Mario Sedlak
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Kritik an der Philosophie

Nicht nur ich kritisiere die Philosophie, sondern auch viele Wissenschaftler:

Begriffe und Begriffsysteme erhalten die Berechtigung nur dadurch, dass sie zum Überschauen von Erlebniskomplexen dienen; eine andere Legitimation gibt es für sie nicht. Es ist deshalb nach meiner Überzeugung eine der verderblichsten Taten der Philosophen, dass sie gewisse begriffliche Grundlagen der Naturwissenschaft aus dem der Kontrolle zugänglichen Gebiete des Empirisch-Zweckmäßigen in die unangreifbare Höhe des Denknotwendigen (Apriorischen) versetzt haben. ... Dies gilt im Besonderen auch von unseren Begriffen über Zeit und Raum, welche die Physiker – von Tatsachen gezwungen – aus dem Olymp des Apriori herunterholen mussten, um sie zu reparieren und wieder in einen brauchbaren Zustand setzen zu können.[1]

Auch Philosophen kritisieren die Philosophie (die z. B. wissen will, was das "Wesen" der elektrischen Ladung ist):

Wenn wir gesagt haben, wie die Dinge sich verhalten, wenn sie "elektrisch geladen" sind, so haben wir alles gesagt, was zu sagen war.[2]

Dazu wieder ein Wissenschaftler:

Vielleicht sagen Sie: "Das ist schrecklich – ich habe gelernt, dass wir in der Wissenschaft alles präzise definieren müssen." Wir können nicht alles präzise definieren! Wenn wir das versuchen, so gelangen wir zu der Gedankenlähmung, die über die Philosophen kommt, welche einander gegenüber sitzen und einer zum anderen sagt, "Sie wissen nicht, wovon Sie reden!" Der zweite sagt: "Was meinen Sie mit wissen? Was meinen Sie mit reden? Was meinen Sie mit Sie?" usw. Um konstruktiv zu reden, müssen wir nur darin übereinstimmen, dass wir in etwa von der gleichen Sache reden.[3]
in der Tat haben die Philosophen früher gesagt, dass es eine der grundsätzlichen Forderungen der Wissenschaft ist, dass sich immer dasselbe ereignen muss, wenn die Bedingungen dieselben sind. Dies ist einfach nicht wahr, es ist keine grundsätzliche Forderung der Wissenschaft.

Die Philosophen, nebenbei bemerkt, reden eine Menge über das absolut Notwendige in der Naturwissenschaft und dies ist, soweit man sehen kann, recht naiv und wahrscheinlich falsch.[4]

Zur Frage, wie man unter verschiedenen möglichen Theorien eine Auswahl treffen kann:

Nun kommen manche mit philosophischen Argumenten daher, warum sie die eine Möglichkeit einer anderen vorziehen würden. Die Erfahrung aber hat gezeigt, dass die philosophische Intuition angesichts der Vorgänge in der Natur versagt. Es bleibt nichts anderes übrig, als sämtliche Möglichkeiten auszuarbeiten und sie der Reihe nach durchzuprobieren.[5]

Meine Kritik

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Unterschiede in den Denkweisen von Philosophen und Wissenschaftlern

Quellen

[1] Albert Einstein: Grundzüge der Relativitätstheorie. Braunschweig: Vieweg, 5. Aufl. 1969 (1. Aufl. 1956), S. 6
[2] Bertrand Russel lt. Walter R. Fuchs: Knaurs Buch der modernen Physik. München: Droemer Knaur, 1965, S. 35
[3] Richard P. Feynman u. a.: Vorlesungen über Physik. München: Oldenburg, 1987 (amerik. Original 1963), Band 1, S. 120
[4] Richard P. Feynman u. a.: Vorlesungen über Physik. München: Oldenburg, 1987 (amerik. Original 1963), Band 1, S. 39
[5] Richard P. Feynman: Vom Wesen physikalischer Gesetze. München: Piper, 1990 (amerik. Original 1967), S. 69