Mario Sedlak
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Argumente pro und contra Ökostrom

Ökostrom ist ein umfassendes Thema. Diese Seite kann dir einen Überblick geben, was für bzw. gegen die Energiewende bei der Stromerzeugung spricht. Meine Meinung ist grün unterlegt.

Realisierbarkeit

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Bau eines neuen Pumpspeicherkraftwerks – kein neuer Stausee erforderlich!

Pro Contra
  • Die Sonne schickt in einer Stunde so viel Energie auf die Erde wie die Menschheit in einem Jahr verbraucht.
Wenn wir uns auf die Sonne verlassen, dann sitzen wir in der Nacht im Dunkeln.
Weder Wind noch Sonne richten sich nach unserem Strombedarf. Wasserkraft und Biomasse können nur wenig ausgebaut werden. Solange das Problem der Stromspeicherung nicht gelöst ist, kann das Stromnetz nur einen begrenzten Teil schwankender Erzeugungsleistung aufnehmen. Für den Rest brauchen wir konventionelle Kraftwerke.
So viele neue Pumpspeicher kann man gar nicht bauen, wie man für eine Vollversorgung mit Ökostrom brauchen würde. Neue Stauseen werden nicht zuletzt von Umweltschützern verhindert.
  • Die heute in Europa bereits existierenden Stauseen würden ausreichen, um den ganzen Kontinent 2 Wochen[1] lang mit Strom zu versorgen. Das genügt selbst für lange Flauten, zumal ja nie alle anderen Kraftwerke komplett stillstehen.
In Europa haben wir Pumpspeicherkraftwerke mit einer Erzeugungsleistung von ca. 40 GW – der Strombedarf beträgt aber bis zu 500 GW.
  • Die Leistung von Pumpspeicherkraftwerken lässt sich erhöhen, ohne neue Stauseen anlegen zu müssen. Nötig sind nur weitere Rohre und Turbinen, sodass man das Wasser bei Bedarf schneller ablassen kann.
Pumpspeicher gibt es hauptsächlich in Skandinavien und in den Alpen. Sie sind keine Lösung für Deutschland und andere flache Länder.
  • Durch einen Ausbau des Stromnetzes wird ein europaweiter Ausgleich von Ökostrom-Überschüssen und Speicherkapazitäten ermöglicht.
Der Stromnetzausbau wird gerade von vielen Ökostrom-Befürwortern bekämpft und tw. jahrzehntelang verzögert.
  • Leistungsstarke Verbindungen zweier Länder mittels Stromleitungen am Meeresgrund gibt es bereits und es werden laufend neue verlegt. Auch an Land ließe sich diese Technologie einsetzen, wenn es zu wenig Akzeptanz für Stromleitungen auf Hochspannungsmasten gibt.
Der Aufbau eines europaweiten Supernetzes würde Jahrzehnte dauern. Wer es finanzieren soll, ist genauso ungewiss wie die Frage, ob sich die beteiligten Länder auf ein gemeinsames Vorgehen einigen können.
Die Stromspeicherung mit Gas als Zwischenprodukt ist sehr ineffizient und teuer.
  • Dank Ökostrom-Förderung wurden Fortschritte hinsichtlich Effizienz und Kosten erzielt, die zuvor nicht für möglich gehalten wurden. In Deutschland stieg der Anteil des Ökostroms an der gesamten Stromproduktion von unter 5% in den 1990er Jahren auf über 22% heute.
Die neuen Öko-Kraftwerke haben in ganz Europa kaum mehr als das Stromverbrauchswachstum gedeckt. Trotz gewaltiger Fördermittel wurden so gut wie keine konventionellen Kraftwerk überflüssig gemacht (nur deren Auslastung ist gesunken). In Österreich ist der Anteil der Erneuerbaren im Strommix seit den 1990er Jahren sogar gesunken.

Umweltfreundlichkeit und Akzeptanz

Pro Contra
Kohlendioxid lässt sich auch mit Atomkraftwerken vermeiden.
  • Aus der Atomkraft sollten wir aus Sicherheitsgründen aussteigen.
Um ein einziges Atomkraftwerk zu ersetzen, braucht man viele hundert Windräder plus neue Stromleitungen und Speicher zum Ausgleich der Schwankungen. Die Leute wollen aber nicht lauter Windkraftwerke und Hochspannungsmasten sehen, wenn sie aus dem Fenster schauen.
Mit den Dächern allein können wir nur einen Teil des Strombedarfs decken. Solarzellen auf dem freien Feld werden genauso bekämpft wie andere Kraftwerke.
Für Reststoffe und Abfälle kann eine Verwertung in Biomasse-Kraftwerken sinnvoll sein. Aber beim Einsatz von hochwertigen Rohstoffen wie z. B. Mais, üblicherweise aus konventioneller Landwirtschaft – was soll an dem damit gewonnenen Strom "ökologisch" sein? Wir können auch nicht das ganze Holz aus dem Wald verheizen. Viele Organismen sind auf Totholz angewiesen.
  • Eine Mischung aus zigtausend kleinen Ökostrom-Kraftwerken unterschiedlichen Typs ist intelligenter, als weiter die fossilen und atomaren Energievorräte der Erde zu plündern.
Fragt sich, ob man mit einer solchen Strategie nicht einfach nur den Raubbau an endlichen Öl- und Gasvorräten durch den Raubbau an endlichen Metallvorräten und Mineralien ersetzt.
  • Alle Öko-Kraftwerke rechnen sich hinsichtlich grauer Energie innerhalb von Monaten oder Jahren. Die eingesetzten Rohstoffe können großteils wiederverwertet werden.
Wir sollten lieber die Effizienz von konventionellen Kraftwerken verbessern.
  • 72% der Österreicher halten Ökostrom grundsätzlich für sinnvoll und 63% erklärten, dass sie Ökostrom kaufen wollen, auch wenn er etwas teurer ist.
Nur ca. 1% kaufen tatsächlich teureren Ökostrom. Die meisten wollen also, dass ihr Strom so billig wie möglich erzeugt wird.
Der Kohlendioxid-Ausstoß ist in der EU gedeckelt. Wenn die Stromerzeuger weniger Emissionsberechtigungen brauchen, dürfen andere umso mehr Kohlendioxid freisetzen. In Summe ist der Klimaeffekt gleich Null.
Neue Ökostrom-Kraftwerke erhöhen das Angebot an Strom, und das reduziert den Druck zum Sparen.

Kosten

Pro Contra
  • Die Ökostrom-Förderung ist nicht nur die Voraussetzung für die Energiewende bei der Stromerzeugung, sondern spart wegen wegfallender Umwelt- und Gesundheitskosten sogar Geld, schafft heimische Arbeitsplätze und reduziert die Abhängigkeit von Energieimporten.
Durch den teuren Ökostrom gehen Arbeitsplätze und unsere Kaufkraft verloren. Siehe Argumente pro und contra Ökostrom-Förderung. Außerdem gibt es Kritik an der konkreten Ausgestaltung der Förderung, die wenig effizient ist und planlos erscheint.
  • Mit 100% Ökostrom könnte der Strom sogar billiger werden, wenn das Stromnetz ausgebaut wird.
Dieser Stromnetzausbau würde Jahrzehnte dauern. Ob er gelingt und welche Preise dann gelten, weiß niemand.

Mein Fazit

Die Pro-Argumente sind meist überzeugender. Wir können reinen Ökostrom haben, wenn wir wollen. Die Skeptiker haben aber Recht, dass die Umstellung ein schwieriges Unterfangen ist und uns (zunächst) einige Opfer abverlangt. Alternative sehe ich jedoch keine, denn die jetzige Kraftwerkslandschaft auf Basis von nicht erneuerbaren Energien hat ein Ablaufdatum – ob wir wollen oder nicht.

Weiter

Umweltwirkungen von Ökostrom

Quellen

[1]
  • Stromverbrauch in Europa: 3312 TWh/Jahr lt. Statistical Yearbook 2011 (PDF, 1 MB) von ENTSO-E, S. 10
  • Die Stauseen Europas können 179,7 TWh speichern – siehe Pumped Storage (PPT, 3 MB), Folie 10
  • Das ergibt einen Durchschnittswert von 179,7/3312 = 0,054 Jahren = 19 Tagen.