
Auch Paprika wachsen im Erdwärme-Glashaus Kirchweidach nicht in Erde.
Was wäre noch wünschenswert?
Wir Utopisten gehören zu den 5–10 Prozent Pionieren, denen die Massenware nicht nachhaltig genug ist. Ich kaufe nur Paprika und Tomaten aus biologischer Landwirtschaft. Aber Josef Steiner stellt klar:
Wir können die Bio-Richtlinien nicht erfüllen.
Es wäre ein Anbau im Boden vorgeschrieben, sagt er, und die Erde in Kirchweidach sei für Tomaten und Paprika völlig ungeeignet, da sie schweren Lehm enthält. Darin würden die Wurzeln dieser Pflanzen ersticken. Eine Quelle für dieses Verbot habe ich nicht gefunden; der Bio-Anbauverband Naturland kritisiert sogar ausdrücklich, dass laut EU-Bio-Verordnung keine Erde nötig ist: „Im Gewächshaus werden Tomaten lediglich in Substrat-Containern oder -Säcken kultiviert, die über eine Nährstofflösung gedüngt werden – sie werden als Bio-Tomaten vermarktet.“[1]
Ein anderer Verbesserungsvorschlag betrifft die regionale Vermarktung: Der Transport ist in der Ökobilanz zwar nur von untergeordneter Bedeutung, wie Lüneburg-Wolthaus richtig vortrug, aber dennoch wäre es schön, wenn Steiners Früchte auch im benachbarten Österreich erhältlich wären. Kirchweidach ist nur gut 10 Kilometer von der Staatsgrenze entfernt! In Österreich gibt es ebenfalls Rewe-Märkte (dazu gehören unter anderem Billa, Merkur sowie Penny) und auch ein Pro-Planet-Siegel wird dort verwendet, aber dennoch scheint Rewe-intern diese Grenze noch weniger überwindbar zu sein als die ehemalige Mauer zwischen Ost- und Westberlin. Die anwesenden Rewe-Manager schlossen eine Lieferung in das Nachbarland kategorisch aus. Selbst zeitweise vorhandene Überschüsse – die aufgrund der schwankenden Nachfrage entstehen – werden lieber ohne Regional-Siegel in einem anderen, weiter entfernten deutschen Bundesland als in Österreich verkauft.
Und schließlich noch generell über das Pro-Planet-Siegel: Ich hoffe, dass es durch den Neuzugang aus Kirchweidach nicht mehr dazu kommt, dass spanische Tomaten „Pro Planet“ sind, während die gleichzeitig aus Deutschland angebotenen dieses Gütezeichen nicht aufweisen. Zumindest in der Hauptsaison hat die heimische Ware eindeutig eine bessere Ökobilanz, und wenn das Pro-Planet-Zeichen ein „Navigationssystem für nachhaltigere Produkte“ sein soll, dann dürfen die spanischen Früchte nicht die heimischen ausstechen, nur weil bei ihrer Herstellung 20 Prozent Wasser gespart wurde und ein paar Flüchtlinge betreut werden.
„Das Schlimmste für jedes Nachhaltigkeitssiegel ist, wenn man es nachprüft, und es stimmt nicht“, meinte Julia vom Rewe-Group-Team zu mir. Das sehe ich genauso. Hinsichtlich der Pro-Planet-Tomaten und -Paprika aus Kirchweidach konnte ich mich überzeugen, dass Rewe nicht zu viel verspricht. Ich behielt meine gute Meinung von dem Konzern, die ich am Rewe-Stakeholder-Forum 2013 in Wien gewonnen hatte.
Der Besuch das Gewächshauses Kirchweidach erfolgte auf Einladung von Rewe. Die Reise wurde von Rewe bezahlt.
Weiter
Weblinks
Quellen