Mario Sedlak
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Steckerfertige Solarzellen

Solarzellen gibt es nicht nur fürs Hausdach, sondern auch als fertiges Gerät, das an eine gewöhnliche Steckdose angesteckt wird und dann sofort Solarstrom einspeist (wenn die Sonne scheint).

Typische Leistung: 150–200 W

Andere Bezeichnungen: Solarzwerg, Plug-in-Photovoltaikmodul, Mini-Photovoltaikanlage, steckdosenfertiges Mini-Solarzellen-Kraftwerk, PV-Kleinsterzeugungsanlage mit Schukostecker uvm.

Beispiele

Steckerfertige Solarzellen sind nichts Neues. Sie wurden schon 2005 angepriesen.

Gefahren

In Österreich und in Deutschland warnen Elektrikerverbände eindringlich vor steckerfertigen Solarzellen. Im Wesentlichen kann theoretisch Folgendes passieren:

Bis jetzt sind noch keine Unfälle mit steckerfertigen Solarzellen bekanntgeworden.

Rechtliche Situation

Foto

Veraltete Elektrotechnik

Funktionsweise

Steckerfertige Solarzellen erzeugen i. A. nur dann Strom, wenn sie eine Netzspannung messen – bei Stromausfall schalten sie ab. Ein Inselbetrieb im Camping-Wagen etc. ist nicht möglich!

Wirtschaftlichkeit

Für steckerfertige Solarzellen gibt es meines Wissens in Österreich keine Ökostrom-Förderung. Sie sollen sich durch den eingesparten Strombezug bezahlt machen. Das ist aber gar nicht so einfach:

Steckerfertige Solarzellen mit einer Maximalleistung von 150–200 W kosten rund 500 €. Unter idealen Bedingungen erzeugen sie pro Jahr 150–200 kWh Strom, womit sie 30–40 €/Jahr sparen und sich frühestens nach 12 Jahren rechnen.

In der Praxis wird die Stromausbeute standortbedingt eher nur 100–150 kWh/Jahr erreichen, und davon fällt noch jener Teil weg, der nicht zeitgleich selbst verbraucht wird. Wenn ich nicht zuhause bin, braucht nur mein Kühlschrank Strom. Der begnügt sich aber mit 80 W und läuft nicht ständig, sondern nur von Zeit zu Zeit. Standby-Verbrauch habe ich keinen. Wenn du viel Standby-Verbrauch hast, dann solltest du besser diese unnötigen Bereitschaftsverluste reduzieren, anstatt dir hierfür Solarzellen anzuschaffen.

Mit steigenden Strompreisen rechnen sich die Solarzellen schneller. Wenn die Netzkosten zukünftig als Pauschale (Leistungspreis statt Arbeitspreis) verrechnet werden, wie es der Kostenwahrheit entspricht, sieht es mit der Wirtschaftlichkeit schlecht aus.

Viele Käufer von steckerfertigen Solarzellen liebäugeln wohl damit, ihren Stromzähler heimlich rückwärts laufen zu lassen. Die alten Zähler, bei denen das möglich ist, werden aber bis 2020 ausgetauscht. Außerdem ist es Betrug und kann eine empfindliche Strafe zur Folge haben.

Mein Fazit

Steckerfertige Solarzellen sind nicht so unkompliziert, wie es scheint. Für einen durchschnittlichen Haushalt lohnen sie sich kaum.

Weiter

Dezentrale Kraftwerke

Weblinks

Quellen

[1] E-Control: Technische und organisatorische Regeln für Betreiber und Benutzer von Netzen, Teil D, Abschnitt D4: Parallelbetrieb von Erzeugungsanlagen mit Verteilernetzen (PDF), Version vom 1.7.2016, S. 7 (Ausnahmen für Kleinsterzeugungsanlagen)