucht wird. Dass Luft-Wärmepumpen im Durchschnitt ganz passabel sind, hilft da nicht. In Österreich haben wir für solche Verbrauchsspitzen genug Speicherkraftwerke (Stauseen), aber andere Länder, die keine großen Gebirge haben, werden sich was überlegen müssen.

Wer Solarzellen hat, kann mit einer Wärmepumpe den Eigenverbrauch erhöhen, aber ökologischer wäre das Einschalten der Wärmepumpe möglichst zu Zeiten, wo wenig konventionelle Kraftwerke am Netz sind (weil der Verbrauch gering oder die Ökostrom-Einspeisung hoch ist). Ein größerer Speicher (Wasser oder Betondecke) kann deswegen ökologisch vorteilhaft sein.

3. Fernwärme aus Kraft-Wärme-Kopplung oder Abwärme

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In Wien-Simmering wird aus Gas und Holz sowohl Strom als auch Fernwärme erzeugt.

Wärmekraftwerke können Strom und Wärme zugleich produzieren. Die Wärme ist nicht, wie häufig suggeriert wird, ein "Abfallprodukt". Bei reiner Stromproduktion hat der Dampf am Ende nur 20–30°C. (Wegen Unterdruck kondensiert er nicht schon bei 100°C.) Für ein Fernwärmenetz braucht man aber 60–160°C. Deswegen sinkt die Stromausbeute, wenn das Kraftwerk gleichzeitig Heizwärme liefert. Es ist allerdings immer noch effizient: Für 5 kWh Wärmelieferung sinkt die Stromerzeugung um 1 kWh. Die Netzverluste liegen meist im Bereich von 10–15%.

Mittels Fernwärme kann auch die Abwärme von Müllverbrennungsanlagen oder Industriebetrieben genutzt werden. Fernwärme aus reinen Heizwerken spart keine Energie, aber bei der zentralen Anlage können Luftschadstoffe besser ausgefiltert werden.

Wenn es Fernwärme gibt, würde ich sie nutzen. Wie lange es sie noch gibt, ist fraglich, denn mit sinkendem Wärmebedarf (wegen Wärmedämmung und Klimawandel) lohnen sich die meisten Fernwärmenetze irgendwann weder für die Umwelt noch finanziell.

4. Holzpellets und Hackschnitzel

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Holzpellets

Österreichs Wald ist groß und wird nachhaltig bewirtschaftet. Angeblich wird sogar weniger Holz entnommen als nachwächst. Tatsächlich sind die meisten unserer Wälder wenig naturbelassen und enthalten kaum noch Totholz. Und obwohl Österreich ein waldreiches Land ist, importiert es bereits mehr Brennholz als es exportiert.[1] Maximal 1,3 Millionen Haushalte können mit heimischem Holz heizen, hat der Biomasseverband mal ausgerechnet. Und Holzstaub wird immer mehr auch in Kohlekraftwerken mitverbrannt, um CO2 zu vermeiden, ohne groß was ändern zu müssen.

Holzpellets sind zusammengepresste Holzspäne. Für die Herstellung inklusive Holzernte und Transport werden 3–20% der enthaltenen Energie aufgewendet. Pelletsheizungen funktionieren vollautomatisch und produzieren nur wenig Feinstaub. Das gilt auch für Hackschnitzelheizungen, die jedoch nur für größere Häuser oder Heizwerke üblich sind.

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5. Stückholz

Ganze Holzstücke zu verbrennen, ist die billigste, aber auch arbeitsintensivste Heizung. Das Anzünden will gelernt sein, sonst werden unnötig viele Luftschadstoffe produziert. In Ballungsräumen mit Feinstaub-Problem sind einfache Holzöfen abzulehnen. Keinesfalls Plastikabfall verbrennen! Dabei entstehen giftige Gase.

6. Gasheizung

Erdgas verbrennt relativ sauber, praktisch ohne Feinstaub. Eine Umstellung auf ökologisch bessere Heizungen ist meiner Meinung nach nicht dringend. Das Holz kann man jenen überlassen, die nicht an das Gasnetz angeschlossen sind.

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Biogasanlage

Man kann auch reines Biogas kaufen. Ökologisch sinnvoll ist nur Biogas, das aus Abfällen gewonnen wird – dieses reicht aber nur für wenige Prozent der Haushalte.

7. Ölheizung

Heizöl ist weniger sauber und zum Verbrennen eigentlich zu schade. Pflanzenöl ist auch keine Alternative, da für bedeutende Mengen riesige Anbauflächen nötig wären, die aber für die Produktion von Lebensmitteln gebraucht werden.

8. Kohleheizung

Mit Kohle heizt in Österreich kaum noch wer, und das ist gut so, denn Kohle ist der schmutzigste und CO2-intensivste Brennstoff.

9. Strom-Nachtspeicherheizung

Wer mit Strom heizt, verbraucht – unter Einrechnung der Verluste in Kohlekraftwerken und im Stromnetzdreimal so viel Energie wie bei direkter Beheizung mit einem Ofen. Ein Bezug von Ökostrom verbessert die Bilanz nicht, weil der verbrauchte Ökostrom dann keinen Kohlestrom mehr ersetzen kann.

Immerhin kann die Speicherheizung dann eingeschaltet werden, wenn gerade viel Ökostrom im Netz ist. Dass die Stromheizung ca. dreimal so viel Energie wie eine Wärmepumpe braucht, kann aber niemals kompensiert werden.

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Heizstrahler

10. simple Stromheizung

Stromheizungen ohne Speicher haben den weiteren Nachteil, dass sie die Verbrauchsspitzen im Stromnetz erhöhen. Infrarotstrahler können z. B. für selten genutzte Arbeitsplätze in großen, unbeheizten Hallen oder im Badezimmer eines Passivhauses sinnvoll sein. Als Dauerbeheizung sind sie genauso ineffizient wie andere Stromheizungen.

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Wohin mit dem Ökostrom?

Quellen

[1] Klimaministerium: Innovative Energietechnologien in Österreich. Marktentwicklung 2019 (PDF, 11 MB), S. 28