Mario Sedlak
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Passau (links) und Österreich (rechts) – Wo ist der Strom "sauberer"?

Schöngerechneter Kohlendioxid-Ausstoß von Elektroautos

Produziert ein in Passau aufgeladenes Elektroauto mehr Kohlendioxid als eines, das zum Aufladen über die Grenze nach Österreich fährt? Nein, das ist absurd, da Österreich und Deutschland ein gemeinsames Stromnetz und einen gemeinsamen Strommarkt haben. Trotzdem wird das Unmögliche auch von scheinbar seriösen Quellen behauptet:

In Österreich kommt etwa die Hälfte des erzeugten Stroms aus emissionsarmer Wasserkraft. Das Potenzial zur Senkung der verkehrsbedingten CO2-Emissionen durch Elektro-Fahrzeuge ist daher in Österreich besonders hoch.[1]
Elektromobilität ist in Österreich besonders sinnvoll und effizient, weil hierzulande bereits heute ein Großteil des elektrischen Stroms aus erneuerbaren Energieträgern gewonnen wird.
Aufgrund des hohen Anteils an Erneuerbaren in Österreich ist ein E-Mobil hier deutlich ökologischer als in Deutschland.
In Österreich mit seinem hohen Stromanteil aus erneuerbaren Quellen (Wasserkraft, Wind, Sonne) hat E-Mobilität Sinn.[2]
Durch den hohen Prozentsatz an Wasserkraft fährt ein Elektroauto in Österreich mit 58 Gramm CO2 pro Kilometer sehr günstig.
Je mehr Strom aus regenerativen Quellen im Netz fließt, etwa aus Wind-, Wasser- und Solarkraft, umweltfreundlicher ist das Elektroauto.
Ausgehend von einem Stromerzeugungsmix, der in etwa der heutigen Stromerzeugung entspricht, würden sich die spezifischen CO2-Emissionen der PKWs auf 40 g/km reduzieren.[3]

Hier wird immerhin der europäische Durchschnitt genommen:

Die elektrische Energie kann für einen europäischen Strommix (UCTE-Mix) mit 352,7 g CO2/kWh bewertet werden. Daraus ergibt sich für CO2 ein Einsparpotential im realen Fahrverhalten vom Elektroauto zum PKW mit Verbrennungskraftmotor mit ca. 40 %.[4]
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Schauen in Österreich alle Straßen so aus?

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Kohlekraftwerk Dürnrohr (Niederösterreich) – Darf man hier in der Nähe ein Elektroauto anstecken?

Irrtum!

Die Durchschnittsbetrachtung ist so, als würde man alle Straßen Österreichs für relativ steil halten, da es in Österreich viele Berge gibt. Bei der Ökobilanz von Strom ist meines Erachtens die Zuwachsbetrachtung zu verwenden, d. h. welches Kraftwerk tatsächlich mehr Strom erzeugt, wenn mehr verbraucht wird. Alles andere ist Schönrechnen, das mit der Wirklichkeit (und mit Wissenschaft) nichts zu tun hat. Pessimisten über die Herkunft des Stroms für Elektroautos kommen meiner Meinung nach zu dem einzig realistischen Ergebnis: Der Kohlendioxid-Ausstoß von Elektroautos ist de facto ungefähr so hoch wie jener von vergleichbaren konventionellen Autos. Auch bei Berücksichtigung der gesamten Vorkette ändert sich daran nichts.

Die Ländergrenzen haben mit der Physik nichts zu tun. Wenn Deutschland und Österreich plötzlich ein Land wären, würde sich nur in den (fehlerhaften) Ökobilanzen etwas ändern, nicht aber in der Wirklichkeit. Genausowenig kommt in der Nähe eines Kohlekraftwerks "schmutzigerer" Strom aus der Steckdose – auch nicht wenn die Gemeinde, in der das Kraftwerk steht, ein eigener Zwergstaat wird.

Wäre die Durchschnittsbetrachtung korrekt, dann wäre Stromsparen in Österreich fast nutzlos und eine Kraft-Wärme-Kopplung sogar schlechter als eine reine Wärmeproduktion. Das glaubt aber niemand, denn wenn es um Einsparungen geht, dann rechnen alle richtigerweise mit den hohen Emissionswerten. Nur wenn es um zusätzliche Verbräuche geht, nehmen sie die Durchschnittswerte – für jeden Zweck also die Zahlen, mit denen das schönere Ergebnis herauskommt ...

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Fahren Elektroautos mit Ökostrom wirklich emissionsfrei? – Auch wenn man den besten Ökostrom kauft oder ihn selbst produziert, fahren Elektroautos de facto nicht wirklich emissionsfrei, denn der Ökostrom fehlt dann als Ersatz für Kohlestrom. (Seite 21 von 34)

Quellen

[1] Verkehrsclub Österreich: Potenziale von Elektro-Mobilität, S. 9f.
[2] Auto-Touring. Das Mobilitätsmagazin des ÖAMTC, 2/2015, S. 30
[3] PricewaterhouseCoopers: Auswirkungen von Elektrofahrzeugen auf die Stromwirtschaft (PDF), S. 4
[4] Sustainable Austria, 3.2010 (PDF), S. 9