Mario Sedlak
Energie
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Gefahren von Bohrungen für eine Wärmepumpe

Eine Wärmepumpe ist effizient und platzsparend, wenn sie aus einem mindestens 50 m tiefen Bohrloch Wärme gewinnen kann. Man hielt es nicht für möglich, aber so ein kleiner "Stich" in die Erde kann verheerende Folgen haben.

Bodenhebung

Wasser kann in spezielle Gesteinsschichten (Gipskeuper, Anhydrit) gelangen, die in der Folge durch chemische Reaktionen (Umwandlung in Gips) aufquellen und die Erdoberfläche nach oben drücken. Da die Hebung nicht gleichmäßig erfolgt, werden Gebäude und Straßen beschädigt.

Beispiele Maximale Hebung Schaden
  • in Staufen – Trotz Bohrung durch eine Fachfirma und vorheriges Einholen eines geologischen Gutachtens, das die Unbedenklichkeit bescheinigte, kam es zum "Super-GAU". Nirgendwo in der Umgebung der 8000-Einwohner-Stadt wurde zuvor quellfähiges Gestein gefunden, aber ausgerechnet unter der Altstadt, wo gebohrt wurde, befindet es sich. Nach der Bohrung wurde das Problem rasch erkannt, konnte aber über viele Jahre nicht gelöst werden.
60 cm 50 Millionen €,

268 Häuser betroffen, davon 127 stark, zwei mussten bereits abgerissen werden

40 cm 50 Millionen €,

über 190 Häuser betroffen

50 cm etwa 50 Häuser beschädigt
  • in Lochwiller (Elsass, Frankreich) – Ausgelöst durch eine zu tiefe Bohrung, die eine Grundwasserschicht durchstieß.
50 cm 45 Häuser beschädigt, davon vier irreparabel

Bodensenkung

Beispiele Maximale Senkung Schaden
  • in Leonberg-Eltingen – Offenbar hat eine Bohrung zwei Grundwasserschichten miteinander verbunden. Das Wasser floss nach unten; der zurückbleibende Hohlraum brach ein. Die ausführende Firma hatte mehr als 30 Jahre Erfahrung.
mehrere Zentimeter 19,1 Millionen €,

fast 30 Gebäude bekamen Risse

  • in Schorndorf – Zwei 115 m tiefe Bohrungen haben eine Art Abfluss für das Grundwasser in tiefere Gesteinsschichten gebildet. Der Grundwasserspiegel sank um ca. 6–7 m. Die Bohrfirma war zertifiziert. Es dauerte 1,5 Jahre, die ursprünglichen Verhältnisse wiederherzustellen.[1]
? Millionen Euro,

mehr als zehn Häuser beschädigt

  • in Rottenburg-Wurmlingen – Eine Bohrung war undicht. Nach 8 Jahren entstanden Löcher und Risse in Bauwerken und auf Straßen, weil das austretende Wasser den Untergrund allmählich weggespült hat.
? wahrscheinlich über 1 Million €
? zehn Häuser beschädigt, davon zwei einsturzgefährdet

Wasseraustritt

In Wiesbaden schoss bei einer Bohrung plötzlich Wasser bis zu 7 m hoch heraus. Es waren bis zu 6000 l/min. Die Feuerwehr brauchte Tage, um das Loch zu stopfen.

Grundwasserverschmutzung

Wenn Bohrungen verschiedene Schichten miteinander verbinden, können Schadstoffe (z. B. aus Altlasten) in das Grundwasser gelangen. Das wäre vor allem dann fatal, wenn daraus Trink- oder Mineralwasser hergestellt wird. Derartige Schadensfälle sind aber selten, weil in sensiblen Gebieten keine Bohrungen genehmigt werden.

Bis 2011 wurden 19 Fälle von Grundwasserverschmutzung durch unsachgemäße Bohrungen gezählt. Z. B. sprudelte in Freiburg-Munzingen plötzlich dreckiges Wasser aus einer eigentlich schon versiegten Quelle.

Gegenmaßnahmen

In Folge der unerwarteten Schadensfälle durch Bodenbewegungen wurden die Auflagen für die Bohrungen verschärft:

Ein Restrisiko bleibt aber. Es kann immer vorkommen, eine wasserführende Schicht anzubohren, denn der Untergrund hat keinen einheitlichen Aufbau. Wie es da unten tatsächlich aussieht, erfährt man erst beim Bohren.[2]

Mein Fazit

Es ist richtig, dass für die Bohrungen strenge Vorschriften erlassen wurden und in gefährdeten Gebieten gar keine Bohrungen erlaubt werden. Bohrfirmen müssen immer auf den schlimmsten Fall vorbereitet sein. Wenn das nicht möglich ist, dann lieber gar nicht bohren. Auch wenn gravierende Schäden selten sind, können sie nicht akzeptiert werden.

Ich halte es aber auch für richtig, die Bohrungen nicht gleich ganz zu verbieten, denn effiziente Wärmepumpen sind ein unverzichtbarer Baustein für die Energiewende beim Heizen.

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Holzheizung

Weblinks

Quellen

[1] Sanierung des Schadenfalls im Lilienweg Schorndorf (PDF, 2 MB), S. 2
[2] Leitfaden zur Erdwärmenutzung in Hamburg (PDF, 2 MB), S. 12