Mario Sedlak
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Leib-Seele-Problem

Wir Menschen haben einen Körper (Leib) und ein Bewusstsein (Seele). Der Körper ist offenbar etwas Materielles, während das Bewusstsein offenbar etwas "Geistiges" ist. Manche Philosophen fragen nun:

Wie kann etwas Geistiges auf etwas Materielles wirken und umgekehrt?

Das ist ein typisch philosophisches Problem, denn der Unterschied zwischen einem Menschen "mit Geist" und einem Menschen "ohne Geist" (den die Philosophen Zombie nennen) ist gar nicht beobachtbar! Man kann von außen nicht erkennen, ob ein Mensch Bewusstsein hat oder nur so tut, als ob er Bewusstsein hätte. Manche Philosophen geben das sogar zu – aber trotzdem wollen sie eine Antwort auf die Frage. Das ist typisch für die Denkweisen von Philosophen.

Viele Philosophen sind fast entrüstet, wenn jemand leugnet, dass wir Menschen "Geist" haben. Die sonst so kritischen Philosophen bedenken anscheinend nicht, dass der Eindruck, ihre Gefühle und Gedanken können keine physikalisch-chemischen Nervensignale sein, auch täuschen kann.

Für die Wissenschaft gibt es das Leib-Seele-Problem gar nicht, weil sie in ihren Modellvorstellungen ohne etwas "Geistiges" auskommt. Sie braucht sich über unbeobachtbare Dinge nicht den Kopf zu zerbrechen – das überlässt sie der Philosophie.

So sieht eine der philosophischen Erkenntnisse aus:

Es ist unbezweifelbar, dass ich ein Bewusstsein habe. Dann aber muss es, je weiter nach "unten" ich die Entwicklung rückläufig verfolge, an jedem Punkt immer auch schon Vorstufen dieses Bewusstseins gegeben haben, ja dann muss dieses Bewusstsein in unendlich verdünnter Form grundsätzlich auch schon in den Elementarteilchen der Materie angelegt gewesen sein, denn sonst würde die gesuchte Grenze aus dieser Perspektive ja mit einem Male in aller Deutlichkeit sichtbar.
Das Resultat unserer Bemühungen, den Geist aus der Materie abzuleiten, ist also die Entdeckung, dass die Materie ihrerseits geistige Qualitäten hat.[1]

Andere Philosophen bestreiten das oder kommen zu anderen "Erkenntnissen". Niemand kann wissen, wer Recht hat, da ja alles unbeobachtbar ist.

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Philosophische Diskussionen

Quellen

[1] Hoimar von Ditfurth: Zusammenhänge. Gedanken zu einem naturwissenschaftlichen Weltbild. Hamburg: Hoffmann und Campe, 1974, S. 10