Mario Sedlak
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Bienen und Natur

17) Welche Qualitätsunterschiede gibt es zwischen billigem Importhonig und „echtem, österreichischem Imkerhonig“?

Marian Aschenbrenner: Also alle positiven Effekte, die man sich von Honig wünscht, z. B. dass er desensibilisiert gegen Allergien, das geht nur bei einheimischem Honig, denn da sind Pollen drin, die hier auch vorhanden sind. Das heißt nicht, dass Honig schlechter ist, wenn er von woanders kommt, er hat halt diese Zusatzwirkung nicht.

Was man sich auf jeden Fall bewusst sein muss: Wenn am Honigglas „EU/Nicht-EU“ steht, muss nur ein kleiner Prozentsatz europäischer Honig drin sein, der Rest kommt von irgendwo. Und ein ganz, ganz großes Problem – dem wir leider nicht selbst als Imkerei Herr werden – ist, dass ganz viel Honig im asiatischen Raum gepanscht wird. Da sind irgendwelche Sirupe drin. Im Labor ist das nicht nachweisbar, weil das so gut zusammengestellter Sirup mit Pollen-Spurenelementen ist. Honig ist, glaube ich, das drittmeistgefälschte Lebensmittel, das wir auf der Welt haben.

Und natürlich muss man sagen: Wenn man ausländischen Honig kauft, unterstützt man nicht die heimische Bestäubung. Ohne Imkerei, nur mit Wildbienen, gäbe es keine flächendeckende Bestäubung.

18) D. h. die Natur braucht Honigbienen?

Nicht nur die Natur, sondern vor allem auch die Landwirtschaft braucht Honigbienen. Wir haben sonst kaum Erträge bei Sonnenblume, Raps, Kürbis, Apfel, Kirsche, Marille.

19) Zahlen nicht die Landwirte selber schon Prämien, wenn bei ihren Kulturen Bienen aufgestellt werden?

In Österreich noch kaum, weil sie’s eh gratis kriegen. Das ist eher dort, wo sehr, sehr intensive Landwirtschaft betrieben wird, z. B. in Südtirol mit den Apfel-Monokulturen. Da müssen Bienen hin, weil das sind zu viele Blüten, die schaffen das in der kurzen Zeit nicht. Oder bei Spezialkulturen, die so unattraktiv sind, dass die Bienen nicht drauffliegen, wie z. B. der Ölkürbis. Da hat der Landwirt natürlich Interesse, weil er hat 30–40% mehr Ertrag, wenn die Bienen da sind.

In flächengrößeren Ländern ist es bereits üblich, dass Imker extra zur Bestäubung mit ihren Bienen anreisen und dafür bezahlt werden.

20) Und inwiefern braucht die Natur die Leistung der Imker und die Honigbienen?

Was wir wissen: Irgendwann wird eine Schwelle überschritten sein, wo es zu viele Honigbienen gibt. Ich glaube, dass wir in den Städten bald dort sind, weil immer mehr Imker*innen vor allem in der Stadt aktiv sind, und dadurch steigt die Bienendichte in der Stadt. Irgendwann wird die Natur sagen: „Es sind zu viele Honigbienen da.“ Aber wir wissen auch, dass mehr Honigbienen allgemein bewirken, dass es mehr Samen gibt, dass es mehr Artenvielfalt gibt, dass es in den Folgejahren mehr Blumen gibt, also sie sind extrem wichtig – nicht nur die Honigbienen, sondern auch die Wildbienen. Und die Honigbienen sind schon ab März mit 20 000 Individuen pro Volk da, während die Wildbienen erst schlüpfen.

21) Aber sind die Honigbienen nicht auch eine Konkurrenz für Wildbienen?

Es gibt Gebiete, wo das nachgewiesen ist, wo hochintensive Imkerei betrieben wird, wo ganz stark hingewandert wird. Wo genau die Schwelle ist, ab der die Konkurrenz ein Problem wird, ist wissenschaftlich noch nicht bewiesen. Da braucht es jedenfalls noch Forschung.

Meiner Meinung nach ist das größere Problem, dass wir Menschen die Natur verändert haben: Versiegelung, kaum noch Brach- und Wildflächen und klimatischer Druck auf die Pflanzen, weil es trockener und heißer wird.

22) Aber wenn die Honigbienen bereits ab März mit 20 000 Individuen pro Volk da sind – was bleibt dann noch übrig für die Wildbienen? Gibt’s bestimmte Blüten, die nur Wildbienen anfliegen?

Honigbienen sind Generalisten. Die können auf ganz vielen verschiedenen Pflanzen Nektar und Pollen holen. Aber wenn Massentrachten blühen, gehen die Honigbienen nur noch auf diese Masse: Akazie, Raps, Sonnenblume, Ahorn. Die Honigbienen sind ganz effizient: Wo am meisten reinkommt, das nehmen sie. Das kommunizieren sie. Dafür haben sie diesen Schwänzeltanz entwickelt.

Und das Entscheidende ist: Wenn etwas in einer großen Menge blüht, dann ist es in der Natur unmöglich, dass das jemand einsammeln kann. Z. B. macht ein einziger ausgewachsener Lindenbaum in einer Saison 300 kg Nektar. Das ist mehr als ein ganzes Bienenvolk in einer Saison sammelt. Aber es gibt auch Randzeiten (im Frühling und vor allem im Herbst), wo nicht so viel blüht, und da können natürlich Konkurrenzsituationen entstehen. Allerdings sind da die Wildbienen von Natur aus kaum aktiv. Die sind evolutionär daran angepasst.

23) Veganer essen keinen Honig. Ist das für Sie nachvollziehbar?

Ich hab volles Verständnis für die persönliche Einstellung. Eine zeitlang hab ich mich selbst vegan ernährt, obwohl ich Bienen hab. Jetzt esse ich vegetarisch. Ich finde, Bienen sind Nutztiere, und es ist eine legitime Entscheidung, zu sagen: „Ich esse kein Produkt, das von einem Nutztier kommt.“ Gleichzeitig muss man sich aber auch bewusst sein, dass es ohne Bienen beim Gemüse und Obst keine Bestäubung gibt. Wenn man keinen Honig nutzt, müsste man den Imker*innen etwas für die Bienenhaltung zahlen.

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Arbeit mit Bienen (Seite 4 von 6)