Mario Sedlak
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Zillertal

Zillertaler Wasserstoffbahn

Die Schmalspurbahn im Zillertal (Tirol) fährt derzeit mit Diesel. Ab 2023 soll sie mit Wasserstoff fahren.

Gründe

Kosten

Wasserstoff-Infrastruktur

Der Wasserstoff wird von der Verbund AG mit neu zu errichtenden Anlagen beim Speicherkraftwerk Mayrhofen (das gerade zu einem Pumpspeicherkraftwerk umgebaut wird) produziert. Der benötigte Strom für die Wasserstoffproduktion kann vor Ort vom Kraftwerk erzeugt werden. Es kann aber auch günstiger Strom am Großhandelsmarkt zugekauft werden. Derzeit sind Elektrolyseure von Stromnetzgebühren befreit.[8]

Es sind zwei Elektrolyseure mit je 1,5 MW geplant. Der Wasserstoff soll mittels kurzer Pipeline zum nahen Bahnhof Mayrhofen transportiert werden.[9] Ein Zwischenspeicher soll den Wasserstoff-Bedarf von 2–3 Tagen aufnehmen können.[10] Wenn der Bahnhof Mayrhofen aus irgendwelchen Gründen nicht benutzbar ist, soll Wasserstoff mit Lkws zu einer zweiten Betankungsanlage in Jenbach transportiert werden.[11]

Verbrauch

Für die Produktion von 1 kg Wasserstoff werden 52 kWh Strom verbraucht.[12] Aus 1 kg Wasserstoff erzeugt die Brennstoffzelle im Zug wiederum 17 kWh Strom.[13] Das ist ein Wirkungsgrad von 17/52 = 33%.

Interessant wird's, wenn man die angegebenen Daten auf den Personenkilometer umrechnet:

Nun je nach Variante:

Variante Verbrauch
Dieselzüge 900 000 l/Jahr = 2,1 l pro 100 Personenkilometer
Oberleitung[17] 4022 MWh/Jahr = 9,2 kWh pro 100 Personenkilometer
Wasserstoff[18] 9890 MWh/Jahr = 23 kWh pro 100 Personenkilometer

Es wäre also effizienter, wenn es keine Wasserstoff-Züge gibt und alle Menschen fahren mit dem eigenen Elektroauto (typischer Verbrauch: 15–20 kWh/100 km). Da 1 kWh Ökostrom ungefähr 3 kWh Kohle ersetzen kann und 1 l Benzin oder Diesel rund 10 kWh Energie besitzt, gilt das auch für sparsame Autos mit Verbrennungsmotor, der max. 4,5–6 l/100 km braucht. Die Wasserstoffzüge sind also keine "CO2-Einsparung", sondern führen zu Mehremissionen gegenüber der heutigen Situation, wo alle Autofahrer mit mindestens 1–2 Beifahrern unterwegs sein müssten, um eine bessere Bilanz als die Zillertaler Züge zu erzielen. Einer der Hauptvorteile von öffentlichen Verkehrsmitteln wird durch die ineffiziente Wasserstoff-Produktion zunichtegemacht!

Der Nachteil kann auch durch Folgendes wahrscheinlich nur abgemildert, aber nicht beseitigt werden:

Mein Fazit

Im Zillertal leben Wasserstoff-Fans. Das angebliche Klimaschutzprojekt ist ein Energievernichtungsprojekt, das für die Energiewende weniger als gar nicht gebraucht wird. Die Öffentlichkeit wird wieder einmal getäuscht.

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Flugverkehr

Weblinks

Quellen

[1] Zillertalbahn: Sektorkopplung: Grüner Wasserstoff für das Projekt Zillertalbahn 2020+ (PDF), WKO-Symposium Verkehr und Umwelt 17.6.2019, S. 11
[2] Zillertalbahn 2020+. Energieautonom mit Wasserstoff (PDF, 2 MB), Eisenbahntechnische Rundschau Austria, 6.2018, S. 67
[3] Zillertalbahn 2020+. Energieautonom mit Wasserstoff (PDF, 2 MB), Eisenbahntechnische Rundschau Austria, 6.2018, S. 66
[4] Zillertalbahn: Sektorkopplung: Grüner Wasserstoff für das Projekt Zillertalbahn 2020+ (PDF), WKO-Symposium Verkehr und Umwelt 17.6.2019, S. 5
[5]
[6] Zillertalbahn 2020+. Energieautonom mit Wasserstoff (PDF, 2 MB), Eisenbahntechnische Rundschau Austria, 6.2018, S. 69
[7]
[8] Zillertalbahn 2020+. Energieautonom mit Wasserstoff (PDF, 2 MB), Eisenbahntechnische Rundschau Austria, 6.2018, S. 69
[9] Zillertalbahn 2020+. Energieautonom mit Wasserstoff (PDF, 2 MB), Eisenbahntechnische Rundschau Austria, 6.2018, S. 69
[10] Zillertalbahn: Sektorkopplung: Grüner Wasserstoff für das Projekt Zillertalbahn 2020+ (PDF), WKO-Symposium Verkehr und Umwelt 17.6.2019, S. 11
[11] Zillertalbahn 2020+. Energieautonom mit Wasserstoff (PDF, 2 MB), Eisenbahntechnische Rundschau Austria, 6.2018, S. 69
[12] Zillertalbahn 2020+. Energieautonom mit Wasserstoff (PDF, 2 MB), Eisenbahntechnische Rundschau Austria, 6.2018, S. 69
[13] Zillertalbahn 2020+. Energieautonom mit Wasserstoff (PDF, 2 MB), Eisenbahntechnische Rundschau Austria, 6.2018, S. 69
[14] Zillertalbahn 2020+. Energieautonom mit Wasserstoff (PDF, 2 MB), Eisenbahntechnische Rundschau Austria, 6.2018, S. 66
[15] Zillertalbahn 2020+. Energieautonom mit Wasserstoff (PDF, 2 MB), Eisenbahntechnische Rundschau Austria, 6.2018, S. 66f. – 31,74 km heute + rund 1 km Erweiterung
[16] Zillertalbahn 2020+. Energieautonom mit Wasserstoff (PDF, 2 MB), Eisenbahntechnische Rundschau Austria, 6.2018, S. 66
[17] Zillertalbahn 2020+. Energieautonom mit Wasserstoff (PDF, 2 MB), Eisenbahntechnische Rundschau Austria, 6.2018, S. 70
[18] Zillertalbahn 2020+. Energieautonom mit Wasserstoff (PDF, 2 MB), Eisenbahntechnische Rundschau Austria, 6.2018, S. 70
[19] Zillertalbahn 2020+. Energieautonom mit Wasserstoff (PDF, 2 MB), Eisenbahntechnische Rundschau Austria, 6.2018, S. 70
[20] Zillertalbahn 2020+. Energieautonom mit Wasserstoff (PDF, 2 MB), Eisenbahntechnische Rundschau Austria, 6.2018, S. 70
[21]
[22] Zillertalbahn: Sektorkopplung: Grüner Wasserstoff für das Projekt Zillertalbahn 2020+ (PDF), WKO-Symposium Verkehr und Umwelt 17.6.2019, S. 11
[23]
  • 1 l Diesel verbrennt zu 2,64 kg Kohlendioxid.
  • Der Verbrauch von 900 000 l/Jahr (siehe Tabelle) ergibt daher 2 376 000 kg Kohlendioxid pro Jahr.
  • Für Wasserstoff werden 9890 MWh Strom pro Jahr verbraucht (siehe Tabelle).
  • Das ergibt maximal zulässige Kohlendioxid-Emissionen von 2 376 000 kg/9890 MWh = 240,2 kg/MWh = 240,2 g/kWh. Ansonsten ist die Dieselvariante besser für das Klima.
[24] Zillertalbahn: Sektorkopplung: Grüner Wasserstoff für das Projekt Zillertalbahn 2020+ (PDF), WKO-Symposium Verkehr und Umwelt 17.6.2019, S. 13 – "Überschussstrom"