Mario Sedlak
Computer
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Plattformunabhängigkeit und Rückwärtskompatibilität im Internet

"Plattformunabhängig" heißt bei Dokumenten, dass es für verschiedene Computersysteme geeignete Betrachtungsprogramme gibt. Es ist also keine Eigenschaft des Mediums oder einer Sprache wie HTML an sich. Z. B. war (und ist) nicht gesichert, dass du auf einem Commodore 64 Webseiten lesen kannst. Trotzdem wurde das Internet in den 1990ern als "plattformunabhängig" bezeichnet. Mittlerweile weiß ich, dass damit hauptsächlich Windows- und Unix-Rechner gemeint waren. Mit einem Microsoft-Word-Dokument konnte/kann ein Unix-Benutzer wahrscheinlich nicht viel anfangen, da es kein Anzeigeprogramm gab/gibt. Websites konnten hingegen beide öffnen, da für beide Systeme ein Browser bereitgestellt wurde.

Außerdem wurde in der Anfangszeit des Webs viel Wert darauf gelegt, dass ältere Browser weiterhin relativ gut funktionieren, wenn neue Versionen von HTML eingeführt wurden. Neue Befehle, z. B. für Javascript, wurden zur Sprache so hinzugefügt, dass sie von früheren Browsern einfach überlesen wurden.

Situation heute

Webmaster, Softwarefirmen, Programmierer usw. kümmern sich kaum noch um Benutzer älterer Systeme. Immer neuere Browser werden vorausgesetzt. Ältere sollen upgedatet werden. Wenn das nicht möglich ist – Pech gehabt!

Befeuert wird das noch durch einen (übertriebenen) Sicherheitsgedanken. Es soll nur noch verschlüsselte Webseiten geben, aber leider werden die Verschlüsselungsverfahren laufend geknackt und weiterentwickelt. Viele Websites sind mit älteren Browsern überhaupt nicht mehr aufrufbar, weil die Webserver eine Verbindung mit älteren Sicherheitsstandards komplett ablehnen. Das ist natürlich verständlich, wenn es sich um Websites von Banken oder Shops handelt.

Unverständlich ist, wieso auch auf reinen Informationsseiten ohne irgendwelche vertraulichen Daten ein Zugriff nur mit der stärksten verfügbaren Verschlüsselung möglich sein soll. Wieso soll der Benutzer nicht selbst einschätzen können, ob er das "Risiko" eingehen will?

Anfang 2020 machte auch die Wikipedia ernst. Ältere Browser wurden ausgesperrt. Begründet wurde das so:

Und wenn du jetzt mit einem 5 Jahre alten Handy in der Wikipedia nachschauen willst? Na, dann kauf dir doch ein neues! So der tolle Rat der Wikipedianer.

Mein Rat

Browser und Betriebssystem solltest du in der Tat aktuell halten. Es ist aber nicht immer möglich, weil etwa deine Hardware keine neuere Version unterstützt oder weil du eine Zusatzfunktion in deinem Browser installiert hast (ich z. B. Slogger), für die es (noch) kein Update gibt.

Eine Möglichkeit, um die Bevormunder selbst auszuhebeln, wäre ein Proxy, der die Seiten mit hoher Sicherheit abruft und sie dir dann mit der Sicherheit liefert, die dein System unterstützt. Ich kenne aber keinen öffentlichen Server, der das anbietet.

Mein Fazit

Plattformunabhängigkeit und Rückwärtskompatibilität gibt es im Internet nicht mehr. Die Interessen von kleinen Minderheiten werden einfach niedergetrampelt.

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Siehe auch

Seite erstellt am 24.1.2020 – letzte Änderung am 25.1.2020