Mario Sedlak
Umweltschutz
Hauptthemen

Diskussionen über Gentechnik

Gentechnik ist unter Wissenschaftlern kaum umstritten. Die Skepsis der Bevölkerung können sie nicht nachvollziehen.

Wissenschafter raufen sich die Haare, wenn sie beobachten, wie mit drastisch vereinfachten und oft einfach falschen Argumenten ein ganzer großer Forschungsbereich als Werk des Teufels bzw. einer profitgierigen und gefährlichen Großindustrie verunglimpft wird.

Wie ich aus diversen Diskussionen weiß, denken so auch andere Menschen, die eine gute Meinung von der Wissenschaft haben. Es ist keineswegs für alle Umweltschützer klar, ob Gentechnik Fluch oder Segen ist. Manche sind gegen eine kategorische Ablehnung.[1] Auch bei der GWUP kämpft man gegen "eingebildete Gefahren der grünen Gentechnik". Umweltschützer würden "aus ideologischen Gründen die Augen vor den Tatsachen verschließen", heißt es.

Sachlichere Debatte

Ein Hauptargument der Befürworter ist, dass es in der wissenschaftlichen Literatur keinen Nachweis gibt, dass Gentechnik der Umwelt oder Gesundheit schadet. Seit Jahrzehnten wird Gentechnik in der Landwirtschaft eingesetzt, ohne dass es zu ökologischen Katastrophen gekommen wäre.

Die Befürworter fordern immer wieder eine "sachlichere Debatte". Aber was soll das sein? Ist es unsachlich, Risiken für möglich zu halten? Die Angst vor Atomkraftwerken wurde bis Tschernobyl auch als vollkommen unbegründet abgetan. Muss es erst zu einem Super-GAU kommen, bevor man "sachlich" darüber diskutieren darf?

Ich denke, die entscheidende Frage für eine sachliche Debatte ist gar keine, die mit Wissenschaft zu beantworten ist:

Ist der mögliche Nutzen der Gentechnik so hoch, dass wir die möglichen Risiken akzeptieren wollen?

Wenn die Gentechnik-Gegner nicht warnen dürfen, weil es "keinen wissenschaftlichen Beleg" dafür gibt, dann dürften die Befürworter auch die Vorteile für die Menschheit nicht anpreisen, bevor sie erzielt wurden. Das wäre aber absurd, denn wir brauchen eine Entscheidungsgrundlage schon vor der 1. Freisetzung.

Panikmache durch mangelhafte Studien lehne ich auch ab. Interessanterweise habe ich aber bisher noch von keinem Gentechnik-Befürworter eine gute Quelle, wo auf die Studien und Argumente der Gentechnik-Gegner umfassend eingegangen wird, genannt bekommen. In einer unvoreingenommenen Debatte erwarte ich, dass alle Indizien – egal, wer sie gesammelt hat – ernst genommen werden.

Ein "großer Schaden" durch Umweltschützer, die Gentechnik ablehnen, ist zum jetzigen Zeitpunkt mindestens genauso hypothetisch wie ein großer Schaden durch das Ausschöpfen der gentechnischen Möglichkeiten. Kleinere Schäden und unverhergesehene Wirkungen sind bereits eingetreten.

Unlogische Argumente

Tatsächlich ist es weder beim Klimawandel noch bei der Freisetzung neuer Genkombinationen möglich, zu beweisen, dass die Folgen harmlos sind. Wer etwas anderes behauptet, spielt die Risiken herunter. Es müssen nicht die Umweltschützer beweisen, dass die Folgen verheerend sein können.

"Dann dürfte man ja überhaupt nichts Neues machen"

Selbstverständlich können alle Neuheiten wie z. B. Nanopartikel unvorhergesehene Wirkungen zeigen, aber gentechnisch veränderte Organismen sind eher mit sich selbst vervielfältigenden Nanomaschinen vergleichbar: Im schlimmsten Fall geraten sie außer Kontrolle und lassen sich nicht mehr zurückholen. Ausgesetzte "Nützlinge" und unabsichtlich eingeschleppte Arten sind kein theoretisches, sondern ein sehr reales Problem für den Artenschutz.

Ein neuer Entzündungshemmer für die Viehzucht brachte in Indien Geier an den Rand der Ausrottung. Trotz aller Tests konnte das niemand voraussehen. Das heißt aber, dass man bei allen Neuerungen durchaus skeptisch sein darf.

Mein Fazit

Gerade weil ein Unbedenklichkeitsbeweis unmöglich ist, sollte man die Gefahren beim Freisetzen von gentechnisch veränderten Organismen nicht kleinreden und Menschen, die das Risiko ablehnen, nicht als technikfeindliche Hysteriker betrachten.

Weiter

Biotope

Quellen

[1] Interview mit Urs Niggli (PDF, 2 MB) in Bio-Fibel, 2/2013, S. 5