Mario Sedlak
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Fernwärme aus Kraftwerken ist ein Abfallprodukt?

Wenn Kohle, Öl oder Holz verbrannt wird, um Strom zu erzeugen, bleibt immer Wärme übrig. Deswegen klingt es intelligent, diese Wärme zum Heizen zu verwenden (Kraft-Wärme-Kopplung). Stromerzeuger wie z. B. Wien Energie suggerieren, dass genau das möglich ist:

Kräft-Wärme-Kopplung bietet den Vorteil, dass die bei der Stromproduktion entstehende Wärme ebenfalls verwendet wird.[1]
Der Dampf hat dann [nach der letzten Turbine] nur noch 20°C ... Die Restwärme, die bei diesem Prozess übrig bleibt ... wird auch als Fernwärme zu Heizzwecken genutzt.[2]

Auch deutsche Wärmekraftwerks-Betreiber haben anscheinend erfolgreich ihre Werbebotschaft verbreitet. Sogar in einem Schulfernsehfilm auf dem Bildungskanal ARD Alpha heißt es:

Ein Teil des Kühlwassers [von Wärmekraftwerken] verdampft im Kühlturm. Dabei geht über die Hälfte der Verbrennungswärme verloren. Im Winter allerdings kann ein Großteil dieser Verlustwärme als Fernwärme an Industrie und Haushalte verkauft werden.

Deswegen wundert es mich nicht, dass die Aussagen auch andernorts wiedergegeben werden:

Mit dem zunehmenden Einsatz von thermischen Kraftwerken wurde zum Beispiel in den 1970er Jahren in Wien damit begonnen, den Kühlbedarf des Gaskraftwerks Simmering mit dem Heizbedarf der Stadt Wien zu verknüpfen. Über eine Wärmeauskopplung wurde die ansonsten ungenutzte Abwärme für Heizzwecke verwendet[3]
Es macht einen Unterschied, ob ich ein Kraftwerk habe und die anfallende Wärme in die Donau leite, oder ob ich diese Wärme nutze, um einen wesentlichen Energiebedarf, nämlich die Raumwärme und das Warmwasser einer Stadt bereitzustellen.

Irrtum!

Die Abwärme, die im Kühlturm anfällt oder in einen Fluss geleitet wird, hat für Heizzwecke eine zu geringe Temperatur (unter 30°C). Wenn im Winter Fernwärme ausgekoppelt wird, dann geht das zulasten der Stromproduktion:

1 kWh ausgekoppelte Wärme = ca. 0,2 kWh weniger Strom

Inklusive Netzverlusten, Pumpstrom usw. ist Fernwärme aus Kraft-Wärme-Kopplung damit ungefähr so effizient wie eine sehr gute Wärmepumpe! Es ist also keineswegs komplett absurd, die Abwärme eines Wärmekraftwerks ungenutzt an die Umgebung abzugeben.

Richtig

Hier informiert Wien Energie korrekt:

Aus der Dampfturbine wird auch Dampf für Fernwärme entnommen. Das senkt zwar die elektrische Leistung, bringt aber das Fünffache an Fernwärme-Leistung.

Irreführend

Das Wort "Abwärmenutzung" ist irreführend, da der Laie annimmt, dass für die Fernwärmegewinnung kein Energieeinsatz mehr notwendig ist.[4] So wie in folgenden Beispielen:

Bei der Stromerzeugung in Kraftwerken entsteht Abwärme. Um diese Abwärme nicht einfach "verpuffen" zu lassen, nutzen wir die Kraft-Wärme-Kopplung.
Statt die Abwärme ungenutzt an die Umgebung abzugeben, wird die Energie in der Kraft-Wärme-Kopplung genutzt.
Bei der Stromerzeugung entsteht Wärme. Diese sollte nicht ungenutzt als Abwärme in die Umgebung abgegeben, sondern sinnvoll verwendet werden
Ein Wärmekraftwerk erzeugt Abwärme, die für Fernwärme genutzt werden kann oder an ein Gewässer bzw. über einen Kühlturm an die Umgebung abgegeben werden muss.
Mit der derzeit ungenutzten Abwärme könnte man in Österreich alle Städte über 30.000 Einwohner mit Fernwärme versorgen

Zum Vergleich: Die Abwärme des Verbrennungsmotors im Auto ist wirklich "so oder so" vorhanden. Wann man sie im Winter zum Heizen nutzt, braucht der Motor deswegen nicht mehr Treibstoff.

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Welchen Wirkungsgrad haben die besten Gaskraftwerke? (Seite 9 von 36)

Quellen

[1] Zeitschrift der Wiener Stadtwerke: 24 Stunden für Wien, 12/2012, S. 13
[2] Wien Energie: Wie kommt der Strom in die Steckdose (PDF, nicht mehr aufrufbar), S. 4
[3] Global 2000 und WWF: Stromanbieter-Check 2017 (PDF, 4 MB), S. 40
[4] Fernwärme Wien, Handbuch der Stadt Wien, 2000, S. II/71