Varianten des Determiniertheitsaxioms
Original
Axiom | Abk. | Beschreibung | Bemerkung |
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Determiniertheitsaxiom | AD | Alle Teilmengen von ℝ sind determiniert. | Widerspricht Auswahlaxiom. |
Eingeschränkt auf definierbare Mengen
Diese Axiome sind mit dem Auswahlaxiom vermutlich verträglich.
Axiom | Abk. | Beschreibung (vereinfacht) | Bemerkungen | |||||||||
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Axiom der projektiven Determiniertheit | PD | Alle projektiven Teilmengen von ℝ sind determiniert. |
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(Möglicherweise) stärkere Varianten
Axiom | Abk. | Beschreibung (vereinfacht) | Bemerkungen | ||||
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Axiom der reellen Determiniertheit | ADℝ | Alle Spiele, bei denen die „Spieler“ reelle (anstatt, wie unter AD, natürliche) Zahlen spielen, sind determiniert. |
| ||||
„Halb ADℝ“ | AD1/2ℝ | Alle Spiele, bei denen ein „Spieler“ reelle und der andere natürliche Zahlen spielt, sind determiniert. | Solche Spiele ergeben sich in Anwendungen öfter als Spiele, bei denen beide „Spieler“ reelle Zahlen nennen dürfen. | ||||
Ordinal-OrdDet
| Spiele, bei denen die „Spieler“ Ordinalzahlen spielen, sind determiniert, sofern nur Ordinalzahlen bis zu einem festen Maximum, auf das sich die reellen Zahlen noch surjektiv abbilden lassen, zugelassen werden und die Gewinnmenge stetiges Urbild einer Teilmenge von ℝ ist.[8]
| Man kann nicht ohne Einschränkung alle Mengen von Ordinalzahlen zulassen, denn sonst könnte man über ein Spiel, wo eine beliebige Ordinalzahl „nachgebaut“ werden soll, eine Einbettung von ω1 in ℝ gewinnen. Aus Ordinal- | eine Erweiterung von AD, die von W. Hugh Woodin vorgeschlagen wurde
| AD+
| Zusätzlich zu AD wird angenommen:
|
|
Weitere mögliche und unmögliche Verallgemeinerungen
Noch größere „Spielmengen“
Statt dass die „Spieler“ abwechselnd natürliche bzw. reelle Zahlen nennen (AD bzw. ADℝ), könnten wir ihnen auch erlauben, Teilmengen der reellen Zahlen zu wählen (AD𝒫(ℝ)). Es können aber nicht alle solchen Spiele determiniert sein, weil sich über ein geeignet gewähltes derartiges Spiel eine Auswahlfunktion definieren lässt, wodurch dann ℝ wohlgeordnet werden kann und so nicht-
Ebenso gibt es nicht-
Längere Spiele
Statt dass die „Spieler“ eine abzählbare Folge produzieren, können wir auch erlauben, dass ihre Züge eine überabzählbare Menge bilden (die wohlgeordnet sein muss, damit die „Spieler“ abwechselnd einen Zug machen können – transfinite Induktion). Jedoch kann man zeigen, dass bereits Spiele der Länge ω1 nicht alle determiniert sein können. Andererseits gibt es bestimmte Typen von Spielen der Länge ω1, deren Determiniertheit man annehmen darf (bzw. muss, wenn man die Existenz bestimmter großer Kardinalzahlen annimmt).[16]
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Quellen
[1] | Stanford Encyclopedia of Philosophy, Artikel „Set Theory“, Abschnitt „Descriptive Set Theory“ – „PD settles essentially all questions about the projective sets.“ |
[2] | Penelope Maddy: Believing the Axioms, part II (PDF), The Journal of Symbolic Logic, 1988, S. 737 (im PDF S. 3) – „Solovay uses the term ,quasiprojective‘ for the sets of reals in L[R]“. |
[3] | Stanford Encyclopedia of Philosophy, Artikel „Large Cardinals and Determinacy“, Abschnitt „Generic Absoluteness“ – „ADL(ℝ) appears to be ,effectively complete‘ with regard to questions concerning L(ℝ).“ |
[4] | Penelope Maddy: Believing the Axioms, part II (PDF), The Journal of Symbolic Logic, 1988, S. 737 (im PDF S. 3) – „QPD is the better axiom candidate because the projective hierarchy is only the second of a series of hierarchies“. |
[5] | Patrick Lutz: Results on Martin’s Conjecture (PDF), Dissertation, 2021, S. 13 (im PDF S. 22), Fußnote 4 – „TD implies CCℝ“. |
[6] | Patrick Lutz: Results on Martin’s Conjecture (PDF), Dissertation, 2021, S. 13 (im PDF S. 22) – „Woodin and Martin have shown that ZF+AD+DCℝ+Uniformizationℝ is equivalent to a certain strengthening of AD, known as ADℝ (as in logically equivalent, not just equiconsistent)“. |
[7] | Patrick Lutz: Results on Martin’s Conjecture (PDF), Dissertation, 2021, S. 14 (im PDF S. 23) – „ADℝ cannot hold in L(R)“. |
[8] | William Chan, Stephan Jackson und Nam Trang: The Size of the Class of Countable Sequences of Ordinals (PDF), S. 2 – „Ordinal Determinacy ... is the statements that for every λ < Θ, X ⊆ ℝ, and continuous function π : ωλ → ℝ, the two player game on λ with payoff set π−1(X) is determined.“ |
[9] | Andrés Eduardo Caicedo und Richard Ketchersid: A trichotomy theorem in natural models of AD+ (PDF), S. 239 (im PDF S. 13) |
[10] | Paul B. Larson: An Introduction to AD+ (PDF), S. 9 – „the implication AD ⇒ AD+ is known to hold in L(ℝ)“. |
[11] | Patrick Lutz: Results on Martin’s Conjecture (PDF), Dissertation, 2021, S. 14 (im PDF S. 23) „sufficiently large cardinals imply that AD+ does hold in L(ℝ).“ |
[12] | Andrés E. Caicedo auf StackExchange – „The first wave of results under determinacy focused on its consequences for the model L(ℝ). ... [Later:] Many results began to appear not confined to L(ℝ) but instead under the assumption of ADℝ ... This version fails in L(ℝ) ... Trying to reconcile these two lines of argument, it became apparent that in many cases rather than ADℝ, what was really being used was ... AD+.“ |
[13] | Stanford Encyclopedia of Philosophy, Artikel „Large Cardinals and Determinacy“, Abschnitt „Beyond L(ℝ)“ – „Here AD+ is a (potential) strengthening of AD designed for models of the form L(𝒫(ℝ))“. |
[14] | Joel David Hamkins auf StackExchange – „in ZF we can prove that AD𝒫(ℝ) fails.“ (Beweis siehe dort) |
[15] | Paul B. Larson: An Introduction to AD+ (PDF), S. 9 – „ZF implies the existence of a nondetermined game on ω1ω (i.e., ADω1 is false ... [However,] Woodin has shown that in fact determinacy can hold for all definable games on ω1.“ |
[16] | Sandra Müller: Determinacy Axioms and Large Cardinals (PDF), S. 5 – „it was already shown by Mycielski in 1964 that determinacy for all games of length ω1 is inconsistent with Zermelo- |