Mario Sedlak
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Mit Solarzellen versehenes Kunstwerk am Kardinal-Rauscher-Platz in Wien 15

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Solarzellen vor der UNO-City in Wien 22 – am Nachmittag leider im Schatten des Hochhauses

Kritik an Solarzellen

Um Solarzellen gibt es meines Erachtens einen regelrechten Hype. Tw. werden sie sogar als Gestaltungselement in Fassaden oder Kunstwerken eingesetzt, obwohl sie dort weniger Ertrag als auf einem Dach bringen. Und diese Ertragseinbuße wurde u. U. sogar noch mit höheren Einspeisetarifen gefördert.

Die vorhandene Erzeugungskapazität bzw. die vorhandenen Geldmittel könnten besser genützt werden, wenn man die Solarzellen an den effizientesten Standorten anbringt anstatt zur Dekoration oder an Orten, die tw. im Schatten liegen. Im Süden von Italien oder Spanien bringt die gleiche Solarzelle um die Hälfte mehr Ertrag wie in Österreich oder Deutschland. Ich fände es daher sinnvoller, die Anlagen dort zu errichten, zumal sich in Deutschland bereits die Grenze der Aufnahmefähigkeit der Netze für Solarstrom abzeichnet.

Nicht immer die beste Alternative

Die Begeisterung für Solarzellen ist so groß, dass man darüber zu vergessen scheint, dass es auch noch Sonnenkollektoren zur Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung gibt. Wer sein Haus besonders umweltfreundlich machen will, sollte zuerst an die Nutzung der Sonnenwärme und erst dann an Solarzellen denken, denn im Gegensatz zu Strom kann Wärme nicht von weit hertransportiert werden.

Flächenbedarf und Wirkungsgrad

Kritiker meinen, das Sonnenlicht habe "eine zu geringe Energiedichte", sodass Solarzellen keine ernstzunehmende Alternative zu konventionellen Kraftwerken sind. Das Argument finde ich befremdlich, denn es würde wohl niemand auf die Idee kommen, zu sagen, Landwirtschaft lohnt sich nicht, da die "Energiedichte zu gering" ist. Aber Solarzellen sind bei der Gewinnung nutzbarer Energie mehrere 100 Mal effizienter als Pflanzen! D. h. ein Feld, das mit Biomasse zur Energiegewinnung bepflanzt wird, liefert weniger als 1/100 so viel Ertrag wie die gleiche Fläche Solarzellen.

Der Wirkungsgrad von Solarzellen kann durch technische Fortschritte noch verbessert werden. Viel dringender wäre allerdings, den Ertrag pro Euro zu optimieren, da dieser derzeit der begrenzende Faktor ist. Flächen gibt es noch für lange Zeit genug.

Kritik von Großanlagen auf freiem Feld

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Solarzellen-Freiflächenanlage in Tschechien

Wenn einmal die ideal geeigneten Dachflächen zur Neige gehen und für eine effiziente Solarstromproduktion immer mehr offene Flächen verwendet werden, wird es mit der Beliebtheit der Solarzellen wahrscheinlich bald vorbei sein. Erste Anzeichen kann man schon erkennen:

Gefahren

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Vollständig mit Solarzellen bedecktes Dach – im Brandfall nachteilig

Überraschende Kritik kommt von Feuerwehren:

Siehe Gefahren durch Solarzellen in der Wikipedia und Handlungsempfehlungen für Feuerwehren

Die hohe Spannung entsteht durch die Verschaltung der Solarzellen und ließe sich vermeiden, wenn man dickere Kabel verlegt. Der Effizienzverlust wäre dann wohl vernachlässigbar. Zumindest aber sollten die Module im Notfall spannungsfrei geschaltet werden können. Der Mehraufwand hierfür wäre ebenfalls überschaubar. Erstaunlich, dass die Solarwirtschaft die Sicherheitsprobleme nicht von selbst erkannt und gelöst hat! Bei aller Begeisterung für die Energiewende – die Sicherheit sollte vorgehen.

Ein Brand kann durch die Solarzellen und die dazugehörigen elektrischen Komponenten ausgelöst werden, insbesondere wenn die Installation nicht den anerkannten Regeln der Technik entspricht, was leider immer wieder vorkommt.[2] In diesem Fall kann ein Versicherungsschutz erlöschen und der Betreiber kann bestraft werden.[3]

Kosten

Die hohen Kosten sind der Hauptkritikpunkt an Solarzellen und bringen ihr gutes Ansehen in Gefahr: Wer sich in Deutschland Solarzellen anschafft, fühlt sich zunehmend verantwortlich dafür, dass der Nachbar mehr für Strom zahlen muss.[4] In Deutschland zahlen Haushalte bereits eine Ökostrom-Förderung von über 6 Cent/kWh (zzgl. MwSt.), die zum großen Teil an Besitzer von Solarzellen fließt. Die Schmerzgrenze scheint nun wirklich erreicht zu sein. (In Österreich wurde bereits bei "unleistbaren" 0,64 Cent/kWh die Bremse gezogen.) Ursprünglich versprach die Solarbranche, dass die Förderumlage nicht über 2 Cent/kWh (zzgl. MwSt.) steigen wird.[5]

Weiter

Kosten von Solarzellen

Siehe auch

Weblinks

Quellen

[1] Günther Brauner, TU Wien: Wege zur Nachhaltigen Energieversorgung – Herausforderungen an Speicher und thermische Kraftwerke (PDF), 2012, S. 4
[2] Photovoltaik – neue Gefahrenquelle auf dem Dach? (PDF, 2 MB), Schadenprisma, 1/2014, S. 42 (im PDF S. 1)
[3] Photovoltaik – neue Gefahrenquelle auf dem Dach? (PDF, 2 MB), Schadenprisma, 1/2014, S. 43 (im PDF S. 2)
[4] Sonne, Wind & Wärme. Das Branchen-Magazin für alle erneuerbaren Energien, 1/2011, S. 94
[5] Sonne, Wind & Wärme. Das Branchen-Magazin für alle erneuerbaren Energien, 1/2011, S. 3

Seite erstellt am 22.3.2008 – letzte Änderung am 11.7.2016