Mario Sedlak
Strommarkt
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Kritik an der Firma Oekostrom

Energiepopulismus

Nachdem die Firma Oekostrom 2008/2009 fast in die Pleite geschlittert ist, wurde das Steuer komplett herumgerissen. Erstmals ist mir das 2013 negativ aufgefallen, als die Firma mit einem zweifelhaften "Energieexperten" warb, der glaubt, mit dezentraler Stromspeicherung in Akkus und einer gleichmäßigeren Verteilung von Windkraftwerken sowohl Stromleitungen als auch Kosten einsparen zu können. Wahr ist genau das Gegenteil: Akkus sind in der benötigten Größenordnung absurd teuer und auch die Windräder werden nicht billiger, wenn sie in windschwachen Regionen stehen. Mangels gesicherter Leistung können Windkraftwerke offensichtlich auch keine Stromleitungen ersetzen.

Ich hoffte, dass es ein einmaliger Ausrutscher war, aber es bestätigte sich meine Befürchtung, dass die Firma Oekostrom nun seriöse Studien zur Stromzukunft ignoriert und stattdessen die beliebten Parolen des Energiepopulismus verbreitet:

Die dezentrale Stromerzeugung und die Demokratisierung des Energiesystems sind der Motor der Energiewende.[1]
Unser Ziel bleibt auch heute noch eine Demokratisierung des Strommarktes

Auch die steckerfertigen Solarzellen "Simon" von der Firma Oekostrom wurden mit solchen Parolen beworben. Das Produkt scheint genau auf die "Energievorkämpfer" zugeschnitten zu sein. Es wurde ihnen suggeriert, dass sie sich an einer Revolution beteiligen können.

Grundsätzlich ist es aus Aktionärssicht natürlich gut, wenn die Firma mehr Kunden und Einnahmen hat, aber auf diese populistische Weise ist es so, als würde eine Qualitätszeitung wie Der Standard zu einem Boulevardblatt wie die Kronenzeitung.

Die technisch-sachliche Ebene scheint bei der Firma Oekostrom kaum noch vertreten zu sein. Sie hat einen Finanz- und einen Marketingvorstand, aber keinen Technikvorstand.

Werbeaussagen

wer sich ... für Strom entscheidet, der zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen stammt, fördert damit aktiv deren Ausbau
Mit der Entscheidung für oekostrom AG zeigen wir nicht nur volles Engagement für die Energiewende, sondern fördern aktiv die Stromerzeugung aus heimischen erneuerbaren Energiequellen. oekostrom AG reduziert die Umweltbelastung gegenüber konventionell erzeugtem Strom auf Null.

Zum Diskontpreis wird die Energiewende niemals möglich sein. Die Umweltwirkungen durch den Verbrauch von Strom ändern sich de facto nicht.

"Simon" wird sogar mit Falschaussagen beworben. Es wird verschwiegen, dass der Solarstromerzeuger in Österreich gar nicht so ohne Weiteres angesteckt werden darf – was ironischerweise vom Erfinder Simon Niederkircher selbst in seinem Blog ausführlich belegt wurde. Die rechtliche Situation hat sich inzwischen verbessert, aber man braucht immer noch zumindest einen Stromzähler mit Rücklaufsperre.

Zweifelhafte Verwendung des Aufpreises

Damit der Strom umweltfreundlicher als sonst üblich erzeugt werden kann, würde es Sinn machen, einen höheren Preis zu zahlen. Die Firma Oekostrom als Ökostrom-Anbieter bietet so einen Premiumtarif an. Ich habe diesen gekündigt, weil ich nicht sehen kann, dass damit irgendetwas Gutes gemacht wird, das sonst nicht getan werden würde.

Stromkennzeichnung

Die Stromkennzeichnung der Firma Oekostrom ist irreführend, weil nicht durchgängig der Produktmix deklariert wird. Außerdem fehlt eine Erklärung wie: "Der gesamte an unsere Endkunden gelieferte Strom wurde produziert aus ..." Damit würde klar, dass Strom, der an andere Anbieter wie Greenpeace Energy verkauft wird bzw. wurde,[2] in der Stromkennzeichnung nicht berücksichtigt ist.

Schwache Entwicklung der Aktie

Die Aktie der Oekostrom AG gab Anlegern bisher keinen Grund zur übermäßigen Freude. Manche kritisieren die relativ hohen Verwaltungskosten, die sich daraus ergeben, dass die Firma Oekostrom für eine Aktiengesellschaft ziemlich klein ist. Ich hoffe, dass die Firma Oekostrom bald wachsen kann, sodass dieser Nachteil an Bedeutung verliert.

Website

Der Standard kritisierte die mangelnde Vollständigkeit und Übersichtlichkeit der Finanzkennzahlen.

Die Website der Firma Oekostrom wurde mehrmals neu gestaltet. Jedesmal wurde die "Coolness" größer und der Informationsgehalt geringer. Der Pressebereich enthält alles Mögliche bunt gemischt und es ist nicht möglich, auf eine bestimmte Information direkt zu verlinken oder mit Strg+f zu suchen! Ob sich die Journalisten freuen, wenn sie in einer Pressemeldung aufgefordert werden, die Kraftwerkskarte selbst auf dieser Seite zu suchen, anstatt sie mit einem Klick serviert zu bekommen?

Der außerbörsliche Handelsplatz wurde meines Erachtens völlig unnötig "modernisiert", sodass er nun nur noch in einem modernen Browser funktioniert. Umgesetzt hat das Gugler Digital – ausgerechnet eine Firma, der Nachhaltigkeit angeblich sehr wichtig ist. Nicht nur von barrierefreier Web-Entwicklung, sondern auch von Softwaretests scheinen sie nicht viel zu verstehen, sonst hätte ich nicht so viele Fehler gefunden.

Weiter

Firma Oekostrom als Ökostrom-Anbieter

Siehe auch

Quellen

[1] Firma Oekostrom: Positionspapier für mehr Photovoltaik in der Stadt (PDF), S. 2
[2] Power. Das Oekostrom-Magazin, 1.2011 (PDF, 4 MB), S. 12 (im PDF S. 14)