Hühner mit Resten füttern
Immer mehr Leute füttern gerne eigene Hühner anstatt der Biotonne. Aber ist das auch erlaubt?
Recht in Österreich
§ 15a (Absatz 2) Tierseuchengesetz besagt:
Die Verfütterung von Küchenabfällen und Speiseresten an Nutz- und Wildtiere ist verboten.
So streng, wie es da steht, wird es aber nicht gehandhabt. Eine vom Gesundheitsministerium mitherausgegebene Broschüre erklärt:
Pflanzliche Materialien fallen nicht unter dieses Verbot.[1]
Zur weiteren Klärung fragte ich bei der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). Diese verwies mich an den Amtstierarzt bei der Bezirkshauptmannschaft. Ich kontaktierte 3 Amtstierärzte in 3 verschiedenen Bundesländern. Sie antworteten unterschiedlich:
- Einem zufolge sind Küchenabfälle und Speisereste immer verboten. Das gelte auch für Brot, wenn es "aus Küchenabfällen und Speiseresten stammt". Es drohe eine Verwaltungsstrafe von bis zu 4360 €.
- Ein anderer verwies auf § 10 (Absatz 1) Tiermaterialien-
Verordnung , wonach Milch- und Eiprodukte verfüttert werden dürfen. (In § 1, Absatz 2 dieser Verordnung lese ich jedoch, dass die Verordnung "nicht für Küchen- und Speiseabfälle, die in privaten Haushalten anfallen", gilt!) - Und der dritte erklärte, man darf grundsätzlich die privaten Hühner mit Speiseresten und Küchenabfällen aus dem eigenem Haushalt füttern.
Die Amtstierärzte haben anscheinend erheblichen Ermessensspielraum!
Hintergrund
Ich hätte gedacht, dass das Verbot nur für gewerbliche Züchter gilt, aber das ist nicht der Fall. Das macht insofern Sinn, als auch privat für den Eigenbedarf gehaltene Hühner die mit dem Futter aufgenommenen Viren, wenn sie nicht selbst daran erkranken (z. B. Vogelgrippe bekommen), unverdaut ausscheiden (z. B. Schweinepest-
Kritisch sind vor allem Tierprodukte, die von weit her kommen. Was ich bisher gar nicht wusste: Salami ist ein Rohfleischprodukt, d. h. wird nicht durcherhitzt und kann daher infektiöse Viren enthalten. Ebenso z. B. Rohschinken. Prionen, die Erreger von BSE ("Rinderwahnsinn"), können auch in durcherhitzten Lebensmitteln noch vorkommen. BSE ist derzeit kein Thema, aber es könnte noch unbekannte Erreger geben ...
Meine Meinung
Das Abfall-
Das Gesetz selbst finde ich ziemlich vermurkst.
- Wieso sollen nur Küchenabfälle und Speisereste verboten sein? Eine Frau musste 100 € + Gerichtskosten Strafe zahlen, weil sie Hühnerknochen mit Fleischresten an Krähen verfüttert hat. Wenn sie stattdessen rohes Hundefutter verfüttert hätte, wäre das genauso kritisch gewesen, hätte aber nicht bestraft werden können.
- Wieso ist nur das Verfüttern verboten, aber nicht, rohe Eierschalen auf einen offenen Komposthaufen zu werfen? Dort können sich z. B. Krähen leicht mit Vogelgrippe anstecken.
- Wieso sollen nur Nutz- und Wildtiere keine Abfälle fressen? Hunde scheiden die aufgenommenen Schweinepest-
Viren ebenfalls in der Umwelt aus. - Wieso steht nicht im Gesetz, dass rein pflanzliche Reste vom Verbot ausgenommen sind?
Und wieso kann das Ministerium dennoch behaupten, dass nur tierische Reste verboten sind? Vielleicht beschließen die Politiker so viele Gesetze, dass sie nicht jedes genau durchdenken können ... Auch die unterschiedlichen Auslegungen der Amtstierärzte zeigen, dass das Gesetz nicht praxisgerecht ist und die Absicht dahinter nicht klar ist.
Wie gut sind Reste für Hühner?
- Z. B. Avocados sind für Hühner giftig.
- Brot enthält viel Salz und darf daher nur in kleinen Mengen gegeben werden. Verschimmeltes Brot soll gar nicht gegeben werden.
- Hühner sollen nicht nur Abfälle bekommen. Sie brauchen auch Getreide.[2]