Mario Sedlak
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Wachs und Bienenkrankheiten

6) Die Waben, die man reingibt, sind noch nicht 100%ig fertig, oder?

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Wachs

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Kerzen

Marian Aschenbrenner: Genau, die müssen die Bienen dann noch „ausziehen“, aber da sparen sie sich enorm viel Arbeit. Es ist nur noch ca. 10% der Arbeit. Sie schroten das Wachs ab und bauen die Waben dann drauf.

Ein Bienenvolk baut 2–2 1/2 kg Wachs im Jahr. 1 kg Wachs kostet sie 10 kg Honig. Sie „schwitzen“ das Wachs aus ihren eigenen Drüsen. Das braucht irrsinnig viel Energie. Deswegen ist Bienenwachs auch eines der wertvollsten Produkte.

7) Sind die Einnahmen aus dem Wachsverkauf für Imker eine relevante Größe (im Vergleich zum Honig)?

Eigentlich nicht wirklich, weil die Bienen nur sehr wenig davon produzieren. Es ist eher wichtig für eine Imkerei wie unsere, dass wir unseren eigenen Wachskreislauf haben und kein Wachs zukaufen müssen, wo wir nicht wissen, wo das herkommt und was da für Stoffe drin sind. Überschüsse geben wir tw. an Hobby-Imker ab, ein bisschen was an die Lebensmittel- oder Kosmetikindustrie. Ganz wenig verwenden wir für Kerzen, denn dafür ist das Bio-Wachs eigentlich viel zu wertvoll.

8) Also Bienenwachskerzen sind keine Alternative, falls Putin das Gas abdreht?

Wenn, dann nur konventionelles Bienenwachs verbrennen – mit etwaigen Giftstoffen darin –, und alle Imker sollen auf Bio-Wachs umsteigen. Viele machen das schon, weil auch die konventionellen Imker lieber rückstandsfreies Wachs haben, das die Bienen nicht krank macht. Dennoch hat erst ein kleiner Prozentsatz der Bienen Bio-Wachs. Da müssten wir sowieso das ganze alte Wachs loswerden.

9) Nennenswerte Energiemengen wird man damit sowieso nicht gewinnen können. Aber immerhin riechen Bienenwachskerzen besser.

Richtig. Ob bio oder nicht bio ist dabei vollkommen egal. Der Geruch hängt davon ab, was die Bienen gerade gefuttert haben, als sie das Wachs produzierten.

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Waben mit Maden

10) Ist schlechtes Wachs eine mögliche Ursache des „Bienensterbens“, von dem immer wieder geredet wird?

Vor 4–5 Jahren sind riesige Mengen von gepanschtem Wachs über China nach Europa gekommen. Da waren Paraffin und andere Wachse aus Erdöl oder irgendwelchen billigen Fetten drinnen. Vor allem in Deutschland sind tausende Bienenvölker elend zugrundegegangen, weil die auf diesem Wachs nicht überleben konnten. Bereits die Brut wurde vergiftet.

Aber ein „Bienensterben“ gibt’s eigentlich bei den Honigbienen gar nicht. Es gab einen Rückgang an Imker*innen, und damit ist auch die Anzahl an Bienenvölkern zurückgegangen. Mittlerweile steigt die Anzahl wieder. Aber bei Wildbienen haben wir wirklich ein Problem. Wir wissen, dass von den über 700 Wildbienenarten, die wir in Österreich haben, einige ganz, ganz stark unter Druck stehen. Also es gibt ein Wildbienensterben.

11) Aber Imker berichten immer wieder, dass häufig ganze Völker sterben, und sie wissen nicht, wieso.

Dieses Colony Collapse Disorder ist vor allem in Amerika ausgebrochen – von dorther kommt das. Das waren vor allem Viren- und Bakterienerkrankungen. In der USA werden 98% aller Bienenvölker immer an einen Ort gekarrt, und dort verbreiten sich Krankheiten dann wunderbar.

Das „Bienensterben“, das wir in Europa haben, ist großteils klimatisch bedingt oder Fehler der Imker*in: Entweder man lässt die Bienen verhungern oder behandelt nicht gut gegen die Varroa-Milbe.

12) Die Pestizide in der Landwirtschaft sind nicht so ein großes Thema, wie oft behauptet wird?

Die Neonicotinoide waren wirklich ein großes Problem. Die hat die EU verboten. Österreich hat für Spezialkulturen wieder Sonderzulassung. Ich bin mit den meisten meiner Völker mitten im Marchfeld. Das ist die Spritzregion schlechthin, aber wenn der Pflanzenschutz bienengerecht gemacht wird, sind die Schäden gering. Ich glaube, dass eher die Monokulturen den Bienen schaden. Es gibt keine Wegränder mehr, wir haben fast alle Windschutzgürtel abgeholzt, sodass die Bienen nichts Blühendes finden, wenn am Acker nichts blüht. Deswegen gehen die Erträge pro Bienenvolk auch seit Jahren zurück. Von den 1990ern bis heute sind die durchschnittlichen Honigerträge in Österreich von 20 auf 17 kg pro Volk und Jahr gefallen. Das kann nicht daran liegen, dass die Imker*innen unfähiger werden, denn die Ausbildung wird immer besser.

13) Kann das nicht auch daran liegen, dass die Völker heute kleiner sind?

Wenn die Völker kleiner sind, haben sie wahrscheinlich Schäden bekommen. Das kann auch an Spritzmitteln liegen. Aber aus meiner Erfahrung liegt es eher daran, dass die Völker nichts mehr finden, z. B. weil es zu trocken ist oder weil nirgendwo mehr was blüht.

14) Was machen Sie gegen die Varroa-Milbe?

Erlaubt sind in Österreich nur 3 Produkte:

Nach meiner Erfahrung und laut Studien ist das bestverträgliche für die Bienen Oxalsäure. Nur wirkt die als einzige nicht hinein in die Brut. Einmal im Jahr schaffen wir daher einen Zustand, wo es keine Brut mehr gibt, z. B. indem wir die Königin in eine Art Tasche sperren. Danach kann man Oxalsäure verdampfen und dadurch sind in kürzester Zeit alle Milben tot, während die Bienen das sehr gut vertragen. Aber es ist halt irre viel Arbeit.

15) Die konventionellen Imker tun sich die Arbeit nicht an?

Als Mitte der 1980er Jahre die Varroa-Milbe gekommen ist, gab’s mal die Chemie-Industrie, die ihre Lösung gehabt hat, z. B. gegen Milben im Hühnerstall und Ähnliches. Diese synthetischen Mittel hat man in die Bienenvölker reingeschmissen und die haben zunächst auch wunderbar die Milben umgebracht, aber irgendwann werden die resistent. Und zum Glück hat die österreichische Imkerschaft das erkannt und ist auf diese organischen Säuren (Ameisensäure, Oxalsäure) umgestiegen. Die meisten Imker*innen verwenden weiterhin Ameisensäure. Das Problem dabei ist, die ist total abhängig von Temperatur und Witterungsverhältnissen. Ab 30 Grad darf man sie nicht mehr verwenden, weil man sonst Schäden an den Bienen hinterlässt, und wir haben im Sommer, wo man behandeln muss, fast nur noch 30 Grad. Das ist mir einfach zu riskant, deswegen machen wir das mit diesem „Brutstopp und Brutentnahme“ (so heißt das).

Sicher schmeißen viele konventionelle Imker auch irgendeine Chemie rein. In den meisten europäischen Ländern ist das Usus, im deutschsprachigen Raum eher nicht.

16) Gibt es außer der Varroa-Milbe noch andere Schädlinge bzw. Krankheiten, die Bienen Probleme machen, z. B. Faulbrut?

Faulbrut ist eher eine Krankheit, die sich Honigbienen gegenseitig anstecken. Wie überall gibt’s auch in Österreich Fälle von Faulbrut, aber wir haben das sehr gut im Griff und ein gutes Meldesystem. Da sterben kaum Bienenvölker daran, vielleicht eine Handvoll von den 450 000, die wir in Österreich haben. Richtige Probleme macht die Varroa-Milbe auch mit Viren, die sie über ihre Beißwerkzeuge überträgt.

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Bienen und Natur (Seite 3 von 6)