Mario Sedlak
Umweltschutz
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Arme leben umweltfreundlicher

Es gehört zu den verblüffendsten Erkenntnissen der Ökobilanz-Forschung, dass arme Menschen im Allgemeinen umweltfreundlicher und nachhaltiger leben als reiche. Man würde es umgekehrt erwarten: Die Reichen können sich nachhaltigere Produkte leisten. Das stimmt auch, aber dafür konsumieren sie viel mehr als Leute mit wenig Geld. Letztere fahren vielleicht nicht das effizienteste Auto, aber dafür ein kleineres und weniger Kilometer. Gutverdiener ziehen in ein neues, gut gedämmtes Haus, das aber viel größer als die alte Wohnung der weniger Begüterten ist und so insgesamt mehr Energie verbraucht (insbesondere auch für die Errichtung!).

So ist es zu verstehen, dass die ärmsten Länder Europas – Moldawien und Albanien – die kleinsten ökologischen Fußabdrücke pro Kopf haben. In den beiden Ländern, wo die Menschen durchschnittlich 200–300 € pro Monat verdienen, beläuft sich der ökologische Fußabdruck auf rund 2 ha pro Kopf, während die Österreicher 5,3 ha pro Kopf beanspruchen.

Zukunftsfähig wäre ein Fußabdruck von 1 ha pro Erdbewohner, was ungefähr dem Fußabdruck eines durchschnittlichen Inders entspricht. Die Öfen in Indien mögen ineffizient sein und relativ viele Luftschadstoffe produzieren, aber durch die geringe Kaufkraft der meisten Inder fällt das – global gesehen – nicht so ins Gewicht wie der zigfach größere Konsum der Menschen in den reicheren Ländern.

Jedes einzelne Produkt wird zwar immer effizienter hergestellt und verbraucht immer weniger, aber dadurch wird es auch billiger und diese Ersparnis investiert der glückliche Kunde wieder in neue Produkte – im schlimmsten Fall in einen Kurzurlaub mit dem Flugzeug. Daher geht die Umweltbelastung, die wir durch unseren Konsum verursachen, trotz allen Fortschritts nicht zurück.

Was können wir gegen diesen Teufelskreis tun?

Die umweltfreundlichste Kilowattstunde ist bekanntlich die eingesparte Kilowattstunde. Dementsprechend, aber weit weniger bekannt, ist die umweltfreundlichste Konsumentscheidung der eingesparte Konsum, also der nicht ausgegebene Euro.

Aber was machen wir dann mit den Euros, die wir gar nicht brauchen? Spenden wäre eine Möglichkeit. Die andere lautet: weniger arbeiten! (Ich mache das seit 2013.)

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