Mario Sedlak
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Fernwärme-Heizkörper

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Müllverbrennung Spittelau (Wien 9)

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Fernheizwerk Kagran (Wien 22)

Fernwärme

Meine Wohnung wird mit Fernwärme beheizt. Das ist bequem: Ich muss mich weder um Brennstoff noch Wartung oder etwas anderes kümmern. Wenn ich es warm haben will, muss ich nur das Ventil am Heizkörper öffnen. Schon strömt heißes Wasser ein, das je nach Außentemperatur eine höhere oder niedrigere Temperatur hat.

Fernwärme kann auch zur Warmwasserbereitung verwendet werden. Das ist in meiner Wohnhausanlage jedoch nicht vorgesehen.

Herkunft der Wärme

In Wien wird die Fernwärme überwiegend in Gaskraftwerken mit Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt. Durch die gemeinsame Produktion von Strom und Wärme wird der verfeuerte Brennstoff besser ausgenützt. Deswegen ist die Fernwärme eine umweltfreundliche Heizform.

Dennoch muss auch mit Fernwärme sparsam umgegangen werden, denn je mehr Wärme dem Kraftwerk entnommen wird, desto weniger Strom produziert es. Die Vorstellung, für die Fernwärme würde nur die so oder so anfallende "Abwärme" verwendet werden, ist falsch. Siehe Kraft-Wärme-Kopplung für mehr Details

Ein kleinerer Teil der Wiener Fernwärme stammt aus Müllverbrennungsanlagen. Zu Spitzenzeiten wird auch noch extra zur Fernwärmeproduktion Gas oder Öl verbrannt. Das ist bei tiefsten Minusgraden sowie frühmorgens und abends,[1] wenn die Heizungen nach einer Absenkung in der Nacht bzw. während man am Arbeitsplatz ist, wieder voll aufgedreht werden.[2] Das erklärt, wieso Wien Energie das Durchheizen mit fragwürdigen Argumenten empfiehlt. Tatsächlich spart man keine Energie, wenn man die Heizung ständig laufen lässt, sondern verringert die Spitzenlast, die Wien Energie decken muss. 2013 hat Wien Energie in einen Fernwärmespeicher investiert, wodurch das Problem verringert wurde.

In den Jahren 2006–2008 entstand in Wien unter dem Strich ein Brennstoffverbrauch von nur 0,207 kWh pro gelieferter Kilowattstunde Fernwärme.[3] Der Kohlendioxid-Ausstoß wird mit 133 g/kWh angegeben.

Netzverluste

Bei der Fernwärme Wien gehen laut eigenen Angaben 7–11% der Wärme auf dem Weg zum Verbraucher verloren. Durchschnitt in Europa seien 12,3% (Stand: 2006).[4] Nicht inkludiert sind allerdings die Verluste, die auf dem Grundstück des Verbrauchers entstehen. Diese können erheblich sein. In meiner Wohnhausanlage ist z. B. das Stiegenhaus sehr warm.

Die Netzverluste steigen, je weniger Wärme gebraucht wird. Unter 1,5 MWh/Jahr pro Meter Leitungslänge ist die Sinnhaftigkeit von Fernwärme fraglich.[5] Nur wenn lokal Erdwärme oder Industrie-Abwärme, die sonst niemand braucht, zur Verfügung steht, lohnt sich es sich, auch Einfamilienhaus-Siedlungen an ein Wärmenetz anzuschließen.

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Mehr über meine Erfahrung mit der Fernwärme Wien
Heizen: Wärmepumpe
Haushalt: Geschirrspüler

Weblinks

Quellen

[1] Wien Energie: Umwelterklärung 2014 (PDF, 3 MB), S. 27
[2] Steffen Robbi: Intelligente Betriebsstrategien im Fernwärmenetz zur Reduktion von Spitzenlasten (PDF, 1 MB), S. 3
[3] Österreichische Energieagentur: Primärenergiefaktoren und Treibhausgasemissionen der Fernwärmeerzeugung der Fernwärme Wien GmbH (nicht mehr aufrufbar)
[4] Fernwärme Wien: Nachhaltigkeitsbericht 2007 (PDF, 1 MB), S. 17
[5] Centrales Agrar-Rohstoff-Marketing- und Energienetzwerk e. V. (CARMEN): Merkblatt Nahwärmenetze (PDF), S. 5