Mario Sedlak
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Cyco-Trekkingbike 28 Zoll von der Firma Mifa – Auf den ersten Blick schaut es sehr gut aus.

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Auf Radtour

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Verschleißindikator

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maximal zulässiges Drehmoment, mit der die Schraube angezogen werden darf

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Hinterradnabe, acht Zahnräder

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Gangschaltung

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Stabiler Ständer

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Pannenschutzreifen

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Nabendynamo

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Aufgelöste Glocke

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Herausgesprungene Kette

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Rändelschraube

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Vermeintlich fehlende Rändelschraube

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Anleitung

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Ventil

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Bremse

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Federgabel

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Griff

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Fehler in der Felgenlackierung

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Bei der Sattelklemme blättert Farbe ab.

Cyco-Trekkingbike

Fahrräder aus dem Supermarkt haben hinsichtlich Qualität einen schlechten Ruf. Ich habe am 23.3.2015 bei Hofer ein Trekkingrad um 299 € erworben, das diesem Ruf leider voll gerecht wurde. Vermutlich war das aber Pech und nicht der typische Lieferstandard von Hersteller Mifa (Mitteldeutsche Fahrradwerke AG). Das Rad ist so schnell (nach 1 Monat) ausgefallen, dass ich von einem Transportschaden ausgehe. Ich habe das Rad zurückgegeben und anstandslos den Kaufpreis in voller Höhe rückerstattet bekommen.

Kaufkriterien

Nachdem mein Fahrrad gestohlen wurde, benötigte ich ein neues, das möglichst billig sein sollte, damit ich es auch über Nacht draußen oder in meinem Keller stehen lassen kann. Teure Räder sind meines Erachtens nicht alltagstauglich.

Mit billigen Rädern (150–200 €) aus einem Supermarkt bzw. von einer Sportkette habe ich schlechte Erfahrungen gemacht. Diese sind schnell verschlissen und es gab oft Pannen. In "richtigen" Sportgeschäften kosten brauchbare Räder aber über 400 €, sodass ich mich entschloss, Hofer eine Chance zu geben.

Mein Rad muss eine Gangschaltung, einen Gepäckträger und einen Nabendynamo haben. Nur ein Nabendynamo arbeitet bei jedem Wetter zuverlässig. Mit den billigen Seitenläuferdynamos habe ich schlechte Erfahrungen gemacht.

Gewicht ist für mich kein Kriterium. Das Cyco-Trekkingbike ist 18,5 kg schwer.

Inbetriebnahme

Hofer verkauft nur einmal im Jahr Fahrräder. Am 23.3.2015 war es so weit: Ich ging gleich in der Früh ins Geschäft, um sicher noch ein Exemplar zu bekommen. Probefahrt war natürlich nicht möglich; es war noch nicht einmal ein Musterrad ausgestellt. Ich fand zwei Mitarbeiter im Eingangsbereich des Lagers, die gerade eines herrichteten und mir gleich dieses anboten. Der Lenker war noch verdreht, damit er eine Linie mit dem Rahmen bildet und das Rad platzsparend transportiert werden kann. Aus dem gleichen Grund waren noch keine Pedale montiert. Da die beiden Mitarbeiter nicht einmal ein Herren- von einem Damenmodell unterscheiden konnten, sparte ich mir jegliche Fachfragen und kaufte das Rad quasi "blind". Aber nachdem Hofer eine Zufriedenheitsgarantie gibt, ist das Risiko begrenzt.

Ich führte das Rad nachhause. Karton hab ich keinen bekommen, aber Anleitung und alle notwendigen Teile waren vorhanden.

Beim Durchlesen der Anleitung war ich zunächst positiv überrascht: Ich habe schon drei Räder (auch eines, das mehr als 299 € kostete) gekauft, aber dieses ist das erste, dem eine brauchbare und ausführliche Anleitung beiliegt. Nicht nur die Montage von Lenker und Pedalen wird erklärt, sondern alle üblichen Tätigkeiten wie Einstellung der Bremsen und auch über Verschleißindikatoren der Felgen wird informiert. (Durch das Bremsen werden sie dünner und müssen dann ausgetauscht werden oder sie platzen während der Fahrt auf ...) Was fehlt, ist ein Index. Nicht optimal ist, dass das Handbuch in allen verfügbaren Sprachen zu einem dicken, schweren Buch gebunden ist. So viel Platz habe ich zuhause nicht, daher habe ich alle Sprachen bis auf die deutsche herausgerissen und zum Altpapier gegeben (dass ich das Rad zurückgeben werde, habe ich da nicht gedacht, aber es wurde akzeptiert, dass ich diese Teile nicht mehr hatte). Feministen werden an der Anleitung kritisieren, dass immer geraten wird, sich an einen Fachmann zu wenden.

Dann die erste Enttäuschung: Laut Flugblatt ist das Rad "mit wenigen Handgriffen fahrbereit" – laut Anleitung ist ein Drehmomentschlüssel unbedingt erforderlich. Woher soll ich den jetzt nehmen? Beiliegend sind billige Einweg-Schraubenschlüssel. Diese darf ich nicht verwenden, wenn ich der Anleitung Glauben schenke und keine Garantieansprüche verlieren will. Durch das Anziehen mit einem falschen Drehmoment kann das Rad kaputtgehen und mir droht ein Unfall, warnt die Anleitung ... Das hätte sich Hofer genauer ansehen und für konsistente Informationen sorgen können!

Bemerkenswert ist auch, dass das Rad laut Flugblatt eine "24-Gang-Schaltung" hat, aber laut Anleitung darf nur ca. die Hälfte der Gänge verwendet werden, da die Kette nicht zu schräg laufen darf. Vorne, bei den Pedalen, hat das Rad drei Zahnräder; am Hinterrad acht. Genau genommen bleiben von den 3*8 = 24 Gängen nur zehn verschiedene übrig:

Alle anderen Kombinationen sind nicht wesentlich von diesen Möglichkeiten verschieden. Das ist aber grundsätzlich bei allen Gangrädern so und nicht eine besondere Eigenschaft des von mir gekauften Rades. Auch die Anpreisung als "24-Gang-Rad", obwohl es nur zehn verschiedene Gänge hat, ist üblich und daher kein Kritikpunkt von speziell dem hier rezensierten Rad.

Ausstattung

Das Cyco-Trekkingrad hat alles, was für die Verwendung im Straßenverkehr vorgeschrieben ist. Positiv ist mir aufgefallen:

Außerdem ist dabei:

1. Ausfall: Glocke

Die Glocke ist aus billigem Plastik und hat sich beim Einstellen des Lenkers und der darauf befindlichen Schalteinrichtungen aufgelöst. Ich trug die Einzelteile der Glocke in die Hofer-Filiale zurück. Zu meiner Überraschung wollten mir die Mitarbeiter dort gleich das ganze Rad austauschen. Nur eine Glocke können sie nicht austauschen. Ich hatte aber schon mehrere Stunden darauf verwendet, das Rad einzurichten (inkl. Montage eines Fahrradcomputers und einer Schlosshalterung). Daher schlug ich vor, mich an die Hotline des Herstellers zu wenden. Das wurde für gut befunden. Ich mailte ein Foto der kaputten Glocke (und einen Scan der Rechnung) an diese Hotline und bekam anstandslos 1 Woche später eine neue zugesandt.

2. Ausfall: Gangschaltung streikt tw.

Bei der 1. Testfahrt ist mir vorne beim Schalten die Kette herausgesprungen. Ein Umschalten vom 3. in den 2. Gang war vorne nicht möglich. Ich musste auf den 1. und dann auf den 2. Gang schalten.

In manchen Gängen schleift die Kette. Hinten ließen sich die höchsten Gänge gar nicht schalten.

Eigentlich brauchte das Rad ein Service, bevor es wirklich einsatzfähig war. Laut Auskunft der Hotline ist diese Einstellarbeit vom Kunden durchzuführen. Also musste ich mich durch die Anleitung kämpfen. Ich tüftelte an der Rändelschraube herum, aber die für das Hinterrad fand ich nicht. Daraufhin schickte mir die Hotline einen Techniker zu mir nachhause!

Dieser erklärte mir, dass die Rändelschraube für das Hinterrad nicht am Lenker (wie die Rändelschraube für die vordere Schaltung) sondern am Hinterrad ist. Blöd gelaufen – das habe ich doch glatt in der Anleitung überlesen. Die Einstellung der Gangschaltung wird dort nämlich ziemlich umständlich erklärt: mit Texten, die mit Copy & Paste dupliziert wurden. Bis auf eine Zahl sind die Absätze für vordere und hintere Schaltung gleich. Mir kommt es wie ein Suchrätsel vor – finde den Unterschied! Ich habe nur die Gleichheiten gesehen, zumal ich nicht erwartet habe, dass eine Rändelschraube am Lenker und die andere wo anders ist. Auch dem Mitarbeiter bei der E-Mail-Hotline ist mein Irrtum nicht aufgefallen ...

Aber das war noch nicht das ganze Problem: Der Techniker stellte fest, dass der Schutzbügel beim Hinterrad verbogen ist. Dieser Bügel schützt die Schaltung, wenn das Rad umfällt. Weil der Bügel verbogen war, hatte die Schaltung keinen Platz für die höheren Gänge. Der Techniker bog den Bügel weg, und alle Gänge waren schaltbar. So schnell konnte ich gar nicht schauen.

Der Techniker wollte 39 € von mir haben. Von sich aus telefonierte er aber mit seinem Chef, der von einer Verrechnung absah. Da ich erst 18 km gefahren bin, wurde es als Transportschaden gewertet. Der Bügel hatte feine Kratzer, die mir beim Kauf des Rads nicht aufgefallen sind. Der Techniker meinte, diese Kratzer können nicht beim Transport passiert sein, weil das Rad in einem Karton verpackt gewesen sei. Diesen Karton habe ich aber nie erhalten ... Meines Erachtens muss das Rad aus einer größeren Höhe (im Karton?) heruntergefallen sein, denn nur durch ein Umfallen verbiegt sich der Bügel nicht so.

In Windeseile war der Techniker wieder weg. Bei meiner nächsten Ausfahrt bemerkte ich, dass das Problem mit der Gangschaltung leider immer noch nicht vollständig gelöst ist: Vorne geht der kleinste Gang nicht hinein. Die Kette schleift zwar, wenn ich die Schaltung auf "1" stelle, aber es tut sich nichts. Zuhause funktioniert es immer, aber unterwegs nach einigen Minuten nicht mehr. Vielleicht hängt es irgendwie mit der Temperatur zusammen? Die Rändelschraube habe ich schon bis zum Anschlag verdreht – ohne Erfolg. (Wahrscheinlich war vom Transportschaden der ganze Umwerfer verdreht, was mir aber nicht auffiel.)

3. Ausfall: Bruch der Verschraubung des hinteren Zahnradkranzes

Nach nur 400 km fing der Zahnradkranz hinten plötzlich zu klappern an. Ich stellte fest, dass er locker ist. Die Kette sprang immer hin und her. In meiner Not wickelte ich ein Stück Plastikfolie um die Achse, damit der Gang drinnen bleibt. Ich fragte in einem Sportgeschäft, wie viel die Reparatur kosten würde. Die Mechaniker brauchten eine Weile, bis sie den anscheinend ungewöhnlichen Fehler analysiert hatten und kamen zu dem Schluss, dass die Verschraubung des Zahnradkranzes gebrochen sei. Man müsste diesen komplett erneuern. Das wollte ich nicht, da ich das Rad erst 4 Wochen hatte und es noch unter Gewährleistung stand. (Deswegen ist es nicht empfehlenswert, ein Rad kurz vor dem Winter zu kaufen!)

Leider war ich gerade 100 km von zuhause entfernt, und ich dachte, dass ich den Heimweg auch mit klapperndem Rad schaffe. Es blieb jedoch nicht dabei. Plötzlich fing der hintere Zahnradkranz an, durchzudrehen. Kein Vortrieb war mehr möglich. Vorbeikommende Radfahrer bemitleideten mich mit meinem Pannenrad. Da hätte ich gleich ein billiges gebrauchtes kaufen können, wenn ich solche Probleme habe, dachte ich. Meine geplante mehrtägige Radtour konnte ich mir abschminken. Den Freunden, die ich besuchen wollte, musste ich absagen. Aber nach ein paar Minuten vergeblichem Treten bekam der Zahnradkranz irgendwie wieder Halt und ich konnte weiterradeln. Ich sollte allerdings nicht stehen bleiben, denn dann verschob sich der Zahnradkranz wieder und ich trat wieder ins Leere. Das passierte ein paar Mal.

Dann schien sich der Zahnradkranz dauerhaft verkeilt zu haben. Das Problem war nun, dass sich die Pedale immer mitdrehten (kein Freilauf mehr). Wenn es bergab ging, musste ich entweder bremsen oder die Füße wegstrecken. Einige Male vergaß ich darauf. Da hat die Kette wild herumgeschlagen.

Rückgabe

Am 22.4.2015, knapp 1 Monat nach dem Kauf, habe ich das Cyco-Trekkingbike in der Hofer-Filiale zurückgegeben. Dazu hätte es gar nicht kaputt sein müssen. Ein Mitarbeiter überprüfte das Rad und Zubehör auf Vollzähligkeit und ich musste ein Formular ausfüllen, wo "gefällt nicht" eine mögliche Option zum Ankreuzen ist. Der Mitarbeiter und ich drehten das Rad um, weil er das Vorhandensein der Hofer-Artikelnummer überprüfen musste. Alles in allem dauerte es vielleicht 10 Minuten (+ Wartezeit, weil gerade viel los war). Dann hatte ich mein Geld zurück.

Bei Hofer ist alles durchdacht und effizient. Das gefällt mir. Das einzige, was Hofer nicht so ganz durchdacht hat, ist, wie man als Kunde bei einer Reklamation direkt zur Kasse kommt. Die Tür, die direkt zu den Kassen führt, lässt sich nur von innen öffnen. Warum eigentlich? Ich musste mich vorbeischwindeln, als Kunden das Geschäft durch diese Tür verließen.

Wahrscheinlich hätte ich das Rad auch gegen ein neues umtauschen können. Ich entschied mich für eine Rückabwicklung des Kaufes, da es mit dem Rad noch ein anderes Problem gibt: Es dürfte zu groß für mich sein. Mit 1,74 m liege ich zwar gut im Durchschnitt, aber anscheinend peilen die Mitteldeutschen Fahrradwerke mit ihrem Cyco-Trekkingbike, das nur in einer Größe erhältlich ist, eine andere Zielgruppe an. Ein Freund von mir, der 1,80 m groß ist, fand das Bike bequem. Ich muss mich zu stark am Lenker abstützen. Für das Radeln von ein paar Kilometern macht das nichts, aber auf längeren Fahrten werden meine Handflächen stark belastet, tun weh und werden manchmal auch gefühllos. Außerdem sitze ich automatisch zu weit vorne am Sattel, sodass auch dieser auf längeren Radtouren (über 100 km) kaum auszuhalten ist. Es sind nur wenige Zentimeter, um die der Lenker zu weit vorne ist, aber die dürften entscheidend sein. Mit freiem Auge ist das kaum zu erkennen, daher rate ich allen, die ein Rad ohne (längere) Probefahrt kaufen wollen, sich zuvor die Maße von einem bequemen Rad zu notieren und beim Kauf ein Maßband mitzunehmen.

Ich hätte eigentlich erwartet, dass ein Fahrrad, das bei Hofer in einer Einheitsgröße angeboten wird, für durchschnittliche Leute wie mich passt. Hofer hätte dazuschreiben können, für welche Körpergrößen das Rad gedacht ist. Anscheinend wäre das Damenmodell für kleinere Menschen vorgesehen gewesen. Dessen Rahmen ist 46 cm hoch; beim Herrenrad beträgt die Rahmenhöhe 52 cm. Ein Damenmodell ist allerdings aufgrund der abgesenkten Rahmenstange weniger stabil und für längere Touren mit schwerem Gepäck und tw. rasanten, kurvigen Abfahrten nicht empfehlenswert. (Die Bezeichnung Damen-/Herrenrad ist übrigens historisch entstanden und besagt längst nicht mehr, dass man als Dame mit dem Damenrad fahren muss und umgekehrt.)

Der Lenker ist nicht höhenverstellbar! Nur der Winkel des Vorbaus ist verstellbar. Auch große Menschen werden damit nicht auf eine bequeme, aufrechte Sitzposition kommen (wie ich es von einem Trekkingbike eigentlich erwarten würde, denn längere Touren schafft man nur in einer bequemen Sitzposition). Das Cyco-Trekkingbike ist daher nur für Leute, die in einer "sportlichen" Haltung fahren. Dabei lastet ein großer Teil des Körpergewichts auf den Händen, ähnlich wie wenn man Liegestütze macht. Mir ist unklar, wie man das aushalten kann.

Zubehör wie etwa ein anderer Vorbau, mit dem man diesen Mangel ausgleichen kann, ist laut E-Mail-Hotline nicht erhältlich. Räder aus dem Supermarkt kann man anscheinend nur so nehmen, wie sie sind.

Die Griffe sind "ergonomisch" geformt, aber in der Praxis nicht passend für mich. Ich hätte sie lieber weicher. Und da meine Hände "zu kurz" sind, komme ich nicht in die Position, wo die Griffe vielleicht tatsächlich ergonomisch sind.

Ein unwesentlicher Mangel, der aber eventuell Rückschlüsse auf den Qualitätsstandard von Mifa erlaubt, liegt an der Felge vor: An einer Stelle fehlt die Lackierung. Außerdem blätterte schon nach 1 Monat die Farbe von der Sattelstütze ab.

Zusammenfassung

Pro

Contra

Mein Fazit

Pech gehabt! Meinen Fall kann man sicher nicht verallgemeinern. Aber wenn ich ein neues Rad kaufe, werde ich beim nächsten Mal wieder ein Sportgeschäft bevorzugen, wo ich das Rad tatsächlich fahrbereit erhalte und bei Problemen einen Ansprechpartner vor Ort habe (der nicht gleich mit der Einhebung einer Gebühr droht). Ich hätte gerne ein Vorurteil widerlegt, aber Räder aus dem Supermarkt sind wirklich eher etwas für Abenteuerlustige.

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