Mario Sedlak
Strommarkt
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Kritik am Gasverkauf der Firma Oekostrom

Die Firma Oekostrom hat mit ihrem Entschluss, ein Anbieter von fossilem Gas zu werden, in der Umweltszene viel Aufruhr verursacht.

Vorwurf Entgegnung der Firma Oekostrom Meine Meinung
Mit diesem Argument gäbe es keine empfehlenswerten Ökostrom-Anbieter in Deutschland. Auch Greenpeace Energy verkauft Gas. Umweltschutzorganisationen und Energievorkämpfer sind in Österreich viel kritischer gegenüber Gas als in Deutschland; wahrscheinlich weil es in Deutschland noch viele Kohle- und Atomkraftwerke gibt, wo Gas ein geringeres Übel wäre. Hierzulande werden auch Gaskraftwerke kritisiert.
  • Viele Energievorkämpfer sind so entsetzt, dass sie sich von der Firma Oekostrom abwenden. Das weiß ich auch aus persönlichen Gesprächen. Anhänger des Energiepopulismus lehnen alles ab, was mit fossiler Energie zu tun hat.
Bei der Kundenbefragung 2011 fand ca. die Hälfte ein rein fossiles Gasprodukt mit Förderanteil ok. Von einer Ökofirma kann man in der Tat erwarten, nicht gewöhnliches Erdgas zu verkaufen, sondern zumindest einen Teil Biogas (auch wenn das nur eine rechnerische Umverteilung ist, weil man dieses Gas irgendwo, wo es sowieso schon produziert wird, abzweigen muss, sonst wäre es unverkäuflich teuer).
  • Laut Satzung der Oekostrom AG ist der Unternehmensgegenstand ausschließlich "die Versorgung mit Energie aus erneuerbaren Quellen". Eine Lieferung von Erdgas ist damit nicht vereinbar. Der Vorstand ist laut Aktiengesetz an die Satzung gebunden.
Das Gas verkauft nicht die Oekostrom AG, sondern die Oekostrom GmbH. Außerdem steht in der Satzung: "Die Gesellschaft ist zu allen Maßnahmen und Geschäften, die zur Errichtung des Gesellschaftszwecks notwendig oder nützlich erscheinen, berechtigt. Die Gesellschaft ist insbesondere berechtigt, ... sich an Unternehmen mit ähnlichem Gegenstand ... zu beteiligen." Der Vertrieb von Energie ist ein ähnlicher Gegenstand wie der Vertrieb von erneuerbarer Energie und daher satzungsgemäß.[1]

Erstmals nutzt die Firma Oekostrom ihre Firmenstruktur mit zahlreichen 100%-Töchtern als argumentatives Schlupfloch. Die Ausrede, es wäre ja eine ganz andere Firma, ist aber witzlos, da nach außen hin die Oekostrom AG als Verkäufer auftritt und sogar das eigene Positionspapier den Titel hat: Warum die Oekostrom AG jetzt ein Gasprodukt anbietet bzw. in der aktualisierten Version: Gas Future – das Gasprodukt der Oekostrom AG.

Wenn die Firma Oekostrom Recht hat, dann ist Papier wiedermal geduldig und sie dürfte wohl auch Benzin verkaufen (um mit dem Gewinn z. B. Werbeprospekte für Elektroautos zu finanzieren). Aber man könnte die Aktionäre trotzdem vorher fragen!

Werbeaussage

Der Wasserstoff wird in das bestehende Erdgasnetz eingespeist und so in Ihren Haushalt transportiert.

Ein flüchtiger Leser wird das so interpretieren, dass er diesen Wasserstoff bekommt, wenn er Gas von der Firma Oekostrom kauft. Tatsächlich handelt es sich aber um ein Szenario aus der fernen Zukunft.

Mein Fazit

Diesmal hat die Firma Oekostrom den Energiepopulismus komplett falsch eingeschätzt. Vielleicht hätte sie einfach ein Spendenkonto zur Förderung der Wasserstoff-Produktion einrichten sollen. Dadurch, dass man handelsübliches Erdgas über die Firma Oekostrom kauft, wird es ja nicht wirklich sauberer.

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Aktie der Oekostrom AG

Quellen

[1] Univ.-Prof. Dr. Susanne Kalss: Gutachten zur Zulässigkeit des Vertriebs des Produktes gas future, eingeholt vom Oekostrom-Aufsichtsrat und vorgestellt bei der Hauptversammlung am 26.6.2017 (veröffentlicht wurde nur die Zusammenfassung)