Mario Sedlak
Umweltschutz
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Psychologie

Meinem Eindruck nach werden die Kosten des Autofahrens gerne verdrängt. "Ich denk da nicht viel nach... Wenn ich Sprit brauch, fahr ich halt tanken", erklärte mir ein Freund. Ich beobachte auch immer wieder, dass Autofahrer eine innige Beziehung zu ihrem Fahrzeug haben, vergleichbar vielleicht mit der Beziehung zu einem Haustier – bei dem rechnet man sich auch nicht genau aus, was es an Kosten verursacht. Wenn man es liebt, dann bekommt es einfach alles, was es braucht.

Ich frage mich, wie sich die Autofahrer wohl verhalten würden, wenn man während der Autofahrt jeden Kilometer 42 Cent (das derzeitige Kilometergeld) einwerfen müsste, um weiterfahren zu können. Ich bin überzeugt, das hätte eine starke psychologische Wirkung. Wenn das stimmt, wäre das ein weiteres Zeichen dafür, dass Autofahrer über die Kosten nicht sachlich urteilen.

Mir kommt vor, dass es einen derartigen psychologischen Effekt beim Kauf einer Fahrkarte für ein öffentliches Verkehrsmittel gibt: Der Preis ist i. A. nachweislich geringer[1] als die variablen Kosten einer Autofahrt, wird aber dennoch als sehr teuer empfunden. Ich vermute, das liegt daran, dass man so eindeutig sieht, dass man Geld hergibt, während beim Auto der Zusammenhang zwischen Fahren und den Ausgaben für neue Reifen, Wartung usw. weniger offensichtlich ist. Und der Wertverlust des Autos durch die Autofahrt wird von den meisten Menschen wahrscheinlich überhaupt nur für eine mathematische Spielerei gehalten, die in der Praxis bedeutungslos ist, weil ja scheinbar kein Verlust eingetreten ist.

Nur beim Tanken sind die Autofahrer sehr preisbewusst. Hier tut ihnen das Geldausgeben wirklich weh und sie achten auf jeden Cent. Der ÖAMTC weist darauf hin, dass man viel mehr sparen könnte, wenn man nicht erst beim Tanken an die Spritkosten denkt, sondern bereits beim Kauf des Autos.

Gespalten sind die Meinungen darüber, ob die Autofahrer auf's Auto verzichten, wenn der Benzin- und Dieselpreis steigt. Für mich ist klar, dass bei höherem Preis die Nachfrage zurückgeht. Es fragt sich nur, wie viel. Ich glaube, der Rückgang ist durchaus nennenswert. Ich kenne zwei Menschen, die behaupten, wegen der hohen Spritpreise weniger als früher mit dem Auto zu fahren. Natürlich gibt's auch welche, die fahren um nahezu jeden Preis und verzichten lieber auf alles andere als auf's Autofahren.

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Kostenwahrheit im Autoverkehr

Quellen

[1] Auto-Touring. Das ÖAMTC-Magazin, 7–8/2008, S. 33