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Die kosmische Hintergrundstrahlung im Radio oder Fernseher?
Von allen leeren Stellen am Himmel treffen schwache Radiowellen bei uns ein. Das ist die kosmische Hintergrundstrahlung.
Der bekannte Wissenschaftsvermittler Werner Gruber erklärt:
Wie das Universum entstanden ist, ... haben sich Atome gebildet, und die Lichtteilchen blieben übrig. Das war nach 380 000 Jahren, und diese Lichtteilchen, meine Damen und Herren, können Sie heute noch wahrnehmen: Schalten Sie Ihr Radio ein, stellen [Sie] den Radiosender zwischen 2 Sendern ein ... was werden Sie hören? Ein Rauschen! Und von diesem Rauschen: 10% stammt noch vom Urknall.[1]
Irrtum!
Ähnliche Behauptungen liest man von zahlreichen seriösen Quellen, allerdings mit der Größenordnung 1% statt 10%.[2] Eine Begründung für die 1% habe ich nicht gefunden, aber offenbar ergeben sich die 1% aus den Temperaturen:
Jeder Körper sendet Wärmestrahlung aus, und Radiowellen sind Bestandteil davon. Eine Radio- oder Fernsehantenne empfängt diese Radiowellen. Die kosmische Hintergrundstrahlung erhöht die empfangene Leistung um 1%. Das heißt aber nicht, dass das Rauschen deswegen um 1% lauter ist.

Ca. um das Jahr 1990 wurde in einer Fernsehdoku über die Entstehung des Universums behauptet, dass jeder 200. Punkt so eines „Schneebilds“ von der kosmischen Hintergrundstrahlung stammt.
- Analoge UKW-
Radiosender codieren die Lautstärke mit Frequenzabweichungen (Frequenzmodulation). Es kommt also nur darauf an, welche Frequenzen empfangen werden. Wenn alle Frequenzen um 1% (oder um irgendeinen anderen Faktor) stärker sind, ändert sich die wiedergegebene Lautstärke nicht. - Auf Lang-, Mittel- und Kurzwelle wird die Lautstärke mit der Signalstärke codiert (Amplitudenmodulation), doch auch das heißt nicht, dass das Rauschen lauter wird, wenn „mehr“ Radiowellen empfangen werden – denn um zu vermeiden, dass nahe, starke Sender im Radio lauter als entfernte oder schwache klingen, gibt es im Radio eine automatische Verstärkungsregelung, und deswegen würden 1% „mehr“ Radiowellen das Rauschen nicht lauter machen.
- Ähnlich wäre es bei alten, analogen Fernsehern (siehe Foto). Die sich bewegenden Punkte, wenn kein Signal empfangen wird, sind weiß, grau oder schwarz. Der „Schnee“ wird nicht grau, wenn wenig empfangen wird, und nicht „weißer“ und „schwärzer“, wenn eine größere Leistung empfangen wird. Auch die Anzahl der Punkte oder deren Zufallsmuster ändert sich durch „mehr“ oder „weniger“ (zufällige) Radiowellen nicht.
Mein Fazit
Die kosmische Hintergrundstrahlung ist nicht wirklich mit einem Radio oder alten Fernseher wahrnehmbar. Es handelt sich um einen populären Mythos.
Noch zur Klarstellung
Ausgeschlossen ist der Empfang kosmischer Hintergrundstrahlung jedenfalls:
- bei digitaler Übertragung – Da gibt’s sowieso kein Rauschen.
- auf Lang- und Mittelwelle – Unter ca. 10 MHz kommen keine Radiowellen vom Weltall durch die Erdatmosphäre.
- bei abgesteckter Antenne – Das Rauschen bleibt. (Die Temperatur bewirkt ein Rauschen direkt in der Elektronik. Die Umgebungs-
Wärmestrahlung muss daher nicht über eine Antenne empfangen werden.)
Wenn kosmische Hintergrundstrahlung empfangen werden kann, dann ist ihr Anteil kleiner als 1%, wenn es irdische Störquellen gibt. In Städten sind menschengemachte Störquellen im Frequenzbereich 10–
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Quellen
| [1] | Lebenselixier Licht. Wie Farben unseren Körper steuern, Fernsehdokumentation, 2017, produziert für den ORF, ab 43:00 |
| [2] | z. B.
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| [3] |
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| [4] | International Telecommunication Union: Recommendation ITU-R P.372– |
