Mario Sedlak
Strom
Energie
Umweltschutz
Hauptthemen

Zukunft von Solarzellen

Kostenentwicklung

Laut Studien sinken die Herstellungskosten von Solarzellen jedesmal um rund 20%, wenn sich die insgesamt hergestellte Menge an Solarzellen verdoppelt hat. Diese Verdopplung erfolgt derzeit alle 2 Jahre. Setzt sich dieser Trend fort, wäre Solarstrom tatsächlich in absehbarer Zeit konkurrenzfähig.

Die E-Control erwartet, dass sich die Preissenkungen bei Solarzellen in den kommenden Jahren unvermindert fortsetzen werden.[1] Ich bin davon nicht so überzeugt, denn 2012 mussten viele, auch asiatische Hersteller ihre Solarzellen unter Produktionskosten verkaufen.[2] Wegen der massiven Überkapazitäten tobt ein heftiger Preiskampf, der selbst chinesischen Billiganbietern Verluste beschert.

Den Preis für Strom aus der Steckdose werden die Solarzellen meiner Einschätzung nach nicht senken können:

  1. wird Solarstrom mit fixen Einspeisetarifen vergütet, die weit über dem Marktpreis liegen
  2. kann das Netz nur einen begrenzten Teil Solarstrom aufnehmen
  3. ersetzen Solarzellen keine konventionelle Kraftwerksleistung, sondern nur Brennstoff

Weiterer Ausbau

In Deutschland sollen Solarzellen bis zu einer Leistung von 52 GW ausgebaut werden. Damit würden Solarzellen 8–9% des Strombedarfs decken. Bis 2050 sollten auch 120 GW möglich sein, wenn das Stromnetz ausgebaut wird und Stromüberschüsse in Gas umgewandelt werden.[3]

Verstetigung der Einspeisung

Die von Solarzellen erzeugte Leistungsspitze um die Mittagszeit belastet die Stromnetze und verursacht bei einem weiteren Zubau von Solarzellen einen Bedarf an immer mehr Speicherkapazitäten. Um diesen Bedarf nicht zu überschätzen, solltest du wissen:[4]

Durch folgende Maßnahmen können die Leistungsspitzen weiter reduziert werden:

Foto

Bewegliche Solarzellen erzeugen mehr und gleichmäßiger Strom.

Die Begrenzung auf 70% wurde in Deutschland 2012 für kleine Solarstromanlagen eingeführt. Alternativ kann eine Möglichkeit geschaffen werden, dass der Netzbetreiber die Anlage aus der Ferne drosseln oder abschalten kann, was sich aber bei kleinen Anlagen kaum rechnet.

Beitrag von Solarzellen zu einer Vollversorgung mit Ökostrom

Mit Solarzellen lässt sich inzwischen deutlich billiger Strom erzeugen als mit Sonnenwärmekraftwerken. Letztere haben aber den Vorteil, dass sie in Verbindung mit einem Wärmespeicher regelbar sind, während Solarzellen zum Ausgleich ihrer Erzeugungsschwankungen auf teure Stromspeicher angewiesen sind. Deswegen gehe ich davon aus, dass Solarzellen auch bei einer Vollversorgung mit Ökostrom nur einen kleinen Anteil im Mix mit anderen Ökostrom-Kraftwerken haben werden.

Meine Einschätzung

Bis 2010 hielt ich noch eine Verzögerung der Marktreife von Solarzellen um Jahrzehnte für möglich. Das glaube ich jetzt nicht mehr. In südlichen Ländern fehlt nicht mehr viel, und es kann auch ohne Ökostrom-Förderung zu einem großen Boom kommen. Was sich aber nicht so schnell ändern wird, sind die fehlenden Netz- und Speicherkapazitäten. Es reicht nicht, viele Kilowattstunden zu produzieren, wenn diese zur Zeit der Produktion gerade niemand brauchen kann. Daher bleibe ich vorläufig dabei, dass Solarzellen erst in der fernen Stromzukunft auf nennenswerte Anteile der gesamten Stromerzeugung kommen werden.

Weiter

Steckerfertige Solarzellen

Quellen

[1] E-Control: Ökostrombericht 2012 (PDF, 4 MB), S. 59
[2] Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme: Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland (PDF, 3 MB), 2013, S. 10
[3] Deutsches Umweltbundesamt: Energieziel 2050: 100% Strom aus erneuerbaren Quellen (PDF, 13 MB), 2010, S. 95 (im PDF S. 97)
[4]
[5]
[6] HTW Berlin: Stromspeicher-Inspektion 2021 (PDF), S. 22
[7] Artikel (PDF) in Photon, 12/2010, S. 17

Seite erstellt am 4.3.2013 – letzte Änderung am 27.8.2021