Firma Oekostrom als Gasanbieter
Seit 2016 verkauft die Firma Oekostrom an österreichische Haushalte und Kleinkunden auch Gas.
Herkunft
Das Gas enthält min. 10% Biogas aus zwei Biogasanlagen in Salzburg ("Biogas Zemka" und "Graskraft"). Als Rohstoffe dienen Wiesengras und Abfall.[1]
Der Rest stammt aus fossilen Quellen in Niederösterreich. Die Firma garantiert, dass kein Fracking verwendet wird. Lieferant ist die OMV.[2]
Kein Sparangebot
Im Vergleich mit 30 anderen Gasanbietern liegt die Firma Oekostrom trotz guter Noten für Angebotsvielfalt, Service und Internet am 18. Platz, weil der Preis deutlich höher als bei der Konkurrenz ist.
Verwendung des Aufpreises
Jeder Oekostrom-
- Studien über die Umweltwirkungen von verschiedenen Gasquellen
- Kampagnen zu einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung für Gasanbieter (ähnlich Stromkennzeichnung)
- Lobbying für die Umwandlung von Stromüberschüssen in Gas (Wasserstoff)
Erst längerfristig ist geplant, dass die Kunden tatsächlich zumindest einen Teil Gas aus Stromüberschüssen geliefert bekommen!
Ökologische Einschätzung
In Österreich gibt es derzeit ausreichend Netz- und Speicherkapazitäten, sodass Windkraftwerke und Solarzellen hierzulande selten abgeschaltet werden müssen. Es macht daher keinen Sinn, Strom mit großem Energieverlust in Gas umzuwandeln, weil gleichzeitig Kohle oder Gas unter großen Verlusten in Strom umgewandelt wird, insb. in Deutschland, mit dem wir einen eng verflochtenen Strommarkt haben.
Es stimmt zwar, dass die Energiewende beim Heizen problematisch ist und wir noch lange mit Gas heizen werden müssen, aber es ist effizienter und billiger, zuerst 100% Ökostrom zu verwirklichen und das Geld, das eine Ökogasherstellung kosten würde, in Wärmedämmung und andere Effizienzmaßnahmen zu investieren. Stromüberschüsse kann man auch direkt in Wärme umwandeln und z. B. in Fernwärmenetze einspeisen.
Abgesehen davon scheint mir der Aufpreis hauptsächlich für Werbezwecke verwendet zu werden und nicht wirklich die Energiewende zu beschleunigen.
Vergangenheit
- 2011 gaben bei einer Umfrage 40% der Oekostrom-
Kunden bekannt, dass sie gerne auch Gas von der Firma Oekostrom kaufen wollen. - Daraufhin wurde eine Ökogas-
Machbarkeitsstudie erstellt, die leider zu einem negativen Ergebnis führte.[3] Es scheiterte daran, dass kein Biogasproduzent die Firma Oekostrom beliefern wollte und auch eine von Greenpeace Energy geplante Anlage, mit der Wasserstoff aus Windstromüberschüssen hergestellt werden sollte und an dem sich die Firma Oekostrom beteiligen wollte, doch nicht gebaut wurde. - 2016 wurde René Huber in den Vorstand der Oekostrom AG berufen. Er brachte Erfahrung im Gasverkauf mit und wollte, dass auch die Firma Oekostrom "hochwertigstes" Gas anbietet.[4] – Dass dieses unverkäuflich teuer wäre, hat er inzwischen wohl gemerkt.
- Seit 1.3.2017 wird – aufgrund vielfacher Kritik – Biogas beigemischt.
- Mitte 2017 kauften rund 400 Kunden das Gas der Firma Oekostrom. Summe: ca. 5 GWh/Jahr
- 91% mit 10% Biogas Beimischung zu 3,49 Cent/kWh (exkl. MwSt.)
- 7% mit 20% Biogas zu 4,99 Cent/kWh (exkl. MwSt.)
- 2% kauften 100% Biogas zu 6,99 Cent/kWh (exkl. MwSt.)[5]
Zukunft
Die Firma Oekostrom schätzt, dass sie längerfristig 5500 Gaskunden gewinnen kann. Die 15 € (exkl. MwSt.) pro Kunde und Jahr summieren sich damit auf rund 80 000 €/Jahr. Viel mehr als Werbe- und Lobbyaktivitäten lässt sich damit nicht finanzieren.
- Eine 100-
kW- Versuchsanlage, die Strom in Gas umwandelt, kostet 2,8 Millionen €. - Eine 1,5-
MW- Anlage kostet 13 Millionen €.
Um das ganze in Österreich verbrauchte Erdgas ersetzen zu können, wären tausende derartige Anlagen nötig. Die Firma Oekostrom gibt selbst zu, dass sie keine einzige Anlage bauen wird. Nur wenn andere solche Anlagen errichten, wird sie eventuell den produzierten Wasserstoff abnehmen und weiterverkaufen.[6]
Weiter
Weblinks
- Gasprodukt von Greenpeace Energy, das als Vorbild für die Firma Oekostrom gedient haben dürfte (Greenpeace Energy ist ein deutscher Anbieter, der nicht nach Österreich liefert.)
Quellen
[1] | Oekostrom AG: Präsentation des Vorstands (PDF, 10 MB) bei der Hauptversammlung am 26.6.2017, S. 38 |
[2] | Firma Oekostrom: Positionspapier zum Gasverkauf (PDF, 2 MB), 26.4.2017, S. 3 |
[3] | Firma Oekostrom: Nachhaltigkeits- und Geschäftsbericht 2012 (PDF, 15 MB), S. 14 (im PDF S. 16) |
[4] | Firma Oekostrom: Nachhaltigkeits- und Geschäftsbericht 2015 (PDF, 1 MB), S. 7f. (im PDF S. 6f.) |
[5] | Oekostrom AG: Präsentation des Vorstands (PDF, 10 MB) bei der Hauptversammlung am 26.6.2017, S. 40f. |
[6] | Firma Oekostrom: Positionspapier zum Gasverkauf (PDF, 2 MB), 26.4.2017, S. 7 |