Mario Sedlak
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Beispiele für die Denkweisen von Philosophen

Ich habe einige Zitate ausgewählt, die meines Erachtens die Denkweisen von Philosophen treffend wiedergeben.

Die Aufgabe, die die europäische Philosophie von allem Anfang an und nicht erst seit Descartes übernommen hat, war diese: scheinbare Gewissheiten zu zerstören, um "echte" zu erlangen; an allem zu zweifeln, um sich selbst vom Zweifel zu befreien. In der Regel erwiesen sich die Ergebnisse solcher Destruktion als wirksamer und überzeugender als die positiven Programme; Philosophen sind immer stärker im Zerschlagen alter denn im Errichten neuer Gewissheiten gewesen.[1]

Und doch ist es unwahrscheinlich, dass die Suche nach Gewissheit je aufgegeben wird. Diese Suche hat wenig zu tun mit dem Fortschritt von Wissenschaft und Technologie. Ihr Hintergrund ist eher religiöser [!] als intellektueller Natur; sie ist, wie Husserl zutiefst wusste, eine Suche nach Sinn. [!] Sie ist ein Verlangen, in einer Welt zu leben, ... wo allem ein Sinn (und d. h. ein Zweck) gegeben ist. Wissenschaft ist außerstande, uns mit dieser Art von Gewissheit zu versehen[2]

wenn in der Philosophie in den letzten 2500 Jahren etwas tatsächlich Relevantes unzweifelhaft festgestellt worden wäre, würde es an jeder Straßenecke ausgeschrieen, die Kinder lernten's noch im Kindergarten und wir sprächen gar nicht mehr darüber. Die Geschichte der Philosophie lehrt nur eines: Was man nämlich zur Beantwortung der großen Fragen ("Was kann ich wissen?", "Was soll ich tun?", "Was darf ich hoffen?", "Was ist der Mensch?" und als Ergänzung zum Kantschen Kanon letzlich "Was ist das Schöne?") nicht mehr sagen oder versuchen muss, weil es bereits gesagt oder versucht wurde.[3]

Beispiele für das Philosophieren über die grundlegenden Eigenschaften der Wirklichkeit:

Für Platon war das Allgemeine das eigentliche, wirkliche Sein, während das Besondere nur durch Teilhabe am Allgemeinen wirklich ist. Nach Aristoteles besitzt das Allgemeine keine eigene Wirklichkeit, sondern es wohnt den Einzelgegenständen als deren Form inne. Das Besondere kann nur dadurch bestehen, dass das Allgemeine sich in ihm verwirklicht.[4]
Wir können noch so viele "Punkte" in ein Gefäß werfen, es wird sich niemals füllen, denn die "Punkte" haben immer alle noch am Boden Platz, sie haben ja keine Ausdehnung.[5]
Seit der Formulierung der Quantentheorie wissen die Physiker, dass auch in der realen Welt absolute Erkenntnis der letzten Dinge nicht möglich ist. Die Mehrzahl der Physiker bejaht deshalb heute die Möglichkeit einer metaphysischen Wirklichkeit, die über die physikalische Wirklichkeit hinausgeht, deren Wesen wir aber nicht zu erkennen vermögen.[6]

Wozu dann darüber spekulieren, wenn wir diese "andere Wirklichkeit" nicht erkennen können?

Über Transzendenz [= die "andere Wirklichkeit"] lässt sich nur in Gleichnissen und Bildern sprechen. Dass wir hinter diesen Bildern die Wahrheit erkennen können, liegt daran, dass wir alle im gleichen Strom des Bewusstseins fließen.[7]

Das erinnert mich an Esoterik.

Fixiertsein auf das Rationale engt die Erlebnisfähigkeit zweifellos stark ein.[8]

Hier steige ich aus:

In einer streng erfahrungswissenschaftlichen Sicht ..., ist der Mensch ursprünglich nur ein beliebiger von zahllosen Versuchen des kosmischen Stoffes, sich in sich selbst einzurollen. Weil aber dieser Versuch jener ist, der gelungen ist, breitet sich wirklich im Ausgang von ihm eine weitere beseelte Hülle ... nach und nach über den Globus oberhalb der Biosphäre aus.[9]

Ich weiß nicht, was der Philosoph hier meinen könnte.

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Unterschiede in den Denkweisen von Philosophen und Wissenschaftlern

Quellen

[1] Leszek Kolakowski: Die Suche nach der verlorenen Gewißheit. Denk-Wege mit Edmund Husserl. Stuttgart: Kohlhammer, 1. Aufl. 1977 (Engl. Original 1975), S. 15
[2] Leszek Kolakowski: Die Suche nach der verlorenen Gewißheit. Denk-Wege mit Edmund Husserl. Stuttgart: Kohlhammer, 1. Aufl. 1977 (Engl. Original 1975), S. 94f.
[3] Aus einer Newsgroup
[4] Georgi Schischkoff (Hrsg.): Philosophisches Wörterbuch. Stuttgart: Alfred Kröner, 15. Aufl. 1960, Stichwort "allgemein"
[5] Herbert Pietschmann: Die Wahrheit liegt nicht in der Mitte. Von der Öffnung des naturwissenschaftlichen Denkens. Stuttgart: Ed. Weitbrecht, 1990, S. 28
[6] Robert Polt, Agemus Nachrichten Wien. Mensch und Umwelt aktuell, Nr. 38, S. 2
[7] Hans-Peter Dürr in dem von ihm herausgegebenen Buch: Physik und Transzendenz. Die großen Physiker unseres Jahrhunderts über ihre Begegnung mit dem Wunderbaren. Bern: Scherz, 3. Aufl. 1989, S. 17
[8] Hans Biedermann in Adolf Holl (Hrsg.): Die zweite Wirklichkeit. Esoterik, Parapsychologie, Okkultismus, Grenzerfahrungen, Magie, Wunder. Wien: Ueberreuter, 1987, S. 22
[9] Pierre Teilhard de Chardin: Mein Weltbild. Olten: Walter, 2. Aufl. 1976 (franz. Orig. 1973), S. 23