Interpretation der Quantentheorie
Ich interpretiere die Quantentheorie so, dass die Vorstellung von eigenständigen Teilchen nur näherungsweise gilt. "In Wahrheit" handelt es sich um Wellen. Das genügt mir als grobe Vorstellung.
Physik
Physiker wünschen sich eine anschauliche Interpretation der Quantentheorie, weil sie sich davon tiefer gehende physikalische Einsichten erhoffen. Diese Hoffnung hat sich bis jetzt aber nicht erfüllt.
Ist der Mond nur da, wenn jemand hinsieht? Offensichtlich nicht. Auch in der Quantentheorie nehmen die meisten Physiker nicht an, dass "die bewusste Wahrnehmung" eine Rolle spielt,[1] denn allein die Möglichkeit einer Beobachtung reicht schon aus, um die Welle-
Weniger klar ist die Interpretation der Messung in der Quantentheorie.
Philosophie
Philosophen sehen physikalische Theorien nicht einfach nur als Modellvorstellung, sondern glauben, dass die Wirklichkeit genau so wie das Modell aufgebaut sein muss. Aus Sicht der Wissenschaft kommen sie daher zu überzogenen und meist unüberprüfbaren Schlussfolgerungen:
- Mit der Quantentheorie habe sich "die Materie aufgelöst", daher könne die Welt der Materie nicht die einzige sein.[2] (Damit soll die Existenz von "etwas Geistigem" oder einer 2., "metaphysischen" Wirklichkeit plausibel gemacht werden.)
- Die Quantentheorie zeige, dass das Ergebnis eines Experiments auch vom Bewusstsein des Beobachters abhängt, und wenn unser Geist einzelne Teilchen beeinflussen kann, dann übt er vielleicht auf das gesamte Universum einen Einfluss aus. "Unsere Realitätssicht befindet sich in der ersten, schmerzlichen Phase einer radikalen Veränderung."[3]
- Von einer Realität unabhängig vom Beobachter könne aufgrund der Quantentheorie nicht mehr gesprochen werden.[4]
- Die Unbestimmtheit der Quantentheorie ermögliche die Willensfreiheit des Menschen.[5]
- Geisteswissenschaftler dürfen sich bestätigt sehen, weil die Grundlage der Quantentheorie etwas Geistiges ("Quanteninformation") ist; philosophierende Psychotherapeuten sehen als Grundlage der Quantentheorie den Begriff der "Beziehung" und sehen sich dadurch ebenfalls bestätigt.
Für Gegenargumente siehe Irrtümer über die Quantentheorie
Parapsychologie
Für manche Parapsychologen sind die Konzepte der Quantentheorie "bereits mehr geistig als materiell".[6] Viele glauben, dass die Quantentheorie nur wenig geändert werden müsste, um auch parapsychologische Phänomene erklären zu können:[7]
- Vielleicht kann unser Geist bestimmen, welche der quantentheoretischen Möglichkeiten wahr wird.[8]
- Außersinnliche Wahrnehmung ist möglicherweise "ein Zusammenhang zwischen Ereignissen, ohne dass dabei eine Informationsübertragung beteiligt wäre"[9] – ähnlich wie Teilchen im Doppelspalt-
Experiment ein Wellenmuster bilden. - Psychokinese könnte durch eine Art verschränkte Quantenzustände erklärt werden.[10]
- Die jetzige Quantentheorie würde nur noch im Grenzfall für unbelebte Objekte exakt gelten.[11]
Meines Erachtens interpretieren diese Parapsychologen oberflächliche Ähnlichkeiten. Es bleibt unklar, wo genau die Quantentheorie verändert werden müsste und wie der weite Bereich der Psi-
Okkultismus und Esoterik
In diversen Irrlehren wird die Quantentheorie "ganzheitlich" und mystisch interpretiert. Und weil die Quantentheorie so etwas Sonderbares sei, dürfe man auch andere sonderbare Vorstellungen glauben.[12]
Weiter
Weblinks
- Wikipedia: Interpretationen der Quantenmechanik
Quellen
[1] | Shan Yu, Danko Nikolić: Quantum mechanics needs no consciousness (and the other way around) (PDF), S. 2 – "the hypothesis that consciousness causes (or is necessary for) the collapse of the wave function ... [is] not preferred by most physicists". |
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[3] | Michael Talbot: Mystik und neue Physik. Die Entwicklung des kosmischen Bewußtseins. München: Heyne, 1989 (amerik. Original 1980), S. 12f. |
[4] | Herbert Pietschmann: Die Wahrheit liegt nicht in der Mitte. Von der Öffnung des naturwissenschaftlichen Denkens. Stuttgart: Ed. Weitbrecht, 1990, S. 38 |
[5] | Richard P. Feynman u. a.: Vorlesungen über Physik. Band 1: Hauptsächlich Mechanik, Strahlung, Wärme. München: Oldenburg, 1987 (amerik. Original 1963), S. 539f. |
[6] | Douglas M. Stokes: The Nature of Mind. Parapsychology and the Role of Consciousness in the Physical World. Jefferson: McFarland, 1997, S. 140 |
[7] | John Beloff: Parapsychology. A Concise History. London: Athlone, 1993, S. 67 |
[8] | Douglas M. Stokes: The Nature of Mind. Parapsychology and the Role of Consciousness in the Physical World. Jefferson: McFarland, 1997, S. 2 |
[9] | Walter von Lucadou: Psyche und Chaos. Theorien der Parapsychologie. Frankfurt am Main: Insel, 1. Aufl. 1995, S. 231 |
[10] | Walter von Lucadou: Psyche und Chaos. Theorien der Parapsychologie. Frankfurt am Main: Insel, 1. Aufl. 1995, S. 133 |
[11] | Dean I. Radin: The Conscious Universe. The Scientific Truth of Psychic Phenomena. HarperEdge, 1997, S. 287 |
[12] | Lawrence LeShan: Von Newton zu PSI. Neue Dimensionen im Umgang mit der Wirklichkeit. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2. Aufl. 1986 (Aus dem Engl.), S. 150 |