Mario Sedlak
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Bienen züchten

31) Wie ist das mit den verschiedenen Bienenrassen?

Marian Aschenbrenner: Bei der Honigbiene selbst gibt's, glaube ich, 7 oder 8 verschiedene Arten, davon aber nur eine einzige europäische: die Apis mellifera, und da gibt's regional angepasste Unterarten. Bei uns ist die Apis mellifera carnica per Gesetz vorgeschrieben. Das ist die einzige Biene, die wir halten dürfen. Irgendjemand hat nach dem Zweiten Weltkrieg entschieden, dass das die österreichische Biene ist – und Punkt. Davor war eine andere Biene da, die hat "Dunkle Biene" geheißen; die wurde halt von den Züchtern und Imker*innen verdrängt. Jetzt ist nur noch die "schön einheitlich graue" Biene Apis mellifera carnica erlaubt. Nur z. B. im Burgenland sind alle möglichen Bienen erlaubt.

32) Warum ist nur eine Bienenrasse erlaubt?

Ich würde einmal behaupten, dass es mit einem Glauben an Naturschutz zu tun hat. Denn es ist ein willkürlich festgelegter Zeitpunkt, wo man gesagt hat: "Das ist die einheimische Biene!" – obwohl sie sich erst im 20. Jahrhundert etabliert hat.

Ich glaube, dass es wichtig ist, dass es verschiedene Bienenarten gibt, und die muss man erhalten. Artenvielfalt ist wichtig.

33) Das würde ja dann eher dafür sprechen, dass man das Monopol abschafft.

Ich bin kein Freund dieses Monopols. Das führt nur zu Streitereien. In Deutschland und den meisten anderen Ländern gibt's das nicht, aber es gibt dort dann eine Erhaltungszucht, wo man schaut, dass es Regionen gibt, wo man die vererbten Eigenschaften erhält – und zwar wissenschaftlich unterstützt und wirklich geprüft auf Daten- und Faktenlage, anstatt irgendwie so zu glauben, nur weil man das als Gesetz erlasst, gibt's dann de facto einen Schutz, weil das ist ein Blödsinn.

Die Carnica ist keine schlechte Biene – ich hab sie ja selber und bin zufrieden damit – aber es ist eine Zuchtbiene und kein "Naturstandard".

34) Befürworter des Monopols sagen: Bienen paaren sich im Flug, und wenn da verschiedene Rassen aufeinander treffen, gibt's Mischlinge.

Ja, genau. Alle Drohnen, egal von welcher Unterart, kommen zur Paarung und geben ihr Erbgut weiter. Grundsätzlich ist es natürlich blöd, wenn alles durchmischt ist, weil man dann nur noch Hybriden hat und biologische Vielfalt verliert.

Es ist wie bei der Zucht von alten Sorten in der Landwirtschaft. Man will ja auch gewisse Paradeiser und verschiedene Maisarten erhalten und nicht nur eine einzige.

35) Kann es bei der reinrassigen Zucht nicht zu Überzüchtungserscheinungen kommen, sodass die Bienen z. B. anfälliger für Krankheiten werden?

Überzüchtung kann stattfinden, aber jeder Züchter und Züchterin, die gute Bienen haben will, wird tunlichst versuchen, das zu vermeiden, denn ein Inzucht-Schaden führt dazu, dass die Bienen schwach sind, und das will ja niemand haben. Bei der Carnica haben wir einen sehr großen Genpool – die gibt's in Deutschland, der Slowakei, Österreich und der Schweiz. Und da gibt's unterschiedliche "Linien".

Es ist eher eine moderne Legende, dass die Bienen überzüchtet sind und deswegen sterben. Es ist eher das Gegenteil der Fall: Die Bienen sind immer fitter und leistungsfähiger.

Natürlich kennt man Fälle von Überzüchtungsschäden in der Tierzucht. Die Honigbiene ist aber eher ein Wildtier, weil sie ja draußen gehalten wird – nicht so wie die Kuh oder das Schwein im Stall. Die muss mit den klimatischen Bedingungen draußen zurechtkommen. Die kriegt nur ein Zuhause, mit dem wir gut arbeiten können. Der Biene ist das egal.

36) Ist es auch eine Legende, dass die Honigbiene auf Sanftmut gezüchtet wurde und dadurch anfälliger für die Varroa-Milbe geworden ist?

Grundsätzlich ist es so, dass Sanftmut und Hygieneverhalten genetisch nicht korrelieren.

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Bienen füttern (Seite 6 von 6)