Mario Sedlak
Strommarkt
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Aktie der Ella AG

Die Ella AG war von 2014–2018 eine kleine Tochtergesellschaft der WEB Windenergie. Den großen Kapitalbedarf zur Errichtung von Schnellladestationen für Elektroautos wollte sie unter anderem mit der Ausgabe von Aktien decken. Nach der erfolgreichen Einwerbung von rund 800 000 € fanden sich aber keine "Bürger" mehr, die investieren wollten. Kunden waren auch kaum in Sicht. Um die drohende Pleite abzuwenden, hat die verhältnismäßig reiche Mutter WEB alle Aktien zurückgekauft und die Ella AG in eine GmbH & Co KG umgewandelt.[1]

Aktionäre

Ziel von Kapitalerhöhungen der Ella AG waren direkte Beteiligungen von Bürgern. Besonders Elektroauto-Pioniere wurden angesprochen: Als Aktionär konnten sie mitentscheiden, wo eine Schnellladestation gebaut wird. ("Je nach Herkunft unserer Beteiligten bzw. Elektroautonutzer passen wir den Ausbau regional an.") Eine "Naturaldividende" in Form von vergünstigten Ladetarifen ist aus steuerlichen Gründen nicht möglich, weil dies eine verdeckte Gewinnausschüttung wäre. (Die WEB Windenergie als Ökostrom-Anbieter bietet so einen Sondertarif für Aktionäre aber an ...)

Ende 2015, nach der 2. Kapitalerhöhung, ist der Anteil der WEB Windenergie auf unter 40% gesunken, weil sie kein frisches Geld in ihre Tochter nachschoss.[2]

Satzung

Bemerkenswert war, dass sich die WEB Windenergie ihren beherrschenden Einfluss auf die Ella AG so absicherte, dass sie gar keine Aktienmehrheit besitzen musste:

Der Alleinvorstand der Gesellschaft hält derzeit [Juni 2015] 50 Aktien der Emittentin, darunter die Namensaktie Nr. 1, die W.E.B 5.000 Aktien, darunter die Namensaktie Nr. 2. Die Namensaktien Nr. 1 und Nr. 2 berechtigen laut Satzung der Emittentin jeweils zur Entsendung eines Aufsichtsratsmitglieds, solange die Zahl der entsandten Mitglieder nicht die Zahl der von der Hauptversammlung gewählten Mitglieder (Kapitalvertreter) übersteigt. Dadurch sind der Alleinvorstand und die W.E.B in der Lage, die Besetzung des Aufsichtsrats erheblich zu beeinflussen, insbesondere weil die Satzung eine Höchstzahl von nur fünf Aufsichtsratsmitgliedern vorsieht. ... Der Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft bestellt deren Vorstand, wofür in der Satzung der Emittentin eine Mehrheit von zwei Drittel der Stimmen aller Aufsichtsratsmitglieder erforderlich ist.[3]

Und 3/5 sind weniger als 2/3 ... Das bedeutete im Klartext: Die WEB Windenergie hatte ein eigenständiges Vetorecht, mit dem sie alle größeren Veränderungen blockieren konnte, ohne ihren Kapitalanteil halten zu müssen.

Überspitzt formuliert: Die WEB entscheidet – das Risiko tragen die Kleinanleger.

Handel

Eine Handelsplattform (wie für die Aktie der WEB Windenergie) war nicht geplant. Ein außerbörslicher Kauf oder Verkauf der Aktie war daher schwierig, und es gab auch keine Preise, an denen sich Neuinvestoren orientieren hätten können.

Meine Einschätzung 2016

Soweit ich sehe, ist bei den Planungen der Ella AG nur die Rede davon, wann wie viele Ladestationen errichtet sein sollen, aber nirgendwo finde ich eine Rechnung, wann und wie man damit Gewinn machen will. An den Profit denken Ökopioniere nur ungern, aber ohne tragfähiges Geschäftsmodell wird die Ella AG immer ein Zuschussgeschäft bleiben. Das heißt: Sobald die Ella AG keine neuen Investoren findet, ist sie pleite.

Mein Fazit

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Quellen

[1] WEB Windenergie: WEB aktuell, Winter 2018/2019 (PDF, 5 MB), S. 10
[2] WEB Windenergie: WEB aktuell, Winter 2015/2016, S. 19
[3] Broschüre ELLA Bürgerbeteiligung/Aktie (PDF, 1 MB), S. 19