Mario Sedlak
Quantentheorie
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Irrtümer über die Quantentheorie

Die Quantentheorie fasziniert viele Menschen. Doch nur wenige verstehen sie. Daher trifft man so häufig auf falsche Vorstellungen über die Welt des Mikrokosmos. Das ist einer der Gründe, wieso ich auf meiner Website über dieses Thema schreibe. Ich hoffe, ein wenig aufklären zu können.

Auf den Beobachter kommt es nicht an!

In der Quantentheorie spielen Menschen keine besondere Rolle. Der Ausgang eines Experiments ändert sich nicht, wenn jemand hinschaut oder wegschaut. Wenn zwei Leute hinschauen, sehen sie das Gleiche. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass "der Geist die Materie beeinflusst".

Messungen

Laut Quantentheorie ist es i. A. nicht möglich, etwas zu messen, ohne das gemessene Objekt zu verändern. Es ist aber nicht unbedingt so, dass das Objekt durch die Messung unkontrolliert verändert wird. Die Veränderung lässt sich unter gewissen Umständen rückgängig machen. Das zeigen z. B. "Quantenradierer" im Doppelspalt-Experiment.

Es ist richtig, dass nicht alle Messungen gleichzeitig mit theoretisch unbegrenzter Genauigkeit durchführbar sind (Heisenbergsche Unschärferelation). Für jede einzelne Messung gibt es allerdings keine prinzipielle Grenze der erzielbaren Genauigkeit.

Wahrscheinlichkeiten

In der Quantenwelt lassen sich i. A. nur gewisse Wahrscheinlichkeiten dafür angeben, dass ein bestimmter Wert gemessen werden wird. Im Makrokosmos gleichen sich diese Unsicherheiten aber so weit aus, dass diese in der Praxis nicht mehr feststellbar sind. Deshalb kann die Physik etwas wissen, obwohl die ganze Welt auf Wahrscheinlichkeiten aufgebaut ist.

Willensfreiheit

Wie Experimente mit Teilchen in verschränkten Quantenzuständen zeigen, können die Wahrscheinlichkeiten, die in der Quantentheorie auftauchen, nicht darauf zurückgehen, dass die Theorie unvollständig ist und wir irgendeinen grundlegenderen Mechanismus noch nicht kennen. Der Mikrokosmos verhält sich "echt" zufällig. Daraus folgern viele, dass der Mensch einen "freien Willen" haben kann.[1] Das kann man aber gerade nicht folgern, denn die Wahrscheinlichkeiten gehorchen ja den Gesetzen der Quantentheorie und jede Veränderung (etwa durch eine "bewusste Entscheidung") würde dieses Gesetz verletzen. Die Quantentheorie würde für Lebewesen mit Bewusstsein dann nicht gelten. Es gibt bis jetzt keinen Grund, das anzunehmen.

Vorausberechenbarkeit

Aus philosophischer Sicht hat sich das Weltbild mit der Entdeckung der Quantentheorie grundlegend verändert: Aufgrund der Quantenunschärfen und Wahrscheinlichkeiten ist die Welt nicht mehr exakt vorausberechenbar. In der Praxis war sie das jedoch auch vorher schon nicht, da man nie alle Anfangsbedingungen unendlich genau wissen kann.

Verborgene Beziehungen

Die Quantentheorie zeigt nicht, dass "alles mit allem verbunden ist" und daher magische oder parapsychologische Phänomene passieren können. Selbst wenn zwei Teilchen miteinander verschränkt sind, lässt sich damit kein Wunder bewerkstelligen. Wenn die zwei Teilchen unabhängig voneinander mit der Umgebung wechselwirken, dann kann man nicht einmal Wahrscheinlichkeiten von Messungen an einem Teilchen auf das andere übertragen, denn die Verschränkung wird durch den Austausch mit der Umgebung de facto zerstört.

Quantisierung

Es ist nicht so, dass in der Quantentheorie alles aus Quanten besteht oder physikalische Größen grundsätzlich nur bestimmte Werte haben können. Z. B. können ungebundene Elektronen jede Geschwindigkeit haben, d. h. jeden Wert für die Energie annehmen. Es ist nicht so wie z. B. bei der Ladung, die nur in ganzzahligen Vielfachen einer "Elementarladung" vorkommt.

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Irrtümer über den Welle-Teilchen-Dualismus

Weblinks

Quellen

[1] Richard P. Feynman u. a.: Vorlesungen über Physik. Band 1: Hauptsächlich Mechanik, Strahlung, Wärme. München: Oldenburg, 1987 (amerik. Original 1963), S. 539f.

Seite erstellt am 26.8.2014 – letzte Änderung am 17.11.2020