Mario Sedlak
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Beispiel Karotten

1 kg konventionelle Karotten haben laut einer Ökobilanz des Forschungsinstituts für Biologischen Landbau (FiBL) einen "Klima-Rucksack" von rund 100 g CO2-Äquivalenten. Bei biologischer Produktion sind es hingegen nur rund 80 g. Ein Lkw stößt beim Transport über 1000 km ca. 100 g CO2 pro befördertes Kilogramm aus.[1] Somit haben Bio-Karotten eine bessere Klimabilanz, auch wenn sie bis zu 200 km weiter als die konventionellen transportiert wurden, bis sie beide im Geschäft liegen.

Wie bei allen Ökobilanzen ist die Genauigkeit begrenzt, da vieles vom Einzelfall und von den gewählten Annahmen abhängt. Für eine Faustregel sind die Zahlen aber ausreichend.

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Beispiel Tomaten

Für Tomaten errechnete das FiBL ähnlich wie für Karotten ca. 20 g CO2-Äquivalente Unterschied pro Kilogramm des Gemüses. Entscheidend für die Klimabilanz ist ein Anbau ohne Heizung: Diese verursacht einen CO2-Ausstoß von rund 850 g pro Kilogramm Tomaten.[2] Spanische (Bio-)Tomaten, die dort nur Sonnenwärme brauchen, sind somit klar klimafreundlicher als noch so nahe Tomaten aus einem Treibhaus, wo der Mensch für eine Mindesttemperatur sorgen muss.

Beispiel Äpfel

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Bei Äpfeln gibt es im Winter und Frühling häufig die Wahl zwischen einheimischer, lange gelagerter Ware und frischer von der Südhalbkugel. Für die Lagerung müssen die Äpfel permanent auf 1–2°C gekühlt werden. Der deutsche Agrarwissenschaftler Michael Blanke hat ausgerechnet, dass der Transport mit dem Schiff von Südafrika nach Europa so viel Energie wie 9 Monate Lagerung kostet.[3] Die Klimabilanz kippt allerdings schon früher, ungefähr ab April, weil die Kühlung hauptsächlich Strom verbraucht, und bei der Stromerzeugung gibt es Energieverluste und damit höhere CO2-Emissionen pro nutzbarer Energieeinheit.

Neuseeland ist eigentlich zu weit weg, aber laut Blanke sind die Apfelbäume in Neuseeland ertragreicher und es wird dadurch um ein Viertel weniger Energie pro Kilogramm Apfel gebraucht.[4] Das kompensiert die größere Entfernung.

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Beispiel Kartoffeln

Kartoffeln müssen durchgehend auf 4–6°C gekühlt werden, damit sie bis ins Frühjahr frisch und makellos bleiben.[5] Bei höheren Temperaturen lässt sich das Austreiben der Kartoffeln nur mit Chemikalien verhindern.[6] Kartoffeln müssen mehr als Äpfel belüftet werden, weil sie mehr atmen und empfindlicher für Pilz- und Schädlingsbefall sind. Deswegen wird der Energieaufwand für die Lagerung trotz der etwas höheren Temperatur annähernd gleich sein. Somit sind ägyptische Bio-Kartoffeln im Frühjahr kein ökologischer Irrsinn, sondern sogar besser für das Erdklima.

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Beispiel Knoblauch

Knoblauch hat in China die gleiche Saison wie in Österreich, daher gibt es hier keinen Vorteil durch wegfallende Kühlung. Allerdings braucht Knoblauch relativ viel Dünger, sodass 1 kg Bio-Knoblauch nach meiner Rechnung rund 100 g CO2 einspart. Selbst wenn der Transport aus China ein bisschen mehr CO2 produziert, gibt es hier etwas anderes, das für meine Faustregel spricht: In Österreich werden durchschnittlich 5 Tonnen Knoblauch pro Hektar geerntet, in China bis zu 26 Tonnen pro Hektar!

Die Knoblauchpflanze stammt aus Asien. Wenn wir sie hier anpflanzen, anstatt das, was bei uns am besten gedeiht, steigt der Flächenbedarf der Landwirtschaft, ähnlich wie durch Biosprit und Fleischessen.

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Zusammenfassung (Seite 3 von 3)

Quellen

[1] Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU) 2012 laut Präsentation der Bahnindustrie (PDF), S. 2
[2] Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL): Contrasted greenhouse gas emissions from local versus long-range tomato production (PDF), S. 6
  • Vergleich bei System 1 (Venlo, Austria Conventional) und System 2 (tunnel, Austria Organic) die Summen in "Fertilizing and pesticides" und "Soil" – 27 minus 8 g sind ca. 20 g Unterschied.
  • System 1 hat unter "Heating requirement" 848 g CO2-Äquivalente angegeben.
[3] M. Blanke und B. Burdick: Energiebilanzen für Obstimporte: Äpfel aus Deutschland oder Übersee? (PDF), Erwerbs-Obstbau, 2005, S. 143 (im PDF S. 1) – "Der Energieaufwand für die Lagerung der heimischen Äpfel in Deutschland kompensierte ... einen Teil des Energieaufwandes für den Schiffstransport. Heimische Äpfel müssten ca. 9 bzw. 18 Monate – d.h. im letzten Fall über die nächste Ernte hinaus – gelagert werden, um den höheren Energieverbrauch für den Schiffstransport aus Südafrika bzw. Neuseeland zu kompensieren."
[4] M. Blanke und B. Burdick: Energiebilanzen für Obstimporte: Äpfel aus Deutschland oder Übersee? (PDF), Erwerbs-Obstbau, 2005, S. 143 (im PDF S. 1) – "Der Energieaufwand für Anbau und Ernte in Deutschland und Südafrika wurde mit 2,8 MJ/kg und für Neuseeland mit 2,1 MJ/kg Äpfel angesetzt".
[5]
  • Bundeszentrum für Ernährung: Kartoffeln richtig ernten und lagern – "Die optimale Lagertemperatur liegt zwischen 4 und 6 °C."
  • Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft: Lagerung von Kartoffeln (PDF), S. 6 – "Für die langfristige Lagerung von Speise- und Pflanzkartoffeln wird die Temperatur nach der Abkühlungsphase auf 3–4 °C abgesenkt."
[6] Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft: Lagerung von Kartoffeln (PDF), S. 7 – "Einsatz von keimhemmenden Mitteln erforderlich, da die natürliche Keimruhe der Kartoffeln bei diesen hohen Temperaturen [8–10 °C] nicht für eine Langzeitlagerung ausreicht"