ÖBB-Tarifdschungel
Es gibt meines Erachtens zu viele Tarife bei den ÖBB. Ich habe tagelang die verschiedenen Preise und die Bedingungen, unter denen sie gelten, studiert. Der Rechnungshof zählte 241 verschiedene ÖBB-
Keine Bestpreisgarantie
- Manchmal gibt es unterschiedliche Fahrpreise am Automaten, am Schalter und via Handy. Kompliziert wird es durch die Verkehrsverbünde mit ihren eigenen Tarifen. Die Automaten bieten im Zweifelsfall oft das teurere Ticket (die gleiche Strecke bis zu 100% teurer). Online gilt der Preiszwang des Verbunds anscheinend nicht, daher sind die günstigsten Tickets manchmal nur im Internet zu finden.
- Wenn das Verbundticket billiger ist, wird das im ÖBB-
Online- ebenfalls nicht angezeigt.Shop - Die Wahl des Abfahrtsorts in Wien bringt erstaunlich viele Variationen zutage, berichtet Der Standard: Von Wien-
Süßenbrunn bis zur Grenzstation Breclav kostet die Fahrt 12 €, ab Westbahnhof 22,40 € und ab Meidling 20,60 €. - Seit Ende 2014 betrachten die ÖBB alle großen Landeshauptstädte bei den meisten Tickets als einen einzigen "Stadtverkehrsbahnhof". Egal, wohin genau man in der Stadt fährt – der Preis ist derselbe. Seitdem ist das Stückeln von ÖBB-
Fahrkarten vorteilhaft ! Z. B. ist ein Ticket von Wiener Neustadt über Wien nach Bratislava teurer als ein Ticket von Wiener Neustadt nach Wien plus eines von Wien nach Bratislava. - Anfang 2016 hatten die ÖBB auf ihrer Website gleichzeitig zwei verschiedene Möglichkeiten, Tickets online zu kaufen, mit unterschiedlichen Preisen.[1]
- Am Bahnhof wird "der verkehrsübliche Weg" zur Fahrpreisberechnung verwendet; am Handy kann man einen anderen angeben, wodurch es billiger und teurer werden kann.[2]
- "Klassische" Vorteilscards werden automatisch in eine "Vorteilscard Senior" umgewandelt, wenn der Nutzer 63 Jahre alt wird, obwohl dadurch ein einzelnes Ticket massiv teurer werden kann.
Noch komplizierter wird es durch die Kombinationsmöglichkeiten von Verbund- und ÖBB-
- Wer von Graz nach Wien mit zwei Verbundkarten (die günstiger als eine ÖBB-
Karte sind) reisen will, müsste am Semmering aussteigen und mit dem nächsten Zug weiterfahren. - Bei der Fahrt von Wien nach Bratislava kann eine Stückelung in ein Verbund-
Ticket bis Siebenbrunn- Leopoldsdorf und von dort nach Bratislava um einige Euro günstiger als ein direktes Ticket sein, schreibt ein Benutzer. Ähnliches berichtet der Verein für Konsumenteninformation über die Strecke Salzburg – Wien. - Von St. Valentin nach Linz kann man sowohl im niederösterreichischen als auch im oberösterreichischen Verkehrsverbund fahren. Die Preise unterscheiden sich. Am Automaten wird standardmäßig (mit versteckter Umschaltmöglichkeit!) der teurere Tarif verrechnet, am Schalter manchmal der günstigere.
- Hin- und Rückfahrt kann wegen der Verbundtarife unterschiedlich viel kosten.
- Ein Vorteilsticket (normalerweise 45–
50% ermäßigt) kann teurer als ein normales Ticket des regionalen Verkehrsverbunds sein! - 2015 konnte man verschiedene Tickets von Wien zum Flughafen Schwechat kaufen. Auf einer schnelleren Strecke kostete es mehr, aber für welche Strecke das Ticket gilt, war für Laien nicht eindeutig zu erkennen.
- 2016 hat der Verkehrsverbund Ostregion einen Seniorentarif eingeführt. Dadurch erhöhte sich der Ticketpreis für Nutzer der ÖBB Vorteilscard Senior.
Preisrätsel und Paradoxien
- Seit 2014 wird kein Kilometerpreis mehr veröffentlicht.
- Bei Auslandstickets können die Preise Glückssache sein.
- Wegen Sonderpreisangeboten im grenzüberschreitenden Verkehr kann auf der gleichen Bahnstrecke eine kürzere Fahrt teurer als die Fahrt bis ins Ausland sein (z. B. Wien – Retz versus Wien – Znaim oder Wien – Marchegg versus Wien – Bratislava mit Euregio). Lt. Rechnungshof beträgt die Differenz 30–
60%, im Extremfall sogar ein Dreifaches.[3] - Paradox ist auch, dass auf längeren Strecken ein Einfach-
Raus- für zwei Personen günstiger als ein Ticket für eine Person ist (und die eine Person darf kein Einfach-Ticket Raus- Ticket für sich alleine kaufen). Bis 2015 durfte beim Einfach- Raus- Ticket kein Gruppenmitglied früher aussteigen und die genaue Anzahl der Reisenden musste vor dem Kauf des Tickets festgelegt werden. Alles doch nicht so einfach ... Seit 2016 wird beim Kauf die maximale Gruppengröße festgelegt. Diese muss nicht mehr während der ganzen Fahrt konstant bleiben, aber immer noch mindestens zwei ("weil es sonst keine Gruppe mehr ist"). - Es gab auch schon eine "geheime" Gratis-
Gutschein- .Aktion - Man kann ein 1.-
Klasse- Ticket kaufen, obwohl auf der gewählten Strecke schon seit 2 Jahren kein Zug mit 1.- Klasse- mehr fährt.Abteil
Kritik
Neben Rechnungshof und Konsumentenschützern kritisiert auch die Schienen-
Weiter
Weblinks
- Bahnfüchse – Ein Spezialreisebüro, das "ungefragt den besten Preis aus dem 'Tarifdschungel' herausholt", auch in Österreich
Quellen
[1] | ÖBB, Kommentar auf Facebook, 11.1.2016 – "der Beta-[2]
| Tickets & Buchung – Beta ÖBB Blog (nicht mehr aufrufbar), Stand 2015 – "Zwischen den Vertriebskanälen kann es in Einzelfällen zu geringfügigen Preisunterschieden kommen. Das ergibt sich daraus, dass am Ticketschalter bzw. am Fahrkartenautomat der verkehrsübliche Weg zur Preisberechnung herangezogen wird. Das ist der Weg, den die Kunden am wahrscheinlichsten fahren. Die ÖBB App berechnet – wie auch schon bisher – jene Strecke, die die Kunden bei ihrer Buchung angeben."
| [3]
| Rechnungshof: Reihe Bund 2010/3 (PDF, 3 MB), S. 152 (im PDF S. 156)
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