Mario Sedlak
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Populäre Irrtümer über Aktien

Voraussehbarkeit von Kursentwicklungen

Viele Anleger sind überzeugt, dass sie mittels sorgfältiger Analyse voraussehen können, welche Aktie mit höherer Wahrscheinlichkeit steigt als andere – oder sie glauben zumindest, dass die professionellen Anleger diese Weitsicht haben. Wissenschaftlich haltbar ist diese Überzeugung nicht. Ich gehe davon aus, dass der weitere Kursverlauf einer Aktie zu jeder Zeit völlig offen ist.

"Der Kleinanleger ist immer der Dumme"

In den Medien wird meines Erachtens oft einseitig berichtet:

Es wird der Eindruck erweckt, als ob der Kleinanleger immer auf der Verliererseite ist und der Großinvestor es sich immer richten kann. Aber auch ein Großanleger kann die Kurse nicht ohne Weiteres zu seinem Gunsten beeinflussen:

Also gerade immer das Gegenteil von dem, was ihm nützt

Möglich sind Kursmanipulationen, indem man Gerüchte über das Unternehmen in Umlauf bringt. Einen großen Einfluss auf Kurse können auch Empfehlungen von Analysten haben. Im Extremfall bewirkt die Prognose ihre eigene Erfüllung. Wird etwa ein Kursanstieg vorausgesagt und kaufen daraufhin viele Anleger die Aktie, steigt diese tatsächlich im Preis. Vor allem Aktien von kleineren Unternehmen sind so beeinflussbar. Im Normalfall aber sind die Empfehlungen von Analysten genauso verlässlich wie wenn man Aktien mit dem Dartpfeil auswählt.

Verbotene Gewinne können Mitarbeiter von Aktiengesellschaften machen, wenn sie etwas über das Unternehmen wissen, was noch nicht allgemein bekannt ist. Nutzen sie ihr Insider-Wissen für Gewinn bringende Aktiengeschäfte, machen sie sich strafbar.

"Aktien sind für Kleinanleger zu riskant"

Das Risiko wird nicht kleiner, indem man mehr investiert, sondern durch eine gute Streuung des angelegten Geldes. Über Investmentfonds oder Zertifikate ist das bereits ab ca. 100 € möglich.

"Gute Aktien verkauft man nicht"

Microsoft ist eines der profitabelsten Unternehmen der Welt. Man könnte denken, wer Aktien von Microsoft besitzt, wird diese sicher nicht mehr verkaufen. Doch das stimmt nicht; es ist alles eine Sache des Preises. Für das Zwanzigfache des jährlichen Gewinns kann es klug sein, die Aktie abzugeben – schließlich ist gar nicht sicher, was mit Microsoft in 20 Jahren sein wird. Und wenn das Zwanzigfache zu wenig ist, dann pendelt sich Angebot und Nachfrage vielleicht beim Dreißig- oder Vierzigfachen ein.

"Aktionäre sind die ärgsten Kapitalisten-Haie"

Es wird meistens stimmen, dass Aktiengesellschaften die Produktion dorthin auslagern, wo die Mitarbeiter am billigsten sind. Aber zu verschenken hat auch kaum ein anderes Unternehmen bzw. deren Eigentümer etwas. Das ist meines Erachtens unabhängig von der Organisationsform. Auch die Mitarbeiter selbst spenden in Österreich durchschnittlich nur 40 €/Jahr – bei einem durchschnittlichen Einkommen von 20 000 €/Jahr.

"Der Kauf von Aktien beschleunigt den Turbokapitalismus noch weiter"

Auf deine Geldanlage kommt es auf dem zig Billionen schweren Kapitalmarkt nicht an. Sprich: Wenn du die Aktien nicht kaufst, kauft sie ein anderer.

Was die Auswüchse des "Turbokapitalismus" wirklich bremsen könnte, wäre ein verantwortungsvoller Konsum: Z. B. werden Bio-Karotten nur produziert, wenn sie auch gekauft werden. Du kannst dir heimische Produkte leisten, auch wenn sie teurer sind. Ein Unternehmen kann das nicht, denn dann würde es pleitegehen.

Natürlich könnte das Unternehmen seinen Gewinn für gemeinnützige oder nachhaltige Zwecke spenden, wenn die Aktionäre das beschließen. Wenn du selbst Aktien hast, kannst du mitstimmen und auf jeden Fall zumindest deine Dividenden nach Belieben spenden.

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