Mario Sedlak
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Dieser Artikel wurde in Die Sternenrundschau. Zeitschrift des astronomischen Jugendclubs "Dingi"-Vindemiatrix, 4/1997, S. 13–16 veröffentlicht.

Damals musste man das Internet noch erklären. Heute ist dieser Artikel natürlich nur noch von historischem Interesse. Die externen Links gehen in das Webarchiv und zeigen den damaligen Stand der Websites.


Astronomie im Internet

Das Internet ist das weltgrößte Computernetz, und mit jedem Tag kommen neue Angebote hinzu. Erst kürzlich wurde das Internet mit einem Service der Kuffner-Sternwarte in Wien/Ottakring um eine weitere Astronomie-Informationsquelle bereichert. Das Gesamtangebot ist schon längst unüberschaubar geworden. Wollte man sich alles ansehen, was im Internet so über Astronomie zu lesen ist, würde man vermutlich nie fertig werden, zumal ständig etwas Neues hinzukommt. Es scheint, als wird es in naher Zukunft selbstverständlich sein, dass jede Institution, die etwas auf sich hält, auch im Internet präsent ist. Dieser Artikel kann daher nur einen kleinen Vorgeschmack geben, was man alles über Sterne & Co. von jedem Computer mit Internet-Anschluss aus abrufen kann.

Als erstes möchte ich die Online-Versionen von diversen Zeitungen und Zeitschriften erwähnen. An astronomischen Publikationsorganen sind z. B. Sky & Telescope vertreten.

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Es spielt im Internet prinzipiell keine Rolle, von wo auf der Welt die Daten tatsächlich kommen. Ob von Wien oder von Neuseeland, die Kosten sind in jedem Fall dieselben, nämlich Ortstarif-Telefonkosten plus ein gewisser Betrag, der einem für den Internet-Zugang verrechnet wird. Nur Studenten kostet es nichts, außer vielleicht eine längere Wartezeit, bis ein Uni-Rechner frei wird.

Was wird einem nun geboten, wenn man die gewünschte Seite geladen hat? Zunächst erscheint die sogenannte Homepage, d. h. die Titelseite mit Inhaltsverzeichnis. Von da aus kann man mit einem Mausklick das gesamte Angebot durchforsten. Bei der Internet-Seite von Sky & Telescope findet man z. B. neben allerlei Foren über astronomische Bücher, Beobachtungsgeräte und Zubehör auch Auszüge aus der aktuellen (Papier-)Ausgabe von Sky & Telescope. Selbstverständlich wird bewusst nicht alles im Internet veröffentlicht, denn die dortigen Informationen sind üblicherweise kostenlos und anonym abrufbar. Allein schon aus Finanzierungsgründen wird also das Internet auf absehbare Zeit die "konventionellen" Zeitschriften nicht verdrängen. Trotzdem finden sich aber vereinzelt auch durchaus interessante Artikel, wie z. B. über zukünftige Sonnen- und Mondfinsternisse oder eine Einführung in das wissenschaftliche Meteorbeobachten.

Es ist fast ein ungeschriebenes Gesetz, dass jeder Internet-Autor Verweise (sogenannte Links) zu anderen Seiten angeben muss. So kann man praktisch beliebig lange durch das Internet "surfen" – man weiß nur oft nicht, ob einen diese Irrfahrt wirklich zu interessanten Orten führt. So kommt man beispielsweise von dem Meteor-Artikel zu der Homepage der International Meteor Organization. Diese Vereinigung hat es sich zur Aufgabe gemacht, die steigende Zahl der Amateur-Meteorbeobachtungen zu koordinieren. Wer mitmachen will, kann von seinem Computer aus sofort in Kontakt mit der Gruppe treten. Ergebnisse und Fotos werden im Internet jedem Interessierten zugänglich gemacht. Auch ein Kalender für die Meteorschauer bis 1997 ist abrufbar.

Eine umfangreiche Einführung in die Kunst des wissenschaftlichen Meteor-Beobachtens findet man auch bei der Homepage des North American Meteor Network, einer losen Vereinigung von Astronomen und interessierten Laien. Statt in einer Vereinszeitung wird im Internet publiziert. Natürlich gibt es auch wieder etliche Links zu anderen Internet-Seiten. Neben verschiedenen lokalen Meteor-Gruppen kann man so auch zur Online-Version der neuseeländischen Meteor-Zeitschrift Meteorite! International Quarterly Magazine gelangen. Geboten werden dort ausgewählte Artikel aus der für 27 USD bestellbaren Zeitschrift. Von der November-Ausgabe dieser Zeitschrift findet sich z. B. ein Artikel "Pro- und Contra zu Leben auf dem Mars" als Kostprobe im Internet. Das ist das Schöne am "Datenhighway": Mit einem Mausklick kann man rund um den Erdball reisen, und zwar ohne es zu bemerken, denn die Übertragungsgeschwingkeit scheint kaum abhängig zu sein von der geographischen Entfernung (wohl aber von der Uhrzeit und dem Wochentag; sonntags geht es um ein Vielfaches schneller).

Die Standardsprache im Internet ist Englisch. Nur lokale Informationen werden manchmal auch in der jeweiligen Landessprache kundgemacht. Die Internet-Seiten der Kuffner-Sternwarte zählen z. B. zu den wenigen, die auch auf Deutsch verfügbar sind.

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Darauf kann man sich über Themen und Zeiten angekündigter Führungen und Vorträge sowie über die 110-jährige Geschichte der Sternwarte informieren. Auch erfährt man von dem freundlichen Angebot der Sternwarte, bei der Aufklärung eventuell gesehener "unbekannter Objekte am Himmel" zu helfen. Und natürlich finden sich auch hier wieder eine ganze Reihe von Links zu anderen interessanten Stellen im Internet.

Eine Zusammenstellung von Links wird auch von der TU Wien angeboten. Darin sind z. B. die Weltraumbehörden (NASA, ESA, ...) sowie verschiedene wissenschaftliche Institute aufgelistet. Der Vorteil solcher Übersichten ist, dass man etwas gezielter weitersurfen kann. Interessiert man sich z. B. besonders für den Mars, so ist man mit einem Klick beim Center for Mars Exploration der NASA.

Wochenlang könnte man sich auch in der Online-Bilddatenbank der NASA aufhalten. Dort findet man von den Anfängen der Raumfahrt bis heute mehrere zehntausend digitalisierte Bilder, von neuesten Erd-Satellitenaufnahmen bis hin zu Fotos von fernen Galaxien. Zusätzlich kann man auch Hintergrundinformationen zu allen NASA-Missionen abrufen. Eine sehr gute Idee ist meiner Meinung nach "das Bild des Tages", dem auch eine kurze Erklärung beigefügt ist. Wenn man nicht jeden Tag Gelegenheit hat, die NASA-Seite aufzurufen, so macht das natürlich nichts, denn im elektronischen Archiv kann man auf alle bisherigen "Bilder des Tages" zugreifen. So sollen auch Astronomie-Neulingen die Geheimnisse des Kosmos nähergebracht werden. Wem eine kurze Erklärung nicht genügt, der kann sich mittels der Vielzahl von Links mit dem Thema beliebig lange weiter auseinandersetzen. Man kann sich beispielsweise im NASA Spacelink / An Aeronautics & Space Resource for Educators umsehen. Der Großteil der Online-Informationen, die die NASA im Internet anbietet, ist allerdings eher für Wissenschaftler gedacht, die eine ganz spezielle Frage untersuchen wollen. Für den Hobby-Astronomen sind die Daten und Bilder oft noch zu wenig aufbereitet, um wirklich interessant zu sein.

Nun noch einmal kurz zurück nach Österreich. Da gibt es seit Kurzem Astronomy-Online, eine Gemeinschaft, die Studenten und ihre Lehrer aus aller Welt mit den neuen Kommunikationsmöglichkeiten vertraut machen und gleichzeitig in das Abenteuer der Wissenschaft einführen will.

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Interessant ist vor allem die Zusammenstellung der Tätigkeiten auf dem Astronomie-Sektor in Österreich. Außerdem findet man unter vielen anderen eine Seite, auf der Bilder von jedem Planeten unseres Sonnensystems sowie einigen Kometen zusammengestellt sind, die man sich einzeln herunterladen und in eigene Produktionen einbinden kann.

Damit will ich meine kurze Rundreise durch den "Cyberspace" beenden. Es stellt sich nun die Frage, ob das Internet überhaupt einen praktischen Nutzen für Interessierte der Astronomie hat. Jemand, der heute zum ersten Mal von den Möglichkeiten des Internets hört, wird vielleicht davon begeistert sein. Die Realität sieht allerdings, wie so oft, anders aus. Da ist zum Einen einmal die lästige Warterei, bis man die angewählten Seiten endlich am Bildschirm sehen kann. Nicht selten wartet man summa summarum länger als man wirklich liest. Kontaktiert man hochfrequentierte Rechner, wie z. B. den der NASA, kann man auch schon mal fünf Minuten oder länger auf eine Antwort warten. Noch schlimmer sieht es aus, wenn man Bilder laden möchte, denn bei denen sind naturgemäß sehr viel mehr Daten zu übertragen als bei reinem Text. Bis das Bild fertig geladen ist, kann man oft eine gemütliche Kaffee-Pause einlegen. Wenn man die Bilder nicht weiter verwenden, sondern nur ansehen will, ist man mit einem Bildband aus der öffentlichen Bibliothek (oder vom Clubleiter Peter Reinhard) besser dran. Im Internet gibt es neben Bildern auch kurze Videofilme, die zwar sehr interessant wären, jedoch selbst in allerbescheidenster Qualität eine unakzeptabel hohe Übertragungszeit erfordern würden.

Der gewichtigere Einwand ist jedoch der allgemein geringe Informationsgehalt im Internet. Bedingt dadurch, dass die Anbieter für das Aufrufen ihrer Seiten kein Geld bekommen, ist nicht zu erwarten, dort qualitativ hochwertige, gut aufbereitete Beiträge zu finden. Wer sein Wissen über Astronomie allgemein erweitern will, arbeitet auch hier mit den "altmodischen" Büchern effizienter. Nur wenn man ganz genau weiß, was man sucht, ist das Internet wirklich nützlich. Dann kann man auch leistungsstarke Such-Hilfen verwenden und braucht nicht ziellos im Netz herumzuirren. Man sollte aber nicht glauben, im Internet "Insider-Informationen" zu finden. Fast alles kann man auch von anderen Quellen erfahren, und der kleine Rest wird, falls er wirklich interessant ist, früher oder später ebenfalls veröffentlicht. "Insider-Informationen" zu suchen, ist also höchstens für die Autoren jener Veröffentlichungen interessant. Dabei können sie dann auch einen der Vorteile des interaktiven Netzes nutzen: Fast allen Betreibern kann man nämlich bequem und ohne Portokosten einen elektronischen Brief (E-Mail genannt) schicken und so Kontakte knüpfen. Auch viele andere Internet-Benutzer schätzen die Möglichkeit, den Internet-Autoren direkt ihre Meinung sagen zu können. Ganz nützlich ist das Internet ebenfalls, um z. B. das aktuelle Programm des Planetariums oder der Uraniasternwarte in Erfahrung zu bringen. Wenn man also genau weiß, was man will, ist es toll – die Zeit für eine Internet-Rundreise lässt sich dagegen in aller Regel sinnvoller einsetzen.

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