Mario Sedlak
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Erntereife Tomaten

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Gurken

Geschmack

Aufgrund der kurzen Transportwege können die Früchte aus den Wiener Gärtnereien länger reifen und haben daher i. A. einen besseren Geschmack als Importware von weit her. Der von der Werbung versprochene "ausgeprägte Geschmack" ist jedoch relativ: Alfred Wallner räumte mir gegenüber ein, dass z. B. die eiförmigen Tomaten (Ovalis) erheblich aromatischer als die von ihm angebauten Pro-Planet-Rispentomaten sind. Das liegt an der Sorte. Er könnte natürlich auch Eiertomaten anbauen, aber bei dieser Sorte ist der Ertrag geringer. Das klingt plausibel, denn die Leistungsfähigkeit einer Pflanze ist begrenzt, weshalb sie bei geringerer Qualität mehr Früchte produzieren kann, als wenn sie mehr "Kraft" in jede einzelne Frucht steckt. Fazit: Wer mehr Geschmack haben will, muss (noch) tiefer in die Tasche greifen.

Oder selbst anbauen: Es gibt geschmackvolle Sorten, die nicht transportfähig sind. "Die besten Paradeiser sind unverkäuflich, wenn sie beim Kunden nur als Matsch ankommen", illustrierte Herr Wallner. Im eigenen Garten, auf der Terrasse oder am Balkon spielt das keine Rolle. Sogar ich Gärtner-Dilletant habe auf meinem Balkon einige Tomaten geerntet, die mir zeigten, wie wirklich gute Tomaten schmecken. Die entschädigen für die Mühe, denn es gibt nichts Derartiges in Geschäften zu kaufen.

Preis

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Regionale Pro-Planet-Tomaten bei Billa

Pro-Planet-Rispentomaten kosten bei Billa und Merkur um die 6 Euro/kg. Das ist bis zu doppelt so viel wie die billigste Importware. Andererseits ist es erstaunlich, dass Gärtnereien in einem Hochlohnland überhaupt kostendeckend arbeiten können. Sie bekommen keine laufenden Subventionen wie Landwirte für ihre Felder! Nur für Einmalinvestionen gibt es Zuschüsse, z. B. zur Modernisierung von Gewächshäusern. Vom Supermarktverkaufspreis bekommt der Produzent ca. 40%.

Auch wenn 2,40 Euro/kg bei der Gärtnerei verbleiben, ist es sicher kein leicht verdientes Geld. Alfred Wallner erzählt:

Wenn man wen von der Straße nimmt und ihn in den Betrieb stellt, dann sagt der nach zwei Stunden: Danke, das mache ich für das Geld nicht.

Fazit: Inländische, regionale Ware ist nicht überteuert.

Einfluss der EU

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Heutige Produktionsweise

So wie vor 20–30 Jahren könnten die österreichischen Gewächshausgärtner heute nicht mehr produzieren. Österreich ist 1995 der EU beigetreten. Die heimischen Gemüseproduzenten, die zuvor von Importbeschränkungen profitierten, bekamen plötzlich um ein Drittel weniger für ihre Ware. Sie erkannten, dass sie eine bessere Qualität anbieten müssen, um am Markt weiterhin bestehen zu können. Auch den Ertrag mussten sie steigern. Daher wurden die Glashäuser auf eine moderne, computergesteuerte Produktion in Substratsäcken umgestellt.

Die verbreitete Ansicht, dass Tomaten früher besser waren und heute nach nichts mehr schmecken, wird wohl – zumindest zum Teil – auf diese Optimierungsmaßnahmen zurückzuführen sein: Um wirtschaftlich zu überleben, müssen die Betriebe jene Sorten anbauen, die am meisten Geld bringen. Geschmackvolle Sorten werden nur dann angebaut, wenn der erzielbare Aufpreis den geringeren Ertrag (in Kilogramm) wettmacht. Da der durchschnittliche Konsument meist zum billigsten Produkt greift, ist es plausibel, dass die meisten angebotenen Tomaten von Sorten stammen, die möglichst viele Früchte bilden und folglich relativ fad schmecken.

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schwangere Gurken und Bezeichnung der Mitarbeiter – Was ich von Herrn Wallner noch gelernt habe (Seite 5 von 5)