Mario Sedlak
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Über meine Artikel

Diesen Artikel veröffentlichte ich am 12.5.2010 in meinem Blog auf Utopia.de, einer Plattform für "nachhaltig leben". 2019 wurden alle alten Benutzerbeiträge dort gelöscht.


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Think City

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Elektroautos "tanken" an der Steckdose.

Elektroautos sind da

... doch die Fakten trüben die Vorfreude.

"Mit dem Think City kommt eines der ersten Elektro-Autos nach Österreich", schreibt der österreichische Autofahrerclub ÖAMTC in der aktuellen Ausgabe seiner Mitgliederzeitschrift.[1] Der ÖAMTC verbreitet damit wie die meisten Medien die gängige Meinung, wonach es bisher noch keine (richtigen) Elektroautos zu kaufen gab, aber das ist eindeutig falsch, denn brauchbare Elektroautos wurden schon in den 1990ern hergestellt: Ich habe eine Elektroautofahrerin interviewt, die einen Peugeot 106 Electric fährt und davor einen Citroen Saxo Electric hatte. Das waren ganz normale, seriengefertigte Autos, nur eben mit Elektroantrieb. Und wenn man will, sind sie auch vollkommen alltagstauglich. Meine Interviewpartnerin hat sogar eine Europareise mit ihrem Elektroauto gemacht.

Hoher Energieverbrauch

Der Think ist ein Zweisitzer. Laut Test des ÖAMTC verbraucht er 25,3 kWh/100 km. Das ist extrem viel! Zur Umrechnung in Liter Benzin oder Diesel kann man näherungsweise durch 10 dividieren (da ein Liter Treibstoff ca. 10 kWh enthält) und mit 3 multiplizieren, da in alten, ineffizienten Kraftwerken (auf Basis von Kohle oder Gas) ca. 2/3 der erzeugten Energie verloren gehen. Genau diese Kraftwerke würden abschalten, wenn niemand ihren Strom braucht (unabhängig davon, wo man selbst den Strom kauft!). Der Think hat daher einen Verbrauch von umgerechnet 7,5 Liter/100 km. Das ist fast das Doppelte von sparsamen Dieselautos.

Hinzu kommt, dass der Think als Akku eine Zebra-Zelle hat, deren Inneres stets etwa 300°C warm sein muss. Wird die hierfür nötige Heizenergie dem Akku selbst entnommen, weil er nicht am Stromnetz angesteckt bleibt, dann ist der Akku nach etwa einer Woche leer, selbst wenn man das Elektroauto überhaupt nicht benutzt hat.[2]

Das ergibt einen erheblichen Zusatzverbrauch von wertvoller elektrischer Energie (ca. 3 kWh/Tag). Zukünftig soll es den Think auch mit Lithium-Akku geben. Da fällt dieses Problem weg, dafür hat man an kalten Wintertagen weniger Reichweite.

Weitere unangenehme Nachrichten

Die angegebene Reichweite von 160 km ist laut ÖAMTC "nur unter optimalsten Umständen erreichbar". In der Praxis seien es etwa 100 km. Das Aufladen dauert dann 8 Stunden.

Auch der Preis des Think ist mit 44 400 Euro (inkl. Akku) überhaupt nicht massentauglich.

Mein Fazit

Der große Durchbruch sind Elektroautos wie der Think nicht. Energie sparen wird man mit ihnen nicht können, nur der Schadstoffausstoß und die Lärmbelastung sind geringer als bei einem konventionellen Benzin- oder Dieselauto.

Es spricht nichts dagegen, sich ein Elektroauto zu kaufen – aber bitte nicht glauben, dass man damit völlig ohne Umweltbelastung herumfahren kann. Auch der beste Ökostrom, den man kaufen kann, ändert nichts an der tatsächlichen Umweltbilanz, solange es noch Kohle- und Gaskraftwerke gibt, die man mit dem Ökostrom ersetzen könnte, wenn man ihn nicht zum Aufladen seines Elektroautos verwenden würde.

Um die Energiewende zu schaffen, müssen wir Energie sparen, d. h. weniger herumfahren. Ob die fossile Energie im Kraftwerk oder im Auto verbrannt wird, ist weniger wichtig.

Es wird meiner Einschätzung nach auch zu keinem Massenansturm auf Elektroautos kommen, denn nur wenige wollen auf die Vorzüge der konventionellen Autos verzichten – sonst gäbe es heute schon mehr als 223 Elektroautos in Österreich. Eine dramatische Verbesserung gegenüber den bisher gebauten Elektroautos ist aus physikalischen Gründen (Energiedichte, Ladezeit) nicht zu erwarten.

Quellen

[1] Auto-Touring. Das ÖAMTC-Magazin, 5/2010, S. 28
[2] Photon, September 2007, S. 38