Mario Sedlak
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Über meine Artikel

Dieser Artikel wurde im SOL-Magazin, Sommer 2017, S. 29 veröffentlicht. Das SOL-Magazin ist eine Zeitschrift des "Nachhaltigkeitsvereins" SOL.


Zu viel Geld

Systemkritiker nennen viele Gründe, warum der Kapitalismus zusammenbrechen muss. Das offensichtlichste Problem scheinen die meisten aber zu übersehen.

Der Staat wird immer ärmer. Theoretisch müssten alle Österreicher bereits 10 Monate kostenlos für den Staat arbeiten und auf alle Staatsausgaben verzichten, damit er seine Schulden komplett tilgen kann. (Das entspricht Staatsschulden von 84,6% der jährlichen Wirtschaftsleistung.) In der Praxis ist das natürlich nicht umsetzbar. Es ist ja sogar in Zeiten guter Konjunktur selten, dass der Staat einen Budgetüberschuss erwirtschaftet.

Das Gefährliche an Staatsschulden ist, dass diese immer wieder verlängert werden müssen, denn kaum jemand würde dem Staat "auf unbestimmte Zeit" Geld borgen. Wenn der Staat irgendwann keine neuen Investoren findet, kann er die alten nicht auszahlen und ist pleite. Die Folgen hat man 2015 in Griechenland gesehen.

Ein anderes Problem der immer größeren Staatsschulden sind die dafür zu zahlenden Zinsen. Im langjährigen Durchschnitt decken die aber kaum mehr als die Geldentwertung. Das heißt: Der Aufwand für die Zinsen wird dadurch ausgeglichen, dass das vom Staat am Ende der Laufzeit zurückbezahlte Geld weniger wert ist als das, das er sich zu Beginn ausgeborgt hat (obwohl der Betrag gleich ist). Es wird also kaum jemand reich, wenn er einem Staat mit hoher Kreditwürdigkeit Geld leiht. In der jetzigen Phase niedriger Zinsen, die nicht einmal die Geldentwertung ausgleichen, bewirken neue Staatsschulden sogar eine Umverteilung von den Investoren zur Allgemeinheit.

Schulden stehen immer gleich große Guthaben gegenüber. Während der Staat immer ärmer wird, werden die Menschen immer reicher – natürlich nur als Gruppe und nicht jeder Einzelne, aber die meisten haben ein Sparbuch, eine Lebensversicherung oder eine private Pensionsvorsorge, und in allen diesen Anlageformen stecken Staatsschulden. Entsprechend groß wären die Auswirkungen, wenn der Staat seine Schulden nicht mehr (vollständig) zurückzahlt. Der Vertrauensverlust würde es außerdem für den Staat schwierig machen, neue Geldgeber zu finden. Zahlungsverweigerung ist daher keine Option.

Geldkreislauf schließen!

Sparpakete sind auch nicht immer eine gute Idee. In einer Wirtschaftskrise verstärken sie den Abschwung. Wenn die Menschen zu wenig Geld ausgeben, muss der Staat einspringen, sonst gibt es Arbeitslosigkeit. Der Staat borgt sich also von denen, die "zu viel" Geld haben, etwas aus und führt dieses in die Wirtschaft zurück. Ewig wird das aber nicht gutgehen.

Die "offensichtliche" Lösung des Problems wäre, dass der Staat sich das "überschüssige" Geld nicht ausborgt, sondern es abschöpft. Dazu würde eine Erbschaftssteuer auf große Vermögen ausreichen. Wenn die Steuer auf geerbte Immobilien oder Unternehmen nicht sofort bezahlt werden kann, würde ich sie bis zum Verkauf erlassen und stattdessen solange alle Erträge besteuern. Dadurch ließen sich Härtefälle vermeiden. Auch große Schenkungen müssen besteuert werden, damit es kein Schlupfloch gibt. Hingegen kann man Massensteuern, z. B. auf Energie, in einem offenen Land nicht so leicht erhöhen, da es zu vermehrten Importen und Abwanderungen kommen würde.

Wirtschaftswissenschaftler wie Gunther Tichy sehen im zu großen Vermögen die eigentliche Ursache der Finanzkrise 2008: Es gibt gar nicht so viele seriöse Anlagemöglichkeiten, wie Geld auf den weltweiten Kapitalmärkten herumschwirrt.[1] Deswegen sind ja auch die Zinsen so niedrig.

Die einen wissen nicht, wohin mit ihrem Geld, während viele andere nicht wissen, woher sie Geld nehmen sollen. Auch wenn Steuern nicht beliebt sind – dieses Problem muss irgendwann gelöst werden.

Weblinks

Quellen

[1]
  • Gunther Tichy: Die Ursachen der aktuellen Finanzkrise, 16.4.2008 – "Die Banken sind in einen 'Anlagenotstand' geraten, weil sie mehr Ersparnisse erhalten als sie sicher und ertragreich veranlagen können."
  • Beitrag auf Zeit.de (Registrierung erforderlich), 3/2010 – eigentliche Ursache der Weltrezession laut Wirtschaftswissenschaftlern: immer mehr Superreiche, die nicht wissen, wohin mit ihren Millionen und diese nicht ausgeben