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Abus Sinus 46/150HB

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Verpackung

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So lag mein Bügelschloss am Boden, als mein Rad weg war. Es war offenbar zu schwach.

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Das Schloss auf dem Rad, das mir dann gestohlen wurde

Abus Sinus 46/150HB

Bügelschlösser zählen zu den sichersten Fahrradschlössern. Sie sind wie ein großes Vorhängeschloss aufgebaut. Die deutsche Firma Abus gehört zu den besten Herstellern von Fahrradschlössern. Sie erzeugt allerdings diverse Modelle in unterschiedlichster Ausführung. Für den Laien ist nur schwer zu erkennen, welches Modell er braucht. Ich kaufte am 26.8.2010 ein "Abus Sinus 46/150HB" um 54,99 € bei der Sporthandelskette "Intersport Eybl" im Donauzentrum in Wien. Der Bügel ist innen 230 mm lang und 109 mm breit. Gewicht: 950 g ohne Halterung (die im Preis inbegriffen war)

Aufbruchsicherheit

Laut Verpackung ist die Sicherheit des Schlosses am "Maximum Level 8". Erst auf den zweiten Blick ist erkennbar, dass das Modell keineswegs den maximalen Aufbruchschutz bietet: Stufen bis zu 15 sind bei dem Hersteller möglich. Abus bezeichnete seine Stufen 1–4 als "Standard Level", die Stufen 5–7 als "Extra Level" und die Stufen 8–15 als "Maximum Level". Klingt toll, aber nach dem, was ich nun weiß, würde ich diese Stufen mit den Schulnoten "Nicht Genügend", "Genügend" und "Befriedigend" bezeichnen. 2014/2015 ist Abus von diesen irreführenden "Levels" weggekommen und zeichnet nur noch die Stufe selbst aus.

Hilfreicher für den Kunden wäre eine Information, dass für Fahrräder, die man über Nacht in einer Stadt draußen lässt, nur die höchste Stufe zu empfehlen ist. Dass sich ein Schloss der Stufe 8 relativ leicht mit einem Wagenheber öffnen lässt, steht nicht auf der Verpackung. Ich habe das leider erst aus eigener Erfahrung gelernt: Nach vierjähriger Verwendung des Abus Sinus wurde es am 11./12.10.2014 aufgebrochen und mein Fahrrad (KTM Velvet) gestohlen. Das Schloss ist dabei nicht einmal kaputt gegangen. Offenbar hat es relativ rasch nachgegeben. Es lag mit einem offenen Bügel am Boden.

Zuerst habe ich gedacht, dass ich das Schloss irrtümlich offen gelassen habe. Das kann passieren, wenn man das Schloss zusperrt, während ein Bügel noch nicht eingehängt ist. Bei besseren Schlössern lässt sich der Schlüssel nur abziehen, wenn das Schloss definitiv zu ist. Nicht so beim Abus Sinus. Nach dem, was ich inzwischen im Internet gelesen und gesehen habe, glaube ich aber nicht mehr, dass das Schloss offen war.

Verärgert bin ich, dass Abus auf der Verpackung den gehärteten Stahl, das "extra classe" Schloss und die doppelte Verriegelung besonders hervorstreicht. Was nützt das alles, wenn das Schloss so leicht aufgehebelt werden kann? Es finden sich auch keinerlei Tipps, wie man das Schloss am besten verwendet. Ich habe mich nach dem Schaden selbst schlau machen müssen:

Wie viel Tonnen Zugkraft seine Schlösser aushalten, hält Abus geheim. Konkurrent Trelock veröffentlicht dies. Ich habe mir daher nun ein besseres Schloss von diesem Hersteller besorgt.

Vom Abus Sinus würde ich aufgrund des enttäuschend schwachen Schutzes abraten. Dieses Modell wird allerdings gar nicht mehr hergestellt. Wer es gebraucht noch wo findet, sollte es nur als Zweitschloss oder bei geringstem Diebstahlrisiko verwenden. Der massive Eindruck, den das Schloss erweckt, täuscht. Es verdient in der Tat nicht mehr als Stufe 8 von 15.

Benutzung

Mit Handhabung und Haltbarkeit hatte ich keine Probleme. Das Schloss war 4 Jahre durchgehend im Einsatz, auch bei Regen, Eis und Schnee und über Nacht im Freien. Der Schlüssel sperrt nach wie vor problemlos wie am 1. Tag, ohne dass ich irgendwelche Schutzsprays oder dgl. angewendet hätte. Manchmal klemmen die Bügel etwas und lassen sich nach dem Aufsperren des Schlosses nicht gleich entnehmen. Mit ein bisschen Rütteln ging's aber immer.

Gelegentlich ist mir das Schloss oder der Bügel aus der Hand gefallen. Das hatte keine sichtbaren Folgen.

Es sind keine Spuren von Korrosion zu sehen. Auch die Halterung des Schlosses am Fahrradrahmen bereitete auf 19 000 km keinerlei Probleme, obwohl mein Fahrrad einige Male auch unsanft umgefallen ist. Weder klappert das Schloss, noch bewegt es sich in der Halterung. Es lässt sich auch relativ schnell aus der Halterung nehmen und wieder einhängen, allerdings nicht einhändig. Zum Herunternehmen muss das Schloss geöffnet werden; zum Fixieren muss es in der Halterung abgesperrt werden. Der Schlüssel lässt sich nicht abziehen, solange man nicht zugesperrt hat (Schlüsselwegfallsperre). Allerdings, wie erwähnt, lässt sich das Schloss zusperren, auch wenn nur einer oder gar keiner der beiden Bügel im Schloss eingehängt ist.

Das Schloss riecht nicht. Das deutet darauf hin, dass keine giftigen Chemikalien im Kunststoffüberzug des Bügels, der das Fahrrad vor Beschädigungen schützt, vorhanden sind. In manchen Schlössern anderer Hersteller haben "Ökotest" und Stiftung Warentest bedenkliche Stoffe nachgewiesen.

Die fehlende Flexibilität von Bügelschlössern hat mir nie gravierende Probleme bereitet. Ich habe immer eine geeignete Möglichkeit zum Anschließen meines Fahrrads gefunden.

Mein Fazit

Lediglich bei geringstem Diebstahlrisiko (= untertags, am Land, nur kurz abgestellt, billiges Rad) kann ein Bügelschloss der schwächsten Kategorie ausreichend sein. Ansonsten keine Kaufempfehlung von mir! Wer sein Rad intensiv im Alltag nutzt, sollte die Finger davon lassen. Was nutzt ein billiges Schloss, wenn nachher das Fahrrad weg ist? Selbst wenn es ein billiges Fahrrad war, ist das ärgerlich. Es lohnt sich, ein zuverlässiges Schloss zu kaufen. Dieses kann lange halten und ist dann, pro Jahr gerechnet, auch nicht absurd teuer. Alltagsradlern, die ihr Rad auch bei Dunkelheit auf der Straße stehen lassen müssen, empfehle ich nur Schlösser der höchsten oder zweithöchsten Sicherheitsstufe. Bei Abus sind solche Schlösser etwas leichter als bei anderen Herstellern, aber auch teurer.

Andere Fahrradschlösser, die von unabhängigen Stellen geprüft wurden, findet man beim ADFC (Liste anerkannter Fahrradschlösser) und bei der Stiftung Warentest (4/2013). Rein nach Erfahrungsberichten oder nach dem optischen Eindruck kann man kein sicheres Fahrradschloss finden. Als Faustregel kann man lediglich sagen, dass Schlösser unter 1 kg keinen ausreichenden Schutz bieten. Das heißt aber nicht, dass jedes schwere Schloss gut ist. Viele fallen bei unabhängigen Tests durch.

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Haltbarkeit von Fahrradschlössern