Mario Sedlak
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Über meine Artikel

Dieser Artikel wurde im SOL-Magazin, Herbst 2015, S. 10 veröffentlicht. Das SOL-Magazin ist eine Zeitschrift des "Nachhaltigkeitsvereins" SOL.


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Wiener Reparaturdienst – Arbeitet "gerade kostendeckend"; Gewinne sind nicht drin.

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Buchautor Christian Fahrbach (links) im Gespräch mit mir

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Von Bürgern finanziertes Solarfeld in Wien-Donaustadt

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Bernd Fischer in seinem solidarwirtschaftlichen Laden, der leider kurz vor der Pleite steht

Ein bisschen Profit

In der angestrebten Solidarökonomie wird oft nicht viel Gewinn erwirtschaftet. Muss daher der Staat Kredite für nachhaltige Investitionen billiger machen? – Eine Analyse

Zwischen Non-Profit-Organisationen und gewinnorientierten Unternehmen wird immer häufiger ein Low-Profit-Bereich gesehen. Zu diesem zählen z. B. Reparaturdienste oder die Vergabe von Mikrokrediten. Große Erträge sind hier nicht möglich oder nicht erwünscht. Stattdessen sollen soziale und ökologische Ziele erreicht werden.

Doch auch der Aufbau eines gemeinwohlorientierten Unternehmens benötigt Geld. Wenn die Kreditzinsen höher als der erzielbare bzw. angestrebte Profit sind, gibt es ein Problem. Als Lösung schlägt der Autor Christian Fahrbach in seinem Buch einen staatlichen Zinsenzuschuss für Investitionen, die der Gesellschaft oder Umwelt nutzen, vor. Zur Finanzierung dieser Subvention würde er risikolose Geldanlagen, die 100 000 Euro pro Person überschreiten, mit einer Vermögenssteuer belasten.

Förderkredite sind nichts Neues. Der Autor nennt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und die Europäische Investment Bank (EIB) als Vorbild.[1] In seinem Modell bilden die künstlich verbilligten Darlehen jedoch eine zentrale Stütze des Wirtschaftssystems, das dadurch menschlicher und umweltfreundlicher werden soll.

Wo ist das Problem?

Derzeit haben wir ein historisch niedriges Zinsniveau. Kredite gibt es schon für unter 2 Prozent pro Jahr. Wien Energie fand mehr als genug Bürger, die Solarkraftwerke für eine garantierte Rendite von 3,1 Prozent finanzieren. Ein Sparbuch bringt etwas mehr als 1 Prozent. Das deckt nicht einmal die Preissteigerung (Inflation). Dennoch wird auch von den kleinsten Sparbuchzinsen noch Kapitalertragsteuer abgezogen. Inflationsbereinigt ist also eine Art Vermögenssteuer auf risikolose Geldanlagen bereits Realität.

Es ist schwer, jemanden zu finden, für den die Höhe der Zinsen ein Problem ist. Unser SOLi Bernd Fischer, der in Losenstein einen solidarwirtschaftlichen Laden betreibt, bräuchte eigentlich Spenden, um den Fortbestand seiner Billa-Alternative zu sichern. Windkraftwerke, Elektroautos, öffentlicher Verkehr, Blindenleitsysteme, Auffanggesellschaften für schwer vermittelbare Langzeitarbeitslose, Ortsbildverschönerung und vieles Wünschenswerte mehr sind keine Low-Profit-Vorhaben sondern Zuschussgeschäfte. Da wären selbst zinslose Kredite keine ausreichende Hilfe.

Frisöre machen wenig Profit, aber wenn der Staat die Frisöre jetzt plötzlich mit Zinszuschüssen unterstützt, wären jene, die bereits Investitionen getätigt haben, benachteiligt. Außerdem löst das nicht das Problem, dass es zu viele Frisöre gibt und deshalb deren Ertragslage so schlecht ist. Auf Nachfrage präzisiert Christian Fahrbach sein Konzept: Nicht alle Low-Profit-Unternehmen sollen gefördert werden. Bei den Frisören würde er sich auf die Naturfrisöre (die nur Naturkosmetik verwenden) beschränken, damit diese ihre Leistungen zu konkurrenzfähigen Preisen anbieten können.

Je detaillierter das Konzept ausgearbeitet wird, desto mehr scheint es sich dem Status quo anzunähern. Es werden sich noch viele Theoretiker überlegen müssen, wie eine solidarische Wirtschaft funktionieren könnte.

Weblinks

Quellen

[1] Christian Fahrbach: Finanzierung nachhaltiger Investitionen (PDF), S. 2