Mario Sedlak
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Bewusstsein aus Sicht der Philosophie

Die alte Streitfrage, wie das menschliche Bewusstsein zu erklären ist, eignet sich gut dazu, die unterschiedlichen Denkweisen zu illustrieren und gegeneinander abzugrenzen:

Wissenschaftsgläubig: Es wurde endgültig bewiesen, dass Bewusstsein nur ein durch das Gehirn erzeugtes Phänomen sein kann.
Wissenschaftlich: Wenn man Nervenzellen im Gehirn untersucht, entdeckt man nichts, was der Annahme widerspricht, dass alle Atome im Gehirn sich genauso verhalten wie es die physikalischen Naturgesetze sagen und dass der Eindruck von "Bewusstsein" letztlich ein physikalisch-chemischer Vorgang ist.
Wissenschaftstheoretisch: Können wir die Frage, ob Bewusstsein nur ein durch das Gehirn erzeugtes Phänomen ist, überhaupt beantworten?
Philosophisch:

Dass Bewusstsein wissenschaftlich nicht messbar ist, bedeutet keineswegs, dass es nicht existiert.

  • Wie können wir wissen, ob nicht die Art der Fragestellung bestimmt, welches Ergebnis wir erhalten?
  • Sind die für die Erforschung der physikalischen Welt geschaffenen Untersuchungsmethoden überhaupt dazu geeignet, das Phänomen des Bewusstseins zu erforschen?
  • Lassen die so gewonnenen Erkenntnisse tatsächlich Schlüsse zu, die sich über die Grenzen der physischen Welt auf eine eventuell vorhandene "geistige" Dimension erstrecken?
  • Reduzieren wir das untersuchte Phänomen nicht mit unseren Methoden auf die Erscheinungen in jenem Bereich, für den die Methoden gelten?
  • Es wäre unwissenschaftlich, zu sagen: "Ich habe keine Hinweise entdeckt, welche der Annahme widersprechen, dass du in Sydney lebst." So eine Aussage ist pseudowissenschaftlich und suggestiv – und darauf aufmerksam zu machen, ist (unter anderem) Aufgabe der Philosophie.[1]

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Philosophie: Leib-Seele-Problem
Philosophie: Philosophie und Wahrheit
Denkweisen: Unwissenschaftliche Denkweisen

Quellen

[1] Basierend auf einem (nicht mehr aufrufbaren) Beitrag von Gerhard Höberth in einem Diskussionsforum, 6.3.2003 13:01