Mario Sedlak
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Über meine Artikel

Dieser Artikel wurde auf Lebensart.at und im SOL-Magazin, Sommer 2014, S. 19 veröffentlicht. Das SOL-Magazin ist eine Zeitschrift des "Nachhaltigkeitsvereins" SOL.


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Vorstellung der Studie im Lebensministerium

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Atomkraftwerk Temelín (Tschechien)

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Errichtung eines Windkraftwerks

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Die Sonne kann uns theoretisch den ganzen Strom erzeugen, braucht aber Speicher und/oder ein starkes Netz.

Atomkraftwerke sind überflüssig

Eine neue Studie der TU Wien belegt, dass in der EU alle Atomkraftwerke bis 2030 abgeschaltet werden können, ohne die Klimaziele zu gefährden. Umweltminister Andrä Rupprechter sieht damit die klare Anti-Atomlinie Österreichs bestätigt.

Rupprechter will sich auf EU-Ebene gegen eine Förderung der Atomenergie, wie sie aktuell für die geplanten britischen Reaktoren "Hinkley Point C" diskutiert wird, einsetzen. Bei der Präsentation der Atomausstiegs-Studie sagte er, dass Österreich mit seinen Speicherkraftwerken in den Alpen eine tragende Säule für die Energiewende in Europa sein könne und noch Potenzial für weitere Wasserkraftwerke hätte.

Zu den Sponsoren der von Global 2000 beauftragten Studie gehören neben dem Lebensministerium unter anderen der Landesversorger Wien Energie. Dessen Geschäftsführerin Susanna Zapreva betonte, dass die Genehmigungsverfahren für neue Netz- und Speicherkapazitäten beschleunigt werden müssen, wenn die Vision einer sauberen Energiezukunft 2030 wahr werden soll. "Von selbst wird die Wende nicht passieren", appelliert auch Reinhard Uhrig von Global 2000 an die Politik.

Die ambitionierten Ökostrom-Ausbaupläne der Studie können nur mit einer ebenso ambitionierten Politik erreicht werden. Bis 2030 soll der Ökostrom-Anteil in der EU von 20 auf 70% gesteigert werden. Das Potenzial hierfür ist da, aber die Herausforderungen sind gewaltig:

Hinsichtlich der Kosten für den Endkunden bleibt die Studie vage. Sicher ist nur, dass bis 2030 mit keinen Strompreissenkungen zu rechnen wäre. Erst darüber hinaus sind diese denkbar. Die notwendigen Netz-, Speicher- und Reservekapazitäten hat man nicht modelliert, weshalb keine Aussage zu den Gesamtkosten möglich ist.

Die Autoren der Studie empfehlen, den bewährten Weg der Bürgerkraftwerke weiterzugehen, denn wenn die Bürger von der Energiewende auch persönlich profitieren können, steigt die Akzeptanz dieses Mammutprojekts.[6] Skeptisch sind die Experten gegenüber dezentralen Speichern: Von der Wirtschaftlichkeit sind diese so weit entfernt, dass sie in der Studie keine Berücksichtigung fanden. Die Umwandlung von Stromüberschüssen in Wasserstoff ist teuer und mit hohen Energieverlusten verbunden. Daher sieht die Studie für 2030 gerade einmal 3% des Stroms in die Produktion von Wasserstoff fließen.[7] Erzeugungsschwankungen werden überwiegend durch weiträumigen Austausch und konventionelle Pumpspeicherkraftwerke ausgeglichen. Beim absehbaren Stand der Technik ist das die effizienteste und billigste Variante. Schade, denn mit kleinräumigen Lösungen, die keinen internationalen Stromhandel erfordern, wäre die Akzeptanz noch einmal um einiges höher, und eines ist sicher: Ohne Zustimmung bei der Bevölkerung wird es keine Energiewende geben.

Quellen

[1] Studie: Phase out of Nuclear Power in Europe – From Vision to Reality (PDF, 3 MB), S. IV (im PDF S. 8)
[2] Studie: Phase out of Nuclear Power in Europe – From Vision to Reality (PDF, 3 MB), S. IIf. (im PDF S. 6f.)
[3] Studie: Phase out of Nuclear Power in Europe – From Vision to Reality (PDF, 3 MB), S. 27ff. (im PDF S. 47ff.)
[4] Studie: Phase out of Nuclear Power in Europe – From Vision to Reality (PDF, 3 MB), S. 79 (im PDF S. 99)
[5] Studie: Phase out of Nuclear Power in Europe – From Vision to Reality (PDF, 3 MB), S. IV (im PDF S. 8)
[6] Kurzfassung der Studie (PDF), S. III (im PDF S. 5)
[7] Studie: Phase out of Nuclear Power in Europe – From Vision to Reality (PDF, 3 MB), S. 62 (im PDF S. 82)