Mario Sedlak
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Über meine Artikel

Arbeit mit Bienen

24) Wie viele Völker braucht man, um davon leben zu können?

Marian Aschenbrenner: Das hängt total von den persönlichen Bedürfnissen ab, und auch vom Geschick. Es gibt Imker*innen, die können mit 50 Völkern – weil sie die wirklich extrem gut vermarkten – leben. Andere brauchen 300–400. Die aktuellen Preissteigerungen und gleichzeitig Billighonigimporte aus dem Ausland machen es den heimischen Imker*innen schwerer, kostendeckend zu arbeiten.

Unsere 180 Völker sind eigentlich relativ wenig, aber ich beschäftige 2 Lehrlinge und 2 Halbtagskräfte. Wir machen halt ganz vieles: Wir verkaufen Bienen, wir machen Kurse, wir arbeiten mit Firmen zusammen, um das Thema „Bienen und Wildbienen“ zu kommunizieren.

25) Wie viel Zeitaufwand ist es pro Volk?

Es ist rein abhängig von der Erfahrung. Ich würde sagen: Im ersten Jahr kann man 30 Stunden und mehr pro Volk rechnen, und wenn man ganz erfahren ist, kann man mit 8–10 Stunden pro Bienenvolk im Jahr rechnen. Vollprofis, die sehr extensiv arbeiten, können wahrscheinlich auch mit 5 Stunden zurechtkommen.

26) Und wie oft werden Sie gestochen pro Jahr?

(lacht) Unzählige Male!

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Schutzkleidung

27) Sie haben immer nur diese Kopfbedeckung auf und nicht einen ganzen Schutzanzug, oder?

Ich hab gern Kopfbedeckung, weil ich so wuschelige Haare hab, und da setzen sich die Bienen gern rein und verfangen sich. Und Stiche im Gesicht tun mir einfach weh. Es schwillt auch ein bisschen an. Und das schaut halt echt blöd aus, wenn man einen Workshop hält oder beim Kunden ist und dein Auge zugeschwollen ist. Also im Gesicht trage ich einen Schleier, aber Ganzkörperanzug brauch ich nicht. Ich bin auch schon in Schlapfen und kurzer Hose zu meinen Bienen gegangen. Wenn man leicht allergisch ist, braucht man natürlich die komplette Schutzausrüstung. Das ist überhaupt keine Schande. Wichtig ist, dass man sich wohlfühlt und gut bei den Bienen arbeiten kann. Dann stechen die Bienen weniger, dann leidet das Volk weniger und gleichzeitig hat man mehr Spaß.

Ich verwende den Körperschutz nicht, weil man darunter mehr schwitzt. Handschuhe sind sehr ungünstig, weil man damit leicht Bienen zwickt und verletzt, und dann wird das Volk wütend.

28) Verwenden Sie auch noch diesen Rauch, oder ist der heute nicht mehr üblich?

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Rauchgerät

Der wichtigste Grund, warum wir nach wie vor diesen Rauch verwenden, ist, dass der eine Art Geruchswolke über dem Bienenstand macht und andere Bienenvölker dann nicht riechen, wenn wir ein Bienenvolk bearbeiten. Die würden sonst sofort kommen und das andere Volk berauben, vor allem wenn kaum noch was blüht. Und das ist natürlich gefährlich, denn die können sich gegenseitig umbringen.

Das andere ist, dass der Rauch die Bienen dazu anregt, Honig zu futtern, und dadurch werden sie sehr ruhig. Sie glauben, da könnte ein Waldbrand nahen. Wenn das Feuer wirklich zu nahe kommt, würden sie mit der Königin wegfliegen. Dafür fressen sie sich ein bisschen an. Da kann man dann sehr friedlich bei den Bienen arbeiten. Man muss sie nicht komplett einräuchern, bis alle nach gegrillten Würsten riechen, sondern es genügt ein bisschen Rauchgeruch.

29) Steuern Sie als Imker die Größe des Bienenvolkes?

Im Prinzip können wir nur unterstützen. Das Ziel sind natürlich sehr, sehr große Bienenvölker. Aus Erfahrung sind das die, die am gesündesten sind und die auch am meisten Honig machen können. Wir versuchen, nicht viel zu stören und wenn das Bienenvolk Hunger leiden könnte, stellen wir das Volk um, sodass es wieder was findet, oder geben Futter. Im Winter kann man schauen, dass sie ein bisschen gedämmt sind, sodass sie weniger Wärme selbst erzeugen müssen. Aber im Endeffekt macht das Bienenvolk das selber. Ein gutes Bienenvolk, das gesund ist, wird einfach groß. Ein krankes Bienenvolk bleibt klein. Bei Krankheiten müssen wir wirklich eingreifen, also die Bremse ziehen, bevor es für die Bienen schädlich wird.

Und was wir auch schauen: Brauchen die Bienen mehr Platz für Honig, müssen wir was ernten? Außerdem wollen wir nicht, dass sie schwärmen, weil das macht viel Stress – auch den Menschen –, daher schauen wir Imker*innen, dass die Bienenvölker nicht abhauen.

30) Und wie hindern Sie Bienen am Schwärmen?

Wir machen Kontrollen, ob sie den Schwarmtrieb ansetzen, neue Königinnen ziehen. Vielleicht nimmt man denen auch ein paar Bienen raus und macht mit ihnen ein neues Volk.

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