Mario Sedlak
Energie
Umweltschutz
Hauptthemen

Hochrechnung des Energieverbrauchswachstums

Ich habe ausgerechnet, wie sich der Weltenergieverbrauch entwickeln würde, wenn er um 2% pro Jahr steigt. Das entspricht in etwa den Steigerungsraten der letzten Jahrzehnte.[1] Man hört immer wieder das Argument, dass eine Senkung des Verbrauchs nicht möglich ist, weil das in einer wirtschaftlichen Katastrophe enden würde und wir unseren Lebensstandard nicht aufrecht erhalten könnten. Die einfache Rechnung zeigt jedoch, dass früher oder später das Energieverbrauchswachstum aus einfachen physikalischen Gründen enden muss – ob wir wollen oder nicht. Wir können nicht immer noch mehr haben.

Ergebnisse der Hochrechnung

Jahr
2500 Bei einem unveränderten Anhalten des aktuellen Trends würde die Menschheit so viel Energie benötigen, wie auf der gesamten Erde von der Sonne eintrifft. (Heute verbrauchen wir ca. 1/10 000 davon.)
3500 Die Menschheit würde (wenn alles so weitergeht wie bisher) bereits so viel Energie brauchen, wie von der Sonne insgesamt ins All abgestrahlt wird.[2]
4900 Jetzt wird's wirklich astronomisch: Unser Energiekonsum würde ein Niveau erreichen, das unserer gesamten Milchstraße[3] entspricht.
6100 Wir bräuchten die Strahlungsmenge des gesamten sichtbaren Universums,[4] wenn es stimmt, dass wir ohne 2% Energieverbrauchswachstum pro Jahr nicht leben können.
7700 Nun ist definitiv Schluss: Die Menschheit bräuchte pro Jahr mehr Energie als im gesamten Universum laut Masse-Energie-Äquivalenz vorhanden ist![5]

Interpretation

Das exponentielle Wachstum (wie beim Zinseszinseffekt) erstaunt doch immer wieder! Ich dachte, es dauert länger, bis so "absurde" Werte herauskommen. Knapp 6000 Jahre sind ja im Vergleich zum Alter der Menschheit gar nicht so utopisch lang. Und 2% Steigerung pro Jahr klingen eigentlich recht bescheiden.

Kein exponentielles Wachstum kann jedoch auf Dauer funktionieren. Meines Erachtens kann man die Rechnung ohne Weiteres als Argument dafür einsetzen, dass die angeblich unbedingt notwendige Energieverbrauchssteigerung langfristig ein Irrsinn ist. Ich finde es sogar gerechtfertigt, zu sagen, dass unser Wirtschaftssystem bzw. die ganze Menschheit auf die große Katastrophe zusteuert. Es kann einfach nicht ewig so weitergehen. Wenn wir nicht freiwillig "abspecken", wird uns die Natur dazu zwingen. Das wird jedoch nicht angenehm sein.

Einwände

Die Hochrechnung ist natürlich keine Prognose, wie die Energiezukunft tatsächlich aussieht.

Weiter

Graue Energie

Quellen

[1] Internationale Energieagentur: Key World Energy Statistics 2015, S. 36f. (im PDF S. 37f.) – Hilfe zum Nachrechnen: 2% Wachstum pro Jahr = Anstieg auf das 2,16-Fache in 39 Jahren
[2] Die Sonne strahlt lt. Wikipedia mit 3,846·1026 W.
[3] Abgeschätzt mit der Strahlungsleistung der Sonne mal der Anzahl der Sterne in der Milchstraße (angenommen: 200 Milliarden). Die Sonne ist ein durchschnittlicher Stern.
[4] Gerechnet mit 100 Milliarden Galaxien, die jede die Strahlungsleistung unserer Milchstraße haben. Es könnte Billionen Galaxien geben, darunter aber auch Zwerggalaxien.
[5] Die Masse m des beobachtbaren Universums wird lt. Wikipedia auf 1053 kg geschätzt. Mit Einsteins berühmter Formel E = m·c2 kann man daraus die theoretisch gewinnbare Energiemenge abschätzen.