Gefühlsmensch
Gefühle sind ein unentbehrlicher Bestandteil unseres Lebens. Wer sich von ihnen jedoch zu sehr leiten lässt, riskiert falsche Entscheidungen, die langfristig ihm selber schaden. Wahrscheinlich gibt es deutlich mehr Gefühlsmenschen als Vernunftmenschen. Natürlich gibt es auch Mischtypen in jeder Ausprägung.
Eigenschaften
Ein typischer Gefühlsmensch
- geht nicht zum Arzt, weil er sich nachher "so krank" fühlt.
- nimmt Medikamente nicht ein, nachdem er den Beipackzettel gelesen hat.
- wählt eine Partei, wenn der Spitzenkandidat gut aussieht.
- kauft lieber ein schönes als ein verbrauchsarmes Auto.
- interessiert sich nicht für Astronomie, weil er sich den "Zauber der Sterne" bewahren möchte.
- glaubt dem, der sich sicher ist und Unsicherheiten verschweigt.
- hält einen Mann, der mit Anzug und Krawatte gekleidet ist, für glaubwürdiger und seriöser.
- lässt sich durch sachliche, vernünftige Argumente kaum beeinflussen, aber leicht durch Werbung.
- greift zu einem "Sonderangebot", das "eine Ersparnis von 20%" verspricht, anstatt zu einem noch günstigeren Produkt ohne Rabatt.
- kauft den billigsten Kühlschrank, obwohl dieser auf Dauer teurer kommt.
- entscheidet oft spontan aus dem Bauch heraus, obwohl er immer wieder einsehen muss, dass vorher überlegen sinnvoller gewesen wäre.
- lebt lieber in einer schönen Welt als in der Wirklichkeit.
- will gar nicht wissen, wie sein Essen hergestellt wurde.
- hasst den Übermittler einer schlechten Botschaft.
- bleibt lieber allein, als auf eine Party zu gehen, wo er niemanden kennt.
- spendet an Bettler und für gequälte Tiere, aber weniger für die Erhaltung der Lebensgrundlagen von armen Menschen und für Artenschutz.
- bietet oft spontan seine Hilfe an und bereut es hinterher.
- fürchtet sich vor Handystrahlen, Hausstaubmilben im Kopfpolster, Geldentwertung durch Inflation oder Währungskrise usw., aber nicht vor Armut durch übermäßige Verschuldung, den Folgen des Klimawandels, Aroma in Lebensmitteln usw.
- ist von einem Freund, der sich nicht auf seine Seite, sondern auf die Seite der Wahrheit stellt, schwer enttäuscht.
- will, dass alle Menschen in Frieden und Harmonie miteinander leben und verurteilt Kritiker, die diese Harmonie stören, auch wenn ihre Argumente und Anliegen berechtigt sind.
- bevorzugt eine Problemlösung, mit der er (zunächst) glücklich wird, gegenüber einer Problemlösung, die funktioniert.
- will oft gar keine Problemlösung, sondern nur Mitleid und Trost.
Nachteile
Meines Erachtens ist es völlig eindeutig, dass wir am besten Gefühle und Verstand gebrauchen sollten. Dennoch haben viele Menschen eine genau gegenteilige Meinung:
Würde mehr "mit dem Bauch" entschieden, sähe die Welt besser aus, z. B. weniger Kriege und weniger Umweltzerstörung.
Ich glaube das nicht, denn die Gefühle
- bewerten in 1. Linie die konkreten, bereits jetzt sichtbaren Auswirkungen
- nicht die zukünftigen oder anderswo eintretenden Auswirkungen
Beispiele
Spricht die Gefühle stark an | Spricht die Gefühle weniger an, obwohl die Konsequenzen drastischer sind |
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| im Flugzeug die Bomben abwerfen |
| eine Tierart stirbt aus |
Andere Definitionen
Manche verstehen unter einem Gefühlsmenschen jemanden, der gefühlvoll, warmherzig, mitfühlend usw. ist. So ein Mensch hat nicht unbedingt die typischen Eigenschaften, die ich oben beschrieben habe. Er kann sogar ein "reinrassiger" Vernunftmensch sein, also jemand, der durchwegs vernünftige Entscheidungen trifft.
Mein Fazit
Die Gefühle sind meiner Meinung nach nicht mehr als nützliche Faustregeln. Sie betrachten die Welt durch die Brille der Instinkte, die uns die Natur mit auf den Weg gegeben hat. Deshalb ist es gut, dass der Verstand die Gefühle hinterfragen und ggf. überstimmen kann. Das heißt aber nicht, dass man ein gefühlskalter Mensch sein soll!
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Weblinks
- Quarks & Co: Die Gefühle sind viel mächtiger als der Verstand, WDR, 14.10.2008