Mario Sedlak
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Determinierte Mengen

Eine Menge von reellen Zahlen heißt determiniert, wenn von 2 „Spielern“, die jeweils abwechselnd eine Stelle einer unendlichen Dezimalzahl nennen dürfen, entweder Spieler 1 erzwingen kann, dass die Zahl zu der Menge gehört oder Spieler 2, dass sie nicht dazugehört.

Beispiele

Gewinnstrategie
  • Menge aller Dezimalzahlen, die mit 1 beginnen
Spieler 1 beginnt mit einer 1.
  • Jede endliche oder abzählbare Menge ist determiniert.
Spieler 2 wählt in seinem n-ten Zug eine Ziffer, die ungleich der Ziffer ist, die das n-te Element der Menge an der Stelle hat. Somit unterscheidet sich die „gespielte“ unendliche Dezimalzahl von jedem Element der Menge an mindestens einer Stelle (Diagonalisierung).

Es handelt sich nicht um tatsächlich ausführbare Spiele, da diese i. A. unendlich lang dauern, d. h. nie fertig werden. Für den Begriff der determinierten Menge wird lediglich die Existenz von Gewinnstrategien benutzt.

Eigenschaften

Determinierte Mengen sind „gutartig“ – nach allen Kriterien, die üblicherweise für die Definition von „gutartigen“ Mengen verwendet werden[1] (messbar, haben die Baire-Eigenschaft, sind höchstens abzählbar oder enthalten eine perfekte Teilmenge).

Wie ist man darauf gekommen?

Wenn nur 3 Ziffern zu spielen sind, lässt sich die Existenz einer Gewinnstrategie für Spieler 1 so formalisieren:

x1x2x3 : x1x2x3A
(Es gibt ein x1, sodass für alle x2 ein x3 existiert, sodass x1x2x3 zur Gewinnmenge A gehört.)

Das logische Gegenteil lautet:

x1x2x3 : x1x2x3A
(Für alle x1 gibt es ein x2, sodass für alle x3 die Zahl x1x2x3 nicht zur Gewinnmenge A gehört.)

Das ist genau eine Gewinnstrategie für Spieler 2. Da immer eine Aussage oder ihr Gegenteil wahr sein muss, sind endliche Spiele der beschriebenen Art also immer determiniert (was oben für 3 Ziffern dargelegt ist, geht analog für n Ziffern).

Für unendliche Spiele dieser Art kann man nicht so argumentieren, da hier der formale Ausdruck unendlich lang wäre, was nicht zulässig ist.[2] Der Begriff der Determiniertheit ergibt sich somit als naheliegende Übertragung einer Eigenschaft im Endlichen auf das Unendliche.

Die Interpretation des formalen Sachverhalts als Gewinnstrategien in einem unendlichen Spiel erleichtert das Verständnis und das Sprechen darüber. Aber da sich die meisten Quellen auf diese Interpretation beschränken, habe ich zunächst nicht verstanden, wie man auf die Idee gekommen ist, in der Mengenlehre unendliche Spiele zu betrachten.

Gleichwertige Varianten

Weiter

Nicht determinierte Mengen

Siehe auch

Quellen

[1] Stanford Encyclopedia of Philosophy, Artikel „Set Theory“, Abschnitt „Determinacy“ – Determinacy = „A regularity property of sets that subsumes all other classical regularity properties“
[2] Yurii Khomskii: Infinite Games (PDF), S. 15 (im PDF S. 17) – „we can no longer apply the quantifier switch ... since we would now have to write an infinite sequence of alternating quantifiers ∃x0y0x1y1 ... which is not a valid logical formula.“
[3] Horst Herrlich: Axiom of Choice (PDF). Berlin: Springer, 2006, S. 151 (im PDF S. 162), Proposition 7.11

Seite erstellt am 29.8.2025 – letzte Änderung am 29.8.2025