Mario Sedlak
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Über meine Artikel

Geoengineering

Wie und warum die "Pseudo-Kondensstreifen" langlebig werden, wissen die Anhänger der Chemtrail-Theorie selbst nicht. Vielfach vermuten sie, dass die Chemtrails eine geheime Notmaßnahme gegen den Klimawandel sind. Tatsächlich gibt es Ideen, gewisse Stoffe von gewöhnlichen Verkehrsflugzeugen versprühen zu lassen – allerdings um Wolken aufzulösen, denn hohe, dünne Wolken reflektieren weniger Sonnenlicht als Wärmestrahlung von der Erdoberfläche.[1] Aus dem gleichen Grund wäre es kontraproduktiv, Kondensstreifen extra langlebig zu machen. Stattdessen gibt es Überlegungen, die Bildung von Kondensstreifen zu verhindern, z. B. durch Hinzufügen vieler kleiner Partikel. Auf jedem gefriert etwas Wasserdampf, sodass mehr Eiskristalle entstehen, die aber im Idealfall mikroskopisch klein bleiben.

Häufig heißt es, die Chemtrails enthalten Aluminium und Barium. Diese Stoffe würden entsprechend dem 1991 erteilten "Welsbach-Patent" die Erde kühlen, indem sie Wärmestrahlung aufnehmen und in energiereichere Strahlung umwandeln, die ungehindert in den Weltraum entweichen kann, sodass der Treibhauseffekt umgangen wird. Klingt schön, aber der Atmosphärenphysiker Thomas Karl von der Universität Innsbruck stellt klar:

So wie das im Patent erklärt wird, macht es physikalisch keinen Sinn.

In Wirklichkeit würden die im Patent vorgeschlagenen Materialien selbst als Treibhausgas wirken.

Große Verschwörung

Alle staatlichen Stellen bestätigen, dass weder Chemtrails versprüht werden noch geheime Geoengineering-Projekte laufen. Lange würden die wohl auch nicht geheim bleiben: "Wenn es wirksame Maßnahmen sind, würde das mit großer Wahrscheinlichkeit sehr schnell entdeckt werden", sagt Thomas Wostal, Pressesprecher der ZAMG. Alle Klimamanipulationen hätten ernste Nebenwirkungen, z. B. Verschiebung von Regen- und Trockengebieten.

Es gibt keine glaubwürdigen Zeugen der Verschwörung, obwohl zigtausende Menschen daran beteiligt sein müssten. Es gibt auch keine glaubwürdigen Beweisfotos. Niemand hat bis jetzt direkt aus "Chemtrails" Proben genommen und untersucht. Aluminium- und Bariumverbindungen kommen im Boden, Staub und Regenwasser natürlicherweise vor. Erhöhte Werte finden sich eher punktuell bei Industrieanlagen.

Wettermanipulation

Kein Hirngespinst sind Flugzeuge, die Gewitterwolken mit Silberjodid "impfen", damit mehr, aber kleinere Hagelkörner entstehen. In Österreich sind diese Hagelflieger vor allem in Niederösterreich, Steiermark und Kärnten unterwegs, informiert Hagelexperte Otto Svabik von der ZAMG, der nach über 20 Jahren Forschung den Erfolg dieser Maßnahmen bestätigt.

Die ausgebrachten Mengen an Silberjodid sind im Vergleich zu anderen Quellen von Luftverschmutzung gering. Natürlich müssen wir dennoch immer wachsam sein. Auf die Theorie von den Chemtrails können wir aber dankend verzichten.

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Physikalische Hindernisse bei der Umsetzung der im "Welsbach-Patent" beschriebenen Idee

Weblinks

Umfangreicherer Artikel von mir zu dem Thema:

Quellen

[1] Kiel Earth Institute: Gezielte Eingriffe in das Klima? Eine Bestandsaufnahme der Debatte zu Climate Engineering (PDF, 5 MB), Studie im Auftrag des deutschen Bundesministeriums für Bildung und Forschung, 2011, S. 46f. (im PDF S. 60f.)